Das Land baut der Gemeinde ein Wirtshaus

2020 wurde die landeseigene Projektentwicklung Burgenland GmbH (PEB) gegründet, um kommunale Bauvorhaben umzusetzen. Meist sind es rote Gemeinden, die sich der Dienste der Landesgesellschaft bedienen. Im Bild PEB-GF Rosner, Golser Bürgermeister Brandstätter, LR Dorner (v.li.)
Grundtstein Neue Mitte Gols, Rosner, Bgm. Brandstetter und LR Dorner

Es ist nicht so, dass im Burgenland früher keine Kindergärten, Schulen, Gemeindeämter oder Feuerwehrhäuser gebaut wurden. Aber seit Ende 2020 erhält sehr oft die landeseigene Projektentwicklung Burgenland GmbH, kurz PEB, den Zuschlag. Die früher damit beauftragten gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften  schauen seither meist durch die Finger, sagt ein  ungenannt bleiben wollender Vertreter einer Gesellschaft zum KURIER: „Dieses Geschäftsfeld ist uns weggebrochen.“ 

SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil,  damals noch mit absoluter Mehrheit ausgestattet,  hatte beschlossen, das Land müsse auch in der Immobilienbranche mitmischen. Neben der schon länger bestehenden Landesimmobiliengesellschaft wurden zu diesem Zweck unter dem Dach der Landesholding weitere Baugesellschaften gegründet, etwa die PEB und im Jahr 2022 die SOWO – So Wohnt Burgenland GmbH.

Die PEB hat in den vergangenen fünf Jahren 55 Projekte mit einem Bauvolumen von 151 Millionen Euro abgeschlossen. Vom Feuerwehrhaus in Zurndorf bis zum Gemeindewirtshaus in Zagersdorf wurde viel gebaut. 19 Projekte  mit einem Volumen von rund 93 Millionen Euro befinden sich derzeit in Umsetzung und weitere 31 in der Planungsphase, teilt die Landesholding mit. 

Ohne Wohnbauförderung

Die PEB nehme für ihre Projekte keine Wohnbauförderungsmittel in Anspruch, und es gebe auch keine Zuflüsse aus dem Landesbudget, „weder in Form von Gesellschafterzuschüssen noch in anderer Form“. 

„Unser Geschäftsmodell ist für die Umsetzung kommunaler Bauvorhaben österreichweit einzigartig“, ist PEB-Geschäftsführer Thomas Rosner überzeugt. Die Rolle der Landesfirma ist flexibel und reicht von der Projektsteuerung bis zum Totalunternehmer  oder vollumfänglichen Bauträger.

Dass sich  die Projektentwicklung Burgenland  „als professioneller und verlässlicher Partner der burgenländischen Gemeinden etabliert“ habe, wie der zuständige Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) mit Verweis auf „positives Feedback vieler Bürgermeister“ meint, stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. So lobt ein Bürgermeister zwar „ausdrücklich“ das fachliche Know-how der PEB-Mitarbeiter und die Zusammenarbeit mit der Landesgesellschaft, erinnert sich aber auch an weniger Erfreuliches. 

Quid pro quo

So habe es quasi als ausgemacht gegolten, dass die Gemeinde die fürs Projekt nötigen Bedarfszuweisungen des Landes nur unter der Voraussetzung einer Auftragsvergabe an die PEB bekommt. 

Bei einem Blick auf die bislang umgesetzten Projekte ist auch unschwer zu erkennen, dass es überwiegend rote Kommunen sind, die Dienste der Projektentwicklung Burgenland in Anspruch nehmen. 

Wiewohl eines der größten Einzelprojekte in der ÖVP-Gemeinde Oberwart umgesetzt wurde. Der im Herbst 2025 eröffnete Bildungscampus mit Volksschule,  Musikschule und Proberäumen für die Stadtkapelle kostete 38 Millionen Euro. Die PEB fungierte als Bauträger und hat die Arbeiten  für die Stadtgemeinde geleitet und koordiniert. 

Derzeit beschäftigt die PEB 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Der Personalaufwand betrug im Geschäftsjahr 2025 rund 1,7 Millionen Euro. Die Immobiliengesellschaften des Landes kaufen aber auch Dienstleistungen  für Planeinreichung bis Bauaufsicht von außen zu, berichtete der KURIER schon 2023.

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