© Sonnentherme Lutzmannsburg

Chronik Burgenland
06/11/2020

Ausbau der Sonnentherme Lutzmannsburg könnte sich verzögern

Manager Cerutti erklärt, warum man erst ab 1. Juli aufsperrt

von Thomas Orovits

Dass die landeseigene Sonnentherme Lutzmannsburg nach der Corona-Zwangspause erst am 1. Juli wieder öffnet, hat zuletzt für Kritik gesorgt – etwa von ÖVP-Bezirksmandatar Patrik Fazekas. Thermen-Geschäftsführer Werner Cerutti kennt die Kritik, ist aber überzeugt, gute Argumente für die Entscheidung zu haben, wie er am Mittwoch im KURIER-Gespräch betonte.

Die wichtigsten: Nachdem Tourismusbetriebe ab Mitte März geschlossen werden mussten und lange nicht klar war, wie es weitergeht, habe die Sonnentherme die üblicherweise im September erledigten Revisionsarbeiten auf Mai und Juni vorgezogen. Die Aufträge über eine Million Euro „sind an heimische Betriebe vergeben worden“, sagt Cerutti.

Außerdem sei der Juni auch zu normalen Zeiten seit Jahren der umsatzschwächste Monat. Das hätte sich heuer verschärft, weil Familien mit Kindern – Hauptklientel der Therme – mangels der schulautonom freien Tage noch spärlicher gekommen wären. 10.000 Zutritte zur Therme wären unter diesen Umständen das höchste der Gefühle gewesen – aber 35.000 braucht es, um kostendeckend zu wirtschaften.

Zudem mussten 240 Mitarbeiter bis Ende Juni in Kurzarbeit geschickt werden. Selbst bei nur 10.000 Gästen braucht es zum reibungslosen Thermenbetrieb dennoch 90 Prozent der Mitarbeiter. Die Belegschaft schon bei solch spärlichem Besuch voll zu aktivieren, würde nur Verluste bringen.

Was erwartet sich der international erfahrene Manager von den kommenden Monaten? So lange die Abstandsregel von einem Meter bestehe, bleibe es schwierig.

Statt 1.700 Liegestühlen stelle man 850 auf, veranschaulicht Cerutti; demgemäß wurde auch die Umsatzerwartung für 2020 von 17 auf 8,5 Millionen Euro halbiert.

Was bedeutet das für die ambitionierten Ausbaupläne der Sonnentherme und des angeschlossenen Hotels?

„Kaliber Cerutti“

Seit dem Vorjahr laufen die Arbeiten, bis 2023 sollten sie abgeschlossen sein und 28 Millionen Euro kosten. Man sei im Zeitplan, aber natürlich müsse man die Entwicklung im Auge behalten, so Cerutti. Harald Zagiczek, Chef der Wirtschaft Burgenland, deren Tochter die Therme ist, sieht derzeit keine Gefahr für den Ausbau, eine zeitliche Verzögerung sei aber möglich. Cerutti will seinen bis Mitte 2022 laufenden Vertrag erfüllen. Dass er unter FPÖ-Regierungsbeteiligung geholt wurde, habe nichts zu sagen: „Ich habe mit den Freiheitlichen nichts zu tun.“ Zagiczek: „Wir sind sehr froh, Cerutti zu haben, er ist ein echtes Kaliber.“