© Paul Haider

Chronik Burgenland
06/10/2021

Sepp Gmasz ist dem vergessenen Gründervater auf der Spur

Sepp Gmasz präsentiert seine Biografie von Adalbert Wolf, einem Neusiedler Apotheker und "Geburtshelfer" des Burgenlandes

von Paul Haider

Wenn von den Gründervätern des Burgenlandes die Rede ist, dann fällt der Name Adalbert Wolf in den meisten Diskussionen bestenfalls unter „ferner liefen“. Dabei hat der Apotheker aus Neusiedl am See eine Schlüsselrolle bei der Angliederung von „Deutschwestungarn“ an Österreich gespielt. Außerdem dürfte er der Erfinder des Begriffs „Vierburgenland“ gewesen sein, aus dem sich der heutige Name des Bundeslandes ableitet.

Jetzt rückt Sepp Gmasz den „vergessenen Gründervater“ ins Rampenlicht. Auf 225 Seiten erzählt der Neusiedler Historiker von Adalbert Wolf und seinem „Traum von einem großdeutschen Vierburgenland“.

Ein historischer Schatz

Ermöglicht wurden diese neuen Erkenntnisse durch einen historischen Schatz in Form von Adalbert Wolfs Nachlass, den seine Nichte Gertraud Stockinger aufbewahrt hatte. „Gott sei Dank hat sie alles aufgehoben und dem Stadtarchiv als Dauerleihgabe übergeben“, bedankt sich Gmasz, der das Neusiedler Stadtarchiv gegründet hat.

In dem neuen Buch wird erstmals ein detailliertes Bild vom Neusiedler Apotheker Adalbert Wolf gezeichnet. Er war Mitbegründer der Großdeutschen Partei, für die er 1922 auch in den Landtag einzog. In den Zwischenkriegsjahren wurde er zudem zum Bürgermeister von Neusiedl am See gewählt.

Wie das biografische Werk verdeutlicht, war Adalbert Wolf ein „Anschlusskämpfer“, der für eine deutsche Identität eintrat, aber Extremismus ablehnte: „Er hat ideologisch die Ideen des Großdeutschtums vorbereitet und deutsche Tugenden verherrlicht. Das weist ihn als großen Idealisten aus. Interessant ist, dass er kein Nazi geworden ist. Als seine eigenen Jünger in Neusiedl die nationalsozialistische Partei gegründet haben, hat er sich distanziert. Das hat mir die Arbeit an seiner Biografie sympathisch gemacht“, erläutert Gmasz.

Wie die Recherchen zu Tage brachten, dürfte der hauptberufliche Apotheker auch maßgeblich an der Benennung des neuen Bundeslandes beteiligt gewesen sein: „Wolf ist eindeutig der Schöpfer des Namens ‚Vierburgenland‘. Es gibt verschiedene Väter des Namens, die ihn für sich in Anspruch genommen haben, aber zum ersten Mal scheint er in Wolfs Entwurf für die Autonomie Deutschwestungarns vom Oktober 1918 auf.“

Akribische Kleinarbeit

15 Jahre ist die Übergabe von Adalbert Wolfs Nachlass jetzt schon her. Seither hat Sepp Gmasz viel Herzblut in die Rekonstruktion des Wirkens des Gründervaters investiert. „Die Arbeit hat sich deshalb über Jahre gezogen, weil es eine Schwerarbeit war, seine Briefe in die heutige Schrift zu übersetzen. Er hat viel im Gefängnis geschrieben (Wolf wurde 1919 wegen seiner politischen Agitation zu drei Jahren Haft in Györ verurteilt, Anm.), für die er kein richtiges Schreibpapier zur Verfügung hatte. Fast alles ist mit Bleistift auf Butterpapier geschrieben. Außerdem hat er versucht, „möglichst viel Text auf möglichst wenig Papier unterzubringen“.

Wesentlich angenehmer liest sich das Werk von Sepp Gmasz. „Der Traum von einem großdeutschen Vierburgenland - Biographie des Neusiedler Anschlusskämpfers Mag. Adalbert Wolf“ ist im Eigenverlag erschienen und seit heute in burgenländischen Buchhandlungen erhältlich.

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