Chronik | Burgenland
24.02.2018

Blauer Hüne scheut keinen Konflikt mit Koalitionspartnern

FPÖ-Landesrat Petschnig übt Kritik an roten Kollegen Doskozil und Eisenkopf

Konfliktscheu kann man FPÖ-Landesrat Alexander Petschnig nicht vorwerfen – wenn dem 44-jährigen gebürtigen Kärntner, der seit Jahren im Seewinkel lebt, etwas missfällt, artikuliert er das mit unüberhörbarem Hang zur Süffisanz. Und im Bedarfsfall lässt er weder den roten Koalitionspartner im Land noch den türkisen im Bund ungeschoren.

Am Freitag mussten sich auch der rote "Superlandesrat" Hans Peter Doskozil und Landesrätin Astrid Eisenkopf rüffeln lassen. "Verwundert" hat Petschnig der Auftritt der SPÖ-Regierungskollegen zum geplanten Ausbau der A3 bis zur ungarischen Grenze (der KURIER hat berichtet). Nur "wenn alle Anrainergemeinden einverstanden" und deren Forderungen nach maximalem Lärmschutz erfüllt seien, werde auch das Land grünes Licht geben, hatte Doskozil am Donnerstag versichert. Über diese Vorgangsweise des Landes habe er auch FPÖ-Infrastrukturminister Norbert Hofer "informiert".

Der Auftritt des roten Duos sei entbehrlich gewesen, ließ Doppelmagister Petschnig mit der Zuständigkeit für Wirtschaft und Tourismus durchblicken. Erstens stimme die bundeseigene Autobahngesellschaft Asfinag "ohnehin jeden Aspekt dieses Projekts mit dem Land, den Gemeinden und der Bevölkerung" ab und zweitens gebe es noch nicht einmal einen fixen Plan für den Ausbau der A3. Petschnig: "So gesehen verstehe ich die Wortspenden der Kollegen Doskozil und Eisenkopf in Richtung von Bundesminister Hofer nicht, der ausschließlich an einer Verbesserung der Infrastruktur (...) interessiert ist". Vor allem aber scheint die Freiheitlichen zu fuchsen, dass die Landes-SPÖ schon jetzt "medial in die Offensive" gegangen ist. Denn das sei mit Hofer "nicht abgesprochen" gewesen.

"So etwas hätten wir nicht einmal gemacht, als wir noch in der Opposition waren", ätzt Petschnigs engster Mitarbeiter Daniel Jägerbauer über diese "unnötige Aktion" des großen Koalitionspartners.

Auch wenn klar ist, dass Petschnig zum Teil die Funktion des Soldaten erfüllt, der vom Kaiser ausgeschickt wurde – der Minister soll ja nicht direkt auf den Landesrat reagieren – ist es kein Zufall, dass die Wahl auf den 1,93-Meter-Mann gefallen ist. Anders als für LH-Vize Hans Tschürtz ist für Petschnig Konfliktvermeidung nicht oberstes Gebot in der Koalition. Er hat SPÖ-Landtagspräsident Christian Illedits getadelt, weil der in seinem touristischen Revier gewildert hatte, aber auch der türkise Finanzminister Hartwig Löger hat bereits sein Fett abbekommen.

Eine mögliche Erklärung für diese Angriffigkeit hat Petschnig in einem KURIER-Interview geliefert: "In Kärnten findet man mehr Gefallen an pointierten Botschaften, dort wird auch härter formuliert", sagte er 2015 mit Blick auf seine politischen Wurzeln in Jörg Haiders FPÖ. Zumindest dieses Erbe hat er sich bewahrt.