Das Land baut der Gemeinde ein Wirtshaus
Es ist nicht so, dass im Burgenland früher keine Kindergärten, Schulen, Gemeindeämter oder Feuerwehrhäuser gebaut wurden. Aber seit Ende 2020 erhält sehr oft die landeseigene Projektentwicklung Burgenland GmbH, kurz PEB, den Zuschlag. Die früher damit beauftragten gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften schauen seither meist durch die Finger, sagt ein ungenannt bleiben wollender Vertreter einer Gesellschaft zum KURIER: „Dieses Geschäftsfeld ist uns weggebrochen.“
SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, damals noch mit absoluter Mehrheit ausgestattet, hatte beschlossen, das Land müsse auch in der Immobilienbranche mitmischen. Neben der schon länger bestehenden Landesimmobiliengesellschaft wurden zu diesem Zweck unter dem Dach der Landesholding weitere Baugesellschaften gegründet, etwa die PEB und im Jahr 2022 die SOWO – So Wohnt Burgenland GmbH.
Das Land hat die „So Wohnt Burgenland GmbH“ (SOWO) im Jahr 2022 gegründet, um in den sozialen Wohnbau einzusteigen und im ganzen Land Pflegestützpunkte zu errichten. Ersteres ist in den Anfängen stecken geblieben, Zweiteres kommt nach Verzögerungen erst jetzt auf Touren.
LH Hans Peter Doskozil (SPÖ) wollte den Gemeinnützigen zeigen, wie man „leistbaren Wohnraum für Burgenländerinnen und Burgenländer“ schafft. In jedem Bezirk sollten Wohnungen oder Reihenhäuser errichtet werden. Tatsächlich gibt es bisher nur in Pinkafeld ein Pilotprojekt mit sechs Reihenhäusern. Mittlerweile entstehen auch in Trausdorf vier Doppelhäuser.
Für die vier heimischen gemeinnützigen Bauträger gibt es seither keine Wohnbauförderung für Neubauten mehr.
Von den 71 geplanten Pflegestützpunkten wurden bisher acht fertiggestellt, die meisten in den letzten Wochen und Monaten. 12 sind in Bau.
2026 setze die SOWO Projekte mit einem Volumen von 35 Millionen Euro um, teilte Bautenlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) jüngst mit.
Die PEB hat in den vergangenen fünf Jahren 55 Projekte mit einem Bauvolumen von 151 Millionen Euro abgeschlossen. Vom Feuerwehrhaus in Zurndorf bis zum Gemeindewirtshaus in Zagersdorf wurde viel gebaut. 19 Projekte mit einem Volumen von rund 93 Millionen Euro befinden sich derzeit in Umsetzung und weitere 31 in der Planungsphase, teilt die Landesholding mit.
Ohne Wohnbauförderung
Die PEB nehme für ihre Projekte keine Wohnbauförderungsmittel in Anspruch, und es gebe auch keine Zuflüsse aus dem Landesbudget, „weder in Form von Gesellschafterzuschüssen noch in anderer Form“.
„Unser Geschäftsmodell ist für die Umsetzung kommunaler Bauvorhaben österreichweit einzigartig“, ist PEB-Geschäftsführer Thomas Rosner überzeugt. Die Rolle der Landesfirma ist flexibel und reicht von der Projektsteuerung bis zum Totalunternehmer oder vollumfänglichen Bauträger.
Dass sich die Projektentwicklung Burgenland „als professioneller und verlässlicher Partner der burgenländischen Gemeinden etabliert“ habe, wie der zuständige Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) mit Verweis auf „positives Feedback vieler Bürgermeister“ meint, stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. So lobt ein Bürgermeister zwar „ausdrücklich“ das fachliche Know-how der PEB-Mitarbeiter und die Zusammenarbeit mit der Landesgesellschaft, erinnert sich aber auch an weniger Erfreuliches.
Quid pro quo
So habe es quasi als ausgemacht gegolten, dass die Gemeinde die fürs Projekt nötigen Bedarfszuweisungen des Landes nur unter der Voraussetzung einer Auftragsvergabe an die PEB bekommt.
Bei einem Blick auf die bislang umgesetzten Projekte ist auch unschwer zu erkennen, dass es überwiegend rote Kommunen sind, die Dienste der Projektentwicklung Burgenland in Anspruch nehmen.
Wiewohl eines der größten Einzelprojekte in der ÖVP-Gemeinde Oberwart umgesetzt wurde. Der im Herbst 2025 eröffnete Bildungscampus mit Volksschule, Musikschule und Proberäumen für die Stadtkapelle kostete 38 Millionen Euro. Die PEB fungierte als Bauträger und hat die Arbeiten für die Stadtgemeinde geleitet und koordiniert.
Derzeit beschäftigt die PEB 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Personalaufwand betrug im Geschäftsjahr 2025 rund 1,7 Millionen Euro. Die Immobiliengesellschaften des Landes kaufen aber auch Dienstleistungen für Planeinreichung bis Bauaufsicht von außen zu, berichtete der KURIER schon 2023.
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