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Burgenland
10/04/2019

Burgenland: Unfälle mit Wildtieren im Stundentakt

Mehr als 8.000 Wildunfälle pro Jahr – junge, männliche Lenker sind am häufigsten daran beteiligt

von Stefan Jedlicka, Michael Pekovics

Auf den burgenländischen Straßen kommt es etwa alle 66 Minuten zu einem Verkehrsunfall mit einem Wildtier. Rund 8.000 vierbeinige Unfallopfer – darunter 1.250 Jungtiere – haben diese Zusammenstöße 2018 nicht überlebt. 17 Personen wurden verletzt.

Exakt 8.007 Wildunfälle ereigneten sich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) von Februar 2017 bis Jänner 2018 im Burgenland. Österreichweit ist die Zahl der Personenschäden von 276 auf 377 angestiegen. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unfälle mit Wildtieren, bei denen zwar keine Personen verletzt, jedoch die Tiere zu Schaden kamen und die Unfallfahrzeuge stark beschädigt wurden.

Hirsch wird zu Elefant

„Die bei einem Wildunfall wirkenden Kräfte sind enorm“, erklärt KFV-Direktor Othmar Thann: „Die Wucht mit der ein Rothirsch bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h auf eine Windschutzscheibe prallt, entspricht in etwa der Masse eines ausgewachsenen Elefanten – fünf Tonnen.“ In Zonen, die mit „Achtung Wildwechsel“ markiert sind, sollte das Tempo unbedingt reduziert und die Wachsamkeit gesteigert werden, rät Thann. Besonders riskant sind die Dämmerung sowie die Nachtstunden: In der Zeit zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens ereignen sich besonders viele Wildunfälle.

Statistische Auswertungen zeigen, dass rund 93 Prozent der Wildunfälle mit Personenschaden im Freiland passieren. Auffällig hoch ist der Anteil junger, männlicher Lenker: Im Durchschnitt sind 68 Prozent der Verunglückten männlich; 42 Prozent waren zum Unfallzeitpunkt zwischen 15 und 24 Jahre alt. Zurückführen sei dies auf geringe Fahrerfahrung gepaart mit hohem Tempo“, meint Thann.

Langsam fahren

Dass viele Lenker generell nicht auf einen Wildunfall vorbereitet sind, zeigt eine KFV-Untersuchung: Acht von zehn Lenkern erwarten Tiere unbewusst nur vom rechten Straßenrand kommend. Tatsächlich queren Wildtiere die Fahrbahn jedoch von beiden Seiten. Daher sollte – ganz besonders in Wildwechselzonen – immer die gesamte Fahrbahn und beide Straßenränder im Auge behalten werden.

Die effektivste Maßnahme ist die Anpassung der Geschwindigkeit. Wenn tatsächlich ein Wildtier in Fahrbahnnähe auftaucht, sollte zunächst gebremst und anschließend abgeblendet sowie mehrmals gehupt werden. Ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, muss stark gebremst und das Lenkrad festgehalten werden. Reagiert der Fahrer richtig, ist die Verletzungsgefahr für die Autoinsassen geringer. Auf keinen Fall ausweichen, das ist oft riskanter als ein Zusammenstoß mit dem Tier.

Unfall sofort melden

Was vielen Lenkern nicht bewusst ist: Nach dem Unfall muss die Gefahrenstelle abgesichert und sofort die Polizei verständigt werden. Einen Wildunfall nicht – oder erst Tage später – zu melden, gilt als Fahrerflucht und ist strafbar. Getötetes Wild darf niemals mitgenommen werden – auch nicht zum Tierarzt. Der zuständige Jäger wird von der Polizei verständigt.

Biber, Kuh und Reh auf der Autobahn

Die Rettung von Tieren auf Autobahnen und Schnellstraßen gehört beinahe schon zur täglichen Routine der Asfinag. Seit 2018 wurden mehr als 40 Tierrettungseinsätze erfolgreich absolviert, bei 19 davon handelte es sich um entlaufene Hunde, acht Mal wurden Entenfamilien auf den richtigen Weg gebracht. Aber auch Schwäne, Kühe oder Pferde machen manchmal einen unfreiwilligen Abstecher auf das hochrangige Streckennetz. „Tiere von der Autobahn zu holen ist eine besondere und vor allem sehr gefährliche Herausforderung“, sagt Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele.

Aber auch abseits der Fahrbahn gilt es ab und an ein kleines Wesen aus einem Schlamassel zu befreien. So konnte erst vor Kurzem ein kleiner Kater aus einem Abwasserschacht der Nordumfahrung Klagenfurt geborgen werden. Roxy, wie das Katerchen getauft wurde, fand auch gleich bei seinem Retter von der Asfinag ein neues Zuhause.

Im Normalfall bringen die Mitarbeiter der Asfinag die Tiere in die nächstgelegenen Tierschutzhäuser. Sind Hunde und Katzen gechippt, dauert es meist nicht lange, bis die Besitzer gefunden sind. Wildtiere wie Füchse oder Rehe werden in die Obhut der entsprechenden Spezialstellen übergeben. Bei Schwänen oder Enten reicht es meistens, kurzfristig den Verkehr anzuhalten, damit sie ungefährdet ihren Weg fortsetzen können.

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