Orban-Besuch: Der ungarische Beitrag zum burgenländischen Leben

Orban-Besuch: Der ungarische Beitrag zum burgenländischen Leben
Vor allem der burgenländische Arbeitsmarkt käme ohne Nachbarn kaum aus, nicht nur in Eisenstadt gibt es kaum ein Geschäft ohne ungarische Mitarbeiter

Als Ungarn in der ersten Corona-Welle im März 2020 bei der Einreise in ihr Heimatland in 14-tägige Quarantäne sollten, wandte sich Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil Hilfe suchend an den damaligen Kanzler Sebastian Kurz: Es gebe in vielen Wirtschaftsbereichen, am Arbeitsmarkt und im Gesundheits- und Pflegebereich „eine sehr enge Verflechtung mit Ungarn“, so Doskozil: „Wir brauchen das Personal aus Ungarn, um diese Krisensituation meistern zu können“.

Diese Episode illustriert, wie sehr das Burgenland seit 1989 und stärker noch seit dem EU-Beitritt Ungarns 2004 auf den Nachbarn angewiesen ist. Wären die allermeisten Ungarn nicht so ausnehmend höflich, könnte man glatt meinen, das sei eine späte Rache für 1921, als Deutsch-Westungarn unter dem neuen Namen Burgenland zu Österreich kam. Seit Kriegsende 1918 hatte Ungarn unter Einsatz diplomatischer und politischer Mittel vergeblich versucht, den Verlust des Landstrichs mit überwiegend deutschsprachiger Bevölkerung abzuwenden.

Fast 21.000 der 113.000 im heurigen Mai im Burgenland beschäftigten Arbeitnehmer kommen von „drüben“. Ohne die vielen Kellner, Handwerker, Verkäufer oder Ärzte aus den grenznahen Komitaten müssten etliche Wirtshäuser, Geschäfte und Kleinbetriebe in den infrastrukturell ohnehin schon ausgetrockneten pannonischen Dörfern schließen und Spitäler Leistungen einschränken. Ganz zu schweigen von ungarischen Putzfrauen, die zu wohlfeilen Preisen private Haushalte in Schuss halten.

Vor der Unentbehrlichkeit der Magyaren hat auch die von 2015 bis 2020 regierende rot-blaue Landesregierung kapituliert. Statt den Ausländeranteil am Arbeitsmarkt zu senken, ist er immer weiter gestiegen.

Gemeinsame Grenze

Eingespielt ist die Kooperation längst auch bei der Kriminalitätsbekämpfung: „Ausgezeichnet“ funktioniere das Zusammenspiel, sagt Generalmajor Werner Fasching. Der stellvertretende Landespolizeidirektor verweist auf gemeinsame Schwerpunktaktionen auf ungarischem Staatsgebiet und findet, man tue Ungarn mit dem Vorwurf Unrecht, nicht genug gegen Schlepperei zu unternehmen. „Sie bemühen sich sehr“, sagt Fasching, aber die Personaldecke in Westungarn sei dünn, weil die Kräfte an der Grenze zu Serbien konzentriert würden.

Mehr förmlich-steif als eingespielt begegnen einander Ungarn und das Burgenland auf politischer Ebene. „Sachlich und bei grenzüberschreitender Zusammenarbeit auf gemeinsame Ziele ausgerichtet“ sei das bilaterale Verhältnis, heißt es aus dem Büro Doskozils. Das klingt nicht euphorisch. Zwar gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten viele Treffen und Arbeitsgruppen, aber wenig Zählbares. Jüngster Versuch: Vergangene Woche wurde in Budapest eine Absichtserklärung zur Übernahme von Wasser für den Seewinkel aus der Moson-Donau unterzeichnet.

Umsetzung? Offen.

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