"Cola ist leichter zu verkaufen"

Der Ex-Coca-Cola-Manager Werner Unger soll das Südburgenland voran bringen.

In seinem Büro ist Werner Unger nur selten, er  ist im Süden unterwegs bei Bürgermeistern, Unternehmern und Institutionen wie der Wirtschaftskammer oder Arbeiterkammer Idyllisch ist der Süden, doch wirtschaftlich hinkt die Region dem Nordburgenland hinterher, Unger soll das ändern

Werner Unger soll das Südburgenland managen. Sein Büro ist im Güssinger Technologiezentrum. Der Raum ist karg eingerichtet, eine Burgenlandkarte hängt am Schrank, die Wände sind kahl. Betriebe ansiedeln, die Infrastruktur verbessern und als Netzwerker die Leute zusammenbringen, sind die Aufgaben. Dafür ist er fast jeden Tag unterwegs, wie er sagt. Seit Oktober ist Unger im Amt, davor managte er – der in Strem geboren wurde und in Oberwart lebt – Coca-Cola. Im KURIER-Interview spricht er über seine Ziele und Herausforderungen.

Haben Sie sich schwer getan, bei der Umstellung vom Management eines Getränks hin zu einer Region?

Werner Unger: Es war eine Riesenumstellung. In der Privatwirtschaft laufen die Dinge anders und auch Entscheidungswege sind kürzer. Die Einflussfaktoren, auf die ich hier Rücksicht nehmen muss, waren mir so im Detail nicht bekannt. Mir geht vieles zu langsam, das ist mein größtes Problem im Moment.

Was lässt sich leichter verkaufen, das Südburgenland oder Coca Cola?

Coca-Cola hat eine Marke, die sich wesentlich leichter verkaufen lässt. Das Südburgenland ist wahrscheinlich die Herausforderung, die ich gesucht habe.Wie beschreiben Sie einem Fremden das Südburgenland in einem Satz?

Wenn ich es einer Firma präsentiere, sage ich, das Südburgenland ist für mich ein Juwel, mit Möglichkeiten, die durch die Infrastruktur beschränkt sind. Aber die Leute, die hier leben, sind Arbeitskräfte mit einer Einstellung zur Arbeit, die einzigartig ist.

Warum braucht der Süden einen Manager?

Um die Herausforderungen, die es im Südburgenland gibt, schneller anzugehen in allen Bereichen. Jeder, der einen positiven Beitrag zum Südburgenland trägt, kann ein Südburgenlandmanager sein. Ich habe nicht das Ego, nur weil ich da bin, muss das sein, aber ich bin sehr ehrgeizig und lade auch jeden ein, mit guten Ideen zu mir zu kommen und zu diskutieren.

Südburgenland Manager, Unger… Foto: /Roland Pittner Wie schätzen Sie die momentane Stimmung im Süden ein?

Die Leute stellen ihr Licht unter den Scheffel, das Jammern kommt vor dem, sich zu fragen, weißt du was es eigentlich gibt. Aber ich nehme auch positive Stimmung wahr. Wünsche gibt es wie überall, es gibt eine Aufbruchsstimmung, weil man merkt, dass sehr vieles passiert. Der Gesundheitscampus in Oberwart und Pinkafeld, Breitbandausbau in 13 südlichen Gemeinden, die Thermen gehen so gut, dass die Tür nicht zu geht.

Ausbau der Infrastruktur ist eine Kernaufgabe, welche Schritte können Sie setzen?

Die S7 wird kommen, wenn alles passt. Ich diskutiere jetzt mit der Asfinag, wo Park & Ride-Anlagen geplant sind, wie wird die Anbindung der Südburgenländer sein. Auch bei dem Kauf der Bahnlinie von Friedberg nach Oberwart bin ich involviert. In den nächsten Monaten sollte das erledigt sein. Uns muss jedoch auch klar sein, dass wir Schnellstraßen und Autobahnen nur dort haben, wo wir sie haben.

Wie können Jobs geschaffen werden?

Wir wollen Klein- und Mittelbetriebe in den Technologiezentren ansiedeln. Junge Leute mit Bezug zum Südburgenland und mit 30 bis 35 Jahren, die schon Erfahrung haben und gerne ins Burgenland zurück ziehen wollen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, hier im Technologiezentrum Büros mit Infrastruktur anzubieten. Telefondienst, Drucker und schnelles Internet sollen vorhanden sein. Außerdem wollen wir junge Leute motivieren, mehr Unternehmertum zu haben. Dass ist noch immer wenig ausgeprägt im Südburgenland, die Leute gehen gern in die zweite Reihe. Außerdem fehlt es an Lehrlingen.

Gibt es zu wenig Lehrlinge?Ja, ich halte guten Kontakt mit dem AMS, und es war furchtbar enttäuschend. Es gibt 105 offene Stellen im Süden, nur zehn Prozent davon sind in der Gastronomie.

Wie ist Ihre Vision vom perfekten Südburgenland?

Jeder Bewohner hat hier, auf kurzem Weg seinen Arbeitsplatz. Umgekehrt,‚ sollte ein Zuzug ermöglicht werden. Denn es ist lebenswert im Südburgenland. Ich bin nicht derjenige, der sagt, es muss ein österreichisches Florida werden. Aber Zweitwohnsitzer, mit 50 bis 55 Jahren, die sich in Wien nie ein Haus leisten konnten, können gerne kommen. Wenn jemand investiert, lebt die Baubranche. Auch die jungen Leute sollen sagen, wir haben Möglichkeiten, die wir früher nicht hatten.

(kurier) Erstellt am
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