Misst SPÖ bei Alkofahrten von Politikern mit zweierlei Maß?
„Die FPÖ wird den Wählern erklären müssen, wieso sie Alko-Lenker in ihren Reihen duldet“, reagierte ein hochrangiger burgenländischer Sozialdemokrat im KURIER am Montag auf die Alkofahrt von FPÖ-Mandatar Norbert Hofer. Und im ORF-Burgenland wurde SPÖ-Klubobmann Roland Fürst am selben Tag mit den Worten zitiert: „Wir haben hier eine Null-Toleranz, bei uns hätte Hofer schon zurücktreten müssen.“
Dem früheren blauen Präsidentschaftskandidaten und Bundesparteichef war wie berichtet am Freitag vor einer Woche um die Mittagszeit in seiner Heimatgemeinde Pinkafeld der Führerschein abgenommen worden. Der Alko-Vortest soll 2,48 Promille ergeben haben. Hofer bleibt im Landtag.
So weit, so ernüchternd: Allerdings gibt es auch bei der SPÖ einen aktuellen, ähnlich gelagerten Fall - ohne Rücktritt. Ein Vizebürgermeister aus dem Südburgenland soll Mitte Juni bei der Heimfahrt von einer Sportveranstaltung so betrunken gewesen sein, dass er im Auto eingeschlafen ist. Immerhin konnte er den Wagen zuvor noch auf halber Strecke einparken.
Im Gemeinderat habe er seinen „Fehler“ eingeräumt, ist aus der Gemeinde zu hören, von der Aufgabe seines politischen Amtes sei dabei aber keine Rede gewesen.
Muss also auch die SPÖ ihren Wählern erklären, „wieso sie Alko-Lenker in ihren Reihen duldet“?
Fürst und SPÖ-Landesgeschäftsführer Fritz Radlspäck beharren darauf, nur die Bundes-SPÖ habe Hofer zum Rücktritt aufgefordert, die burgenländische SPÖ habe sich bewusst herausgehalten. Abgesehen davon seien die beiden Alkoholfahrten in keiner Weise vergleichbar. Hofer sei Verkehrsminister gewesen und wollte Bundespräsident werden.
Das Auto des FPÖ-Politikers sei um die Mittagszeit in Schlangenlinien gefahren und auf die Gegenfahrbahn geraten, und er habe die Polizei angelogen, indem er zunächst behauptet habe, nicht selbst am Steuer gesessen zu sein. Der SPÖ-Vize habe sein Auto hingegen geparkt und sei dann eingeschlafen. „Als ehemaliger Polizist will ich Alkohol am Steuer in keinster Weise relativieren, aber das sind schon unterschiedliche Dimensionen“, so Radlspäck. Und die rechtlichen Konsequenzen müsse der rote Funktionär ohnehin tragen.
Dieser sagte dem KURIER, der ihn Freitagmittag am Flughafen erreichte, zunächst einen Rückruf nach der Landung in Wien zu, meldete sich dann aber nicht mehr.
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