Chronik | Burgenland
23.09.2017

Der heiße Wahlherbst begann im Burgenland mit einem lauen Lüfterl

Kommunalwahl. Sehr respektable 11,86 Prozent der Stimmberechtigten nutzten den vorgezogenen Wahltag

"Ich komme grad’ vom Mittagessen im Gasthaus und habe das mit der Stimmabgabe verbunden", gibt der 80-jährige Jakob Litzenberger vor dem Wahllokal im Siegendorfer Rathaus bereitwillig Auskunft, ehe der rüstige Herr wieder davon radelt.

Der heiße österreichische Wahlherbst hat am Freitag bei moderaten Temperaturen mit einer gemächlichen Aufwärmrunde im Burgenland begonnen. Für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am 1. Oktober wurde gestern auf kommunaler Ebene erstmals ein zweiter, vorgezogener Wahltag angeboten – in der Steiermark gibt‘s den seit 2005. Bei der Landtagswahl 2015 hat das Burgenland nachgezogen und war zufrieden – 8,5 Prozent der Wahlberechtigten haben vor dem eigentlichen Wahltag gewählt. Der Sinn: Die Wahlbeteiligung soll steigen, die Zahl der Briefwähler sinken.

In jeder Gemeinde musste am Freitag ein Wahllokal für mindestens zwei Stunden geöffnet sein, überall von 18 bis 19 Uhr – ein Dienst an den Pendlern. Siegendorf hat als einzige Gemeinde schon um 12 Uhr aufgesperrt, am spätesten wählen konnten man in Pama, wo erst um 21 Uhr Schluss war. Ausgezählt werden die Stimmen erst nach Wahlschluss am 1. Oktober. 261.963 Wahlberechtigte können die Gemeinderäte in den 171 Kommunen bestimmen und Bürgermeister direkt wählen. Beim letzten Urnengang 2012 haben Rot und Schwarz knapp 90 Prozent der Stimmen abgeräumt, bei Gemeinderäten wie Bürgermeistern liegt die SPÖ vorn: 87 roten stehen 78 schwarze Ortschefs entgegen, sechs kommen von Listen.

Keine Testwahl

Die 3000-Einwohner-Gemeinde Siegendorf ist eine rote Hochburg. Bürgermeister Rainer Porics hat 2012 rund 84,6 Prozent erzielt, die SPÖ hält 19 der 23 Mandate. Was die Stärke auch ausmacht? Der direkte Draht. Porics begrüßt jeden mit Handschlag, für alle findet er persönliche Worte. Dennoch hält der Ortschef beim Wahlziel den Ball flach: Einen "Vertrauensvorschuss und klaren Wählerauftrag" wünsche er sich. Da ist ÖVP-Herausforderer Florian Schober unverblümter, er möchte die vier Mandate seiner Partei halten. Dass er Porics in eine Stichwahl zwingen könnte, glaubt er selbst nicht. Wo im ersten Wahlgang kein Kandidat über 50 Prozent kommt, gibt‘s am 29. Oktober ein Dacapo.

Inklusive Nationalratswahl am 15. Oktober finden damit in manchen Gemeinden vier Wahltage statt. In Siegendorf gibt‘s bei der Besetzung der Wahlkommissionen dennoch kein Problem. Nationalrats- und Kommunalwahl am selben Tag wäre aber ein administrativer Horror gewesen. So aber bleibt alles im Rahmen – und im Burgenland: Denn auch als Testwahl für die Nationalratswahl eigne sich der Urnengang nicht, weiß Politologe Peter Filzmaier: Das Burgenland sei nicht repräsentativ: es fehlen Industriegebiete und "Großstädter", dafür sei der Wählermarkt sehr stabil. Auf Jakob Litzenberger trifft das nicht ganz zu. Er gehe immer zur Wahl, sagt er, aber er sei auch ein Wechselwähler.

Hohe Wahlbeteiligung

Am späten Freitagabend teilte das Büro der zuständigen Landesrätin Astrid Eisenkopf mit, dass landesweit 31.058 Wahlberechtigte die Möglichkeit der vorgezogenen Wahl genutzt haben. Dies entspricht 11,86 Prozent der insgesamt 261.963 Wahlberechtigten.

Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnete der Bezirk Oberpullendorf mit 14,38 Prozent, gefolgt vom Bezirk Güssing mit 13,97 Prozent und dem Bezirk Oberwart mit 12,99 Prozent. Im Bezirk Eisenstadt-Umgebung gaben 12,19 Prozent ihre Stimme ab, im Bezirk Mattersburg waren es 11,29 Prozent.
10,15 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich im Bezirk Neusiedl am See am vorgezogenen Wahltag, 10,11 Prozent waren es im Bezirk Jennersdorf. In der Freistadt Rust wählten 10,04 Prozent. In der Landeshauptstadt Eisenstadt lag die Beteiligung bei 4,88 Prozent.