© NTG/Steve Haider

Chronik Burgenland
07/10/2021

Das Burgenland als zweite Toskana

Klimaexperte Marcus Wadsak gibt einen Ausblick auf das Burgenland im Jahr 2050. Mit Vor- und Nachteilen.

von Paul Haider

Der Klimawandel ist längst im Burgenland angekommen, und er hat Wein aus dem Süden mitgebracht. Die Boten der Veränderung heißen Syrah und Cabernet Sauvignon; Sorten, die früher Südfrankreich oder Italien vorbehalten waren, sind mittlerweile in burgenländischen Weingärten sesshaft geworden.

Traditionelle Rebsorten wie der Grüne Veltliner haben hingegen zunehmend einen schweren Stand: Die Trauben verlieren während langer Hitzephasen ihr frisches Aroma. Immer mehr Weinbauern passen sich an die neuen klimatischen Bedingungen an und satteln auf Sorten um, die es gerne warm haben. Andreas Grosz, Winzer im südburgenländischen Eberau, hat seit vorigem Jahr neue Weißweine im Sortiment: „Furmint ist eine klimafitte Sorte, die Wärme und Trockenheit gut verträgt und im südosteuropäischen Raum verbreitet ist. Außerdem probieren wir es mit pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen wie Muscaris. Die Sorte ist sehr resistent und hat dadurch auch einen kleineren CO2-Fußabdruck“, erklärt der innovative Winzer.Der Klimawandel macht sich im Burgenland aber nicht nur in den Weingärten bemerkbar.

Infolge einer langen Trockenperiode brechen im Landesnorden derzeit laufend Flurbrände aus. „Mit der Trockenheit werden wir in Zukunft noch viel mehr zu kämpfen haben, sie wird sich noch verstärken“, sagt Marcus Wadsak. Der Klimaexperte mit Wohnsitz in Neusiedl am See wagt für den KURIER eine Langzeitprognose, wie der Klimawandel das Burgenland bis zum Jahr 2050 seiner Einschätzung nach verändern wird: „Das, was heute extrem ist, wird dann normal sein. 30 bis 40 Tage im Jahr mit 30 Grad und mehr werden die Norm sein. Das liegt auch daran, dass die Erwärmung in Österreich doppelt so hoch ist wie im globalen Mittel.“

Hitze beeinflusst Gesundheit

Die anhaltende Hitze wird auch negative Folgen für die Gesundheit der Burgenländer haben. Mit einer Zunahme von Hitze-assoziierten Todesfällen sei leider ebenso zu rechnen wie mit dem Aufkommen von exotischen Krankheiten: „Es gibt Prognosen, dass das West-Nil-Virus 2050 am Neusiedler See definitiv ein Problem sein wird“, gibt Wadsak einen unerfreulichen Ausblick. Dass der Steppensee austrocknen könnte, steht indes aus jetziger Sicht nicht zu befürchten. Die Niederschläge nach den Hitzewellen gleichen den Pegelrückgang in der Regel aus, außerdem wird an einer Wasserzuleitung aus dem Mosony-Arm der Donau gearbeitet (der KURIER hat berichtet).

Winter bleiben kalt

Auch von Schnee und Eis wird sich das Burgenland trotz Klimawandel noch nicht so bald verabschieden müssen: „Der Winter bleibt ja kalt, auch wenn es fünf Grad wärmer wird. Wir werden es noch gelegentlich erleben, dass der See zufriert“, so Wadsak.

Die burgenländischen Sommer werden sich in Zukunft also zunehmend mediterran anfühlen. Unbewohnbar wird das Land so schnell aber nicht; vor allem, wenn es gelingt, die Klimaziele zu erreichen. Und da ist Marcus Wadsak optimistisch: „Keiner ist zu klein, um seinen Beitrag zu leisten. Gerade wir im Burgenland zeigen, wie man nachhaltig Energie erzeugen kann. Wir sind energieautark und erzeugen mit Wind und Sonne mehr Strom, als wir verbrauchen können.“

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