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Chronik Burgenland
07/10/2020

Ärztemangel: Welche Maßnahmen helfen sollen

Fast die Hälfte der Hausärzte wird bis 2030 in Pension gehen. Es gibt diverse Idee, um Nachfolger zu finden.

Der Aufwand ist größer geworden, die Organisation komplizierter: Seit Auftreten der Pandemie herrschen in  Arztpraxen strenge Sicherheitsvorkehrungen. So auch in der Ordination von Michael Schriefl in Mörbisch.

Nur  wenige Patienten dürfen im Warteraum Platz nehmen, Fiebermessen ist erforderlich.  Einfach beim Arzt „vorbeirutschen“ gehe nicht mehr.

Mehraufwand durch Corona

Seit 1989 ordiniert der Allgemeinmediziner, der auch  Vizepräsident der Ärztekammer Burgenland ist. Trotz allem Mehraufwand durch Corona: „Ich hatte trotz gestiegenem Zeitaufwand im Juni 80 Prozent der Patienten im Vergleich zum Juni 2019“, sagt Schriefl. Und er rechnet damit, dass das auch in der nächsten Zeit so bleiben wird.

 Diese Situation um Covid-19 und auch die anfangs lückenhafte Versorgung mit Schutzmaterial habe die Lust junger Kollegen, sich als Arzt selbstständig zu machen , „sicher nicht gefördert.“ Dabei werde  gerade händeringend nach medizinischem Nachwuchs gesucht.

 

Von den derzeit 142 Allgemeinmedizinern und  92 Fachärzten würden in den kommenden fünf bis zehn Jahren etwa knapp die Hälfte in Pension gehen, rechnet Schriefl.

Bis Ende 2021 könnten es 25 praktische und 13 Fachärzte sein, die sich in den Ruhestand verabschieden, sagt Sabine Reichl, stellvertretende Direktorin der Ärztekammer. 

Auch wenn das Burgenland im Vergleich zu anderen Bundesländern „am Allgemeinsektor“ noch gut aufgestellt sei: In Zukunft, so der Aek–Vizepräsident, könne  man diese Versorgungsdichte an Hausärzten wohl kaum aufrechterhalten.

Stelle zum achten Mal ausgeschrieben

Derzeit sind sieben Kassenplanstellen im Land ausgeschrieben. Sechs Ärzte für Allgemeinmedizin (Eisenstadt, Gattendorf, Frauenkirchen, Großpetersdorf, Nikitsch, Schattendorf) sowie eine Facharztstelle für Kinder- und Jugendheilkunde in Frauenkirchen.

Die Stellen kommen zum Teil  nicht zum ersten Mal zur Ausschreibung. In Gattendorf (Bezirk Neusiedl/See) etwa erfolgt sie  bereits zum achten Mal. Meist würde sich – wenn überhaupt – nur ein Mediziner für die Stelle bewerben. Das war nicht immer so. „Zu meiner Zeit kamen oft zehn Bewerber für eine Stelle“,  sagt Schriefl.

"Brennpunkte" im Facharztbereich

Dabei sei es heute noch schwieriger, Allgemeinmediziner zu finden, als Fachärzte – ausgenommen in den „Brennpunktbereichen“ Psychiatrie und Kinder- und Jugendheilkunde. Warum das so ist? Die Frequenz für die Akut-, Visiten- und Bereitschaftsdienste werde höher, sagt der Kammer-Vizepräsident.

Während etwa in der Steiermark und in NÖ solche Dienste auf Freiwilligkeit basierten, seien sie im Burgenland verpflichtend.

"Zuckerl" für Ärzte

Manche Gemeinden versuchen nun, potenziellen Hausärzten ein „Zuckerl“  zu bieten (siehe Zusatzbericht). In Weppersdorf etwa würde man dem künftigen Hausarzt eine Zeit lang die Miete für die Ordination erlassen, sagt Vizebürgermeister Karl Degendorfer (SPÖ).

Um die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, können  Ärzte,  die  sich  für  eine  Planstelle  mit  Kassenvertrag   bewerben,   auch Förderungen  von Land und Gemeinde bis 120.000 Euro erhalten. Voraussetzung ist die Verpflichtung, für mindestens  fünf Jahre  als   Arzt  im  Burgenland  tätig  zu  sein.  

Masterplan

In dem von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) vorgestellten Masterplan ist weiters vorgesehen, dass wenn eine Kassenstelle nicht nachbesetzt werden könne, die  Gebietskrankenkasse eine Primärversorgungseinheit (PVE) ausschreiben soll.

Bewerbe sich trotz zweimaliger  Ausschreibung kein Arzt für die Kassenstelle, wird eine PVE ausgeschrieben. Um diese soll sich die Landestochter Krages bewerben können. Bis dato sei eine solche Situation noch nicht eingetreten, heißt es von der Krages. 

"7-Punkte-Programm"

Eine Bewerbung der Krages  für einen  einzelnen Allgemeinmedizin-Kassenvertrag ist nicht möglich, das sei nur natürlichen Personen und keinen Gesellschaften vorbehalten.

Ein  „7-Punkte-Programm“, wie man junge Mediziner  überzeugen könne Hausarzt zu werden,  will die   Gesundheitskasse nun kommende Woche in Eisenstadt präsentieren.

OSG spielt Rolle bei Versorgung

Zur  medizinische Versorgung im Burgenland trägt in immer höherem Ausmaß die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG) bei – zumindest was die baulichen Maßnahmen betrifft.

So wird in den kommenden Tagen die neue Arztpraxis in Bernstein (Bezirk Oberwart) eröffnet, die die OSG am Standort des ehemaligen Gemeindezentrums gemeinsam mit neuen Wohnungen errichtet hat.

Planungen im Laufen

Im ehemaligen Gasthaus in Mannersdorf (Bezirk Oberpulendorf) soll nach einem Umbau unter anderem ein praktischer Arzt Platz finden, sagt OSG-Chef Alfred Kollar. Die Planungen sind im Laufen.

In Weppersdorf will die Gemeinde mit der OSG ein Gesundheitszentrum errichten. Der neue Hausarzt der Gemeinde könnte bei den Planungen mitreden.

Auch in Deutschkreutz wird ein neues  Gemeindezentrum geplant, auch dort will die OSG Raum für einen praktischen Arzt schaffen.

In Sieggraben wird derzeit eine Ordination für den Gemeindearzt errichtet.

Premiere werde das neue Ärztezentrum in Hornstein mit der geplanten Eröffnung Ende  des Jahres feiern, sagt Kollar. In dem von der OSG errichteten Bau werden nicht nur ein „Praktiker“, sondern auch zwei Orthopäden und ein Psychotherapeut unterkommen.

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