Peter Pregl, Ernest Gerdenitsch

© Thomas Orovits

FPÖ-Krise

Ausgetretene Blaue orten „extremen Rechtsruck"

Gemeinderäte in Mattersburg verlassen FPÖ. Für FP-Chef Tschürtz „Mandatsraub“.

von Thomas Orovits

07/19/2013, 09:15 AM

Kein Ende der Krise bei den Blauen: In der Stadt Mattersburg, Herz des Heimatbezirks von FPÖ-Landeschef Hans Tschürtz, gibt es keine blauen Gemeinderäte mehr. Der frühere FPÖ-Bezirksparteichef Peter Pregl und Ernest Gerdenitsch sind aus der Partei ausgetreten und sitzen künftig als wilde Mandatare im Stadtparlament. Die Gründe lieferten sie Donnerstagabend in einem Mattersburger Lokal, bei der Pressekonferenz war auch Mattersburgs Neo-FP-Bezirkschef Herbert Schütz als Zuhörer anwesend. Pregl: „Er ist ein guter Freund und wir wollen keinen Krieg“.

Die Zusammensetzung des Parteivorstands ist den Ex-Blauen ebenso ein Dorn im Auge wie die Listenerstellung für die Nationalratswahl. Im Führungsgremium der Partei säßen „Feinde, die gegen Tschürtz gekämpft haben“, glaubt der 33-jährige Pregl. Schlagend Es fehle im Vorstand mit Ausnahme einzelner Lichtblicke an „Klasse und Qualität“, an vorderster Front stünden Beamte oder Parteiangestellte, vermisst Pregl die gute Mischung zwischen Arbeitern, Angestellten, Leuten aus der Wirtschaft, Jungen und Alten.

Und er ortet einen „extremen Rechtsruck“ im Landesparteivorstand, mehrere Mitglieder seien bei schlagenden Burschenschaften oder unterhielten Kontakte zur rechtsextremen ungarischen Jobbik-Partei. Namen wollte Pregl keine nennen. Gerdenitsch ist nach 20 Jahren bei der Partei ernüchtert: „Die FPÖ ist für mich keine Heimat mehr“.

Konter

FPÖ-Chef Tschürtz ruft den Ex-Parteifreunden nach: „Geht, ich werde mich mit den positiven Kräften auseinandersetzen“. Pregl wollte, dass der Landesparteivorstand ausgewechselt werde und hinter Vizebundesparteichef Norbert Hofer als Listenzweiter für die Nationalratswahl kandidieren, sagt Tschürtz. „Aber das war eine geheime Wahl, bei der Gerhard Kovasits nominiert wurde“. Der „Mandatsraub“ ärgert den FP-Boss, beide hätten mit dem Parteiaustritt auch den Gemeinderat verlassen sollen. „Sicher nicht“, kontern Pregl und Gerdenitsch, die Mandate seien „persönlich“.

Wie‘s in Mattersburg weitergeht, hält sich Pregl offen, jetzt gehe man in die Sommerpause. „Es gibt Kontakte“, bestätigt Manfred Kölly, Präsident der Liste Burgenland, einst von Ex-Blauen gegründet. Für die FPÖ werde es im Bezirksvorort schwer, ein neues Team zu finden, sagt Pregl. Schütz hofft, dass es in vier Wochen steht.

Und darüber hinaus? „Es brodelt im Bezirk, weitere Austritte folgen“, erwartet Pregl, dass es bei Burgenlands Blauen nach der Nationalratswahl „scheppert“, Tschürtz habe nur mehr „sehr, sehr wenige Freunde“.

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