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05.12.2011

Thees Uhlmann: Tagebuch seiner Seele

Tomte-Sänger Thees Uhlmann veröffentlicht sein Solo-Debütalbum und legt wieder einen charmanten Seelenstrip hin.

Thees Uhlmann hat immer etwas zu sagen. Wer den Sänger der deutschen Band Tomte schon mal auf der Bühne gesehen oder gar persönlich getroffen hat, weiß, die Klappe hält er maximal beim Schlafen. Dieses ständige Mitteilungsbedürfnis während seiner Konzerte stößt einigen bitter auf, anderen waren auch seine scharfzüngigen Kommentare und Kritiken in diversen Musikmagazinen (Intro, Spex, Visions und Musikexpress) "too much". Aber so ist es eben, Thees Uhlmann mag man - oder eben nicht. Das war auch bei seiner Band Tomte so und wird sich bei dem nun vorliegenden Solodebüt-Album des Hamburgers nicht ändern. Denn darauf wird der Hörer wieder mit einem Seelenstrip konfrontiert: "Wir küssten uns wie die Römer am Ende Roms." Danach setzt eine Harmonika ein, die Klaviermelodie gibt das Tempo vor und Uhlmann hebt wieder seine Stimme, dehnt die Vokale: "Ich bin nicht der beste Tänzer / Ich denke selten zwei Mal nach (…) / Triff mich bitte mitten ins Herz, triff mich auf der Bank im Park. Even though we are just dancers in the dark".

Musikalisch legt es Uhlmann auf seinem Solo-Debüt sehr umfangreich, opulenter als bei Tomte an. Opulent ist auch der Name der ersten Singelveröffentlichung: "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" (kein Kommentar). Produziert wurde das Album vom ehemaligen Miles-Sänger Tobias Kuhn aka Monte, der gerne mal die Gitarren beiseitelässt und das Klavier in den Vordergrund rückt. Trotzdem wagt Uhlmann wenig, überrascht nicht mit einem Stilbruch, fühlt sich bei Gitarre, Bass und Schlagzeug noch immer am besten aufgehoben und generiert so eine hymnische Rockmusik, die immer auf der Suche nach Melodien ist. Um diese legt Uhlmann dann sein Storytelling an, nimmt einem mit auf eine Reise - von Paris im Herbst bis nach Rom in Trümmern, erzählt von dem Mädchen von Kasse 2, kurzen Nächten und Jay-Z. In "& Jay-Z singt uns ein Lied" hat auch der derzeit überall geadelte Casper einen kleinen Gesangspart.

Streifen am Horizont

"Sommer in der Stadt" kommt dann in guter wie düster gehaltener, staubiger Country-Manier um die Ecke. Hamburg ist zwar nicht Tucson (Arizona) und Uhlmann nicht Calexico, trotzdem ist der Song ein Highlight auf dem Album. Das Schlagzeug verbreitet eine schöne Schwere, der Bass groovt sich Richtung untergehende Sonne, Gitarren kommen und gehen. "Und dann spiegelt sich an der Häuserfront ein roter Streifen am Horizont, der die Dunkelheit beendet hat."

Geschichten über sein Leben, seine Heimat, seine Liebe und das Leid, das man hin und wieder ertragen muss. Dies wird - wie bei Tomte - mit ein paar Poesie-Einschüben serviert: "Die Hoffnung ist am kleinsten, wenn die Angst am größten ist". Überschäumender Pathos war für Uhlmann noch nie ein Problem und so geizt er auf seinem Solo-Debütalbum auch keine Sekunde lang mit Gefühlslyrik. Aber so mag er es eben gerne, der - ähm - alte Romantiker Uhlmann.

Thees Uhlmann - live
13. Oktober - Wien, Szene
15. Oktober - Salzburg, Rockhouse