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Chronik Burgenland
05/01/2021

Das Machtgefälle in Doskozils SPÖ

Der Landeshauptmann verlässt Präsidium der Bundes-SPÖ und entsendet Astrid Eisenkopf, Verena Dunst und Daniela Winkler – eine stachelige Auszeichnung

von Thomas Orovits

Burgenlands Landeshauptmann hat eine Gabe, wenn man so will: Hans Peter Doskozil kann ein Lob so ausdrücken, dass es am Ende von Häme kaum zu unterscheiden ist.

Als ihn der KURIER kurz vor seinem Sieg bei der Landtagswahl im Jänner 2020 fragte, ob er sich vorstellen könne, dass SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner seine Forderung nach einem Mindestlohn übernehme, antwortete Doskozil: „Warum nicht? Man muss nur die Gabe besitzen, die Themen zu erkennen, die den Menschen wichtig sind“.

Als Doskozil Anfang der Woche seinen schon vor längerem gefassten Entschluss, beim SPÖ-Bundesparteitag Ende Juni nicht mehr als stellvertretender Parteichef zu kandidieren, offiziell verkündete, verhallte ein „Lob“ Doskozils ungehört.

Denn zugleich mit der Ankündigung seines Rückzugs, verkündete der mit absoluter Mehrheit ausgestattete Landeschef, Burgenlands SPÖ werde künftig von drei Frauen im Bundesvorstand vertreten: Landeshauptmann-Vize Astrid Eisenkopf (sie ist jetzt schon eine Stellvertreterin Rendi-Wagners), Landtagspräsidentin Verena Dunst und Bildungslandesrätin Daniela Winkler.

Welch eine Auszeichnung für die Frauen, könnte man meinen.

Tatsächlich ist es genau umgekehrt.

Denn Doskozil schickt just die Machtlosesten aus seiner Umgebung in ein aus seiner Sicht ohnehin überflüssiges Gremium.

Zwar stehen Landtagspräsidentin Dunst und LH-Vize Eisenkopf formal in der Hierarchie gleich hinter Doskozil, real sind die Männer weit mächtiger. In der fünfköpfigen SPÖ-Regierung verwalten Doskozil (Finanzen, Spitäler, Kultur, Tourismus) sowie die Landesräte Leo Schneemann (Wirtschaft, Arbeit, Pflege) und Heinrich Dorner (Bauten, Wohnbau Verkehr, Sport) die gewichtigsten und finanziell üppigsten Ressorts.

Als Regina Petrik, Klubobfrau der Grünen, jüngst von den Regierungsmitgliedern wissen wollte, in welche Landesunternehmen sie Aufsichtsräte schicken, retournierten Eisenkopf und Winkler Leermeldungen. Doskozil, Schneemann und Dorner besetzen in Summe 31 Aufsichtsratsposten in elf Unternehmen.

Dass die drei Frauen Doskozil ferner stehen, hat auch damit zu tun, dass sie mit seinem Vorgänger Hans Niessl in Verbindung stehen. Dunst saß seit 2000 mit Niessl auf der Regierungsbank, 2015 holte Niessl Eisenkopf in die rot-blaue Regierung und bei der Nominierung Winklers fürs Team Doskozil hat der Alt-Landeshauptmann auch ein Wörtchen mitgeredet.

Heute wird Winkler SPÖ-intern als erste Ablösekandidatin genannt und der frühere Shooting-Star Eisenkopf (37) gilt Doskozil nun als zu wenig durchsetzungsstark. Die heftigste Gegenwehr kommt von Dunst (63), an deren Weglobung schon Niessl gescheitert ist. Anerkennend-abschätziges Bonmot in SPÖ-Kreisen: „Im Landtag gibt es vier Fraktionen – und Verena Dunst“.

An der Spitze der Bundes-SPÖ steht eine Frau – das Burgenland versteht sich auch da als Gegenmodell.

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