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Blaue Lehren aus dem umstrittenen Sekt-Ankauf des Landes

Nicht nur das Land und eine Sektkellerei, sondern jeder Bürger und alle Betriebe sollten investieren können und profitieren.
FPÖ, Michelle Whitfield, LPO Alexander Petschnig

Als Zeichen „verfehlter Wirtschaftspolitik des Landes“ werteten FPÖ (und ÖVP) einst den Ankauf von 195.000 Sektflaschen durch eine eigens gegründete Landesgesellschaft, um einer angeschlagenen Sektkellerei unter die Arme zu greifen. Heute sehen die Blauen die Causa differenzierter. 

Von dieser international durchaus gängigen Investmentmethode sollten nicht bloß das Land oder ein einzelnes Unternehmen profitieren, sondern „jeder Bürger“ und alle (Winzer)-Betriebe, sagte FPÖ-Landesparteichef Alexander Petschnig am Donnerstag in Eisenstadt.

Zur Erinnerung: Im Mai 2023 berichtete der KURIER über den Ankauf von 195.000 Sektflaschen zu je vier Euro aus Beständen der  A-Nobis Kellerei von Norbert Szigeti in Zurndorf. Die Liquidität des Unternehmens sollte gesichert werden. Dafür wurde unter dem Dach der Landesholding eine eigene Gesellschaft gegründet: Die A-Nobis Reserve GmbH. Einziger Zweck: „Bevorratung und Lagerei“ von Sekt. Nach drei Jahren sollte Szigeti die in einem Lager bei Parndorf deponierten Flaschen wieder um den gleichen Preis (780.000 Euro) plus Zinsen zurückkaufen.

Daraus wurde nichts, weil die Sektkellerei Ende 2024 trotz der Hilfe des Landes in die Insolvenz schlitterte - mittlerweile hat das Unternehmen einen Neustart unternommen und bereits wieder Preise eingeheimst. Das Land muss die Sektflaschen nun selbst losschlagen, bisher wurden erst 30.000 der 195.000 Flaschen verkauft.

Dass die FPÖ nun eine etwas andere Sicht hat, liegt an einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Erst nach langem Hin und Her und der Einschaltung des Landesverwaltungsgerichts bekam Petschnig die einschlägigen Verträge zu Gesicht. Der Volks- und Betriebswirt ist überzeugt, dass die Vertreter des Landes seinerzeit den Sinn des Deals nicht verstanden haben. 

Es sei in anderen Ländern durchaus üblich, dass Produzenten die Kosten für landwirtschaftliche Produkte mit langer Lagerzeit wie Sekt, Käse oder Whiskey an private Investoren auslagern. Das Risiko sei gering, weil die Ware als Sicherheit diene, die Ertragschance nach einigen Jahren ansehnlich: „Ein interessantes Investment“, findet Petschnig.

Aber, so der FPÖ-Nationalrat, diese Möglichkeit dürfe das Land nicht monopolisieren, sondern für Private und alle Betriebe öffnen. Es gebe ja viele großartige Winzer, die sich auch über Investoren freuen würden. FPÖ-Wirtschaftssprecherin Michelle Whitfield will das Modell auch auf andere Branchen ausdehnen. Busse der landeseigenen Verkehrsbetriebe könnten Besucher des Outlets in Parndorf anschließend zu Winzern oder Sehenswürdigkeiten in die Region fahren, auch grenzüberschreitende Packages mit Ungarn und der Slowakei seien denkbar, so die Landtagsabgeordnete aus Rust.

Landesparteitag

Zur Sprache kam am Donnerstag auch die Kritik des Zweiten Landtagspräsidenten Hans Tschürtz an seinem Parteikollegen Petschnig. Als Nationalrat kümmere sich der Parteichef zu wenig ums Land, so der Vorwurf von Tschürtz, der sich auch für einen Gegenkandidaten beim Landesparteitag im Oktober aussprach. Er werde jedenfalls kandidieren, wiederholte Petschnig am Donnerstag, beim Parteitag könne jeder aufstehen und ihn herausfordern, sagt Petschnig: „Wir sind nicht die SPÖ“, spielte der Blaue auf das Antritts-Tohuwabohu rund um Berthold Felber bei roten Bundesparteitagen an.

SPÖ-Klubchef Roland Fürst meldete sich umgehend zu Wort: „Das Thema Petschnig wird sich im Herbst am Landesparteitag der FPÖ Burgenland bei der Obmann-Wahl wohl von selbst erledigen.“ 

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