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07.08.2012

Facehunter – die Straße als Catwalk

Yvan Rodic ist Facehunter und einer der gefragtesten Fashionblogger weltweit. Rodic im KURIER-Interview über den Style der Wiener, angesagte Städte und Trends.

Gestern Kiew, heute Wien und übermorgen Reykjavík. So sieht eine fast normale Arbeitswoche von Yvan Rodic alias Facehunter aus. Rodic ist einer der bekanntesten Fashionblogger, quasi der Perez Hilton Europas. Auf der ganzen Welt fotografiert der gebürtige Schweizer Menschen, deren Look ihn inspiriert und veröffentlicht diese Bilder auf seinem Blog. Von Facehunter fotografiert zu werden, gleicht also einem Ritterschlag. "Ich fotografiere Menschen, die mich verführen", schreibt Rodic in seinem kürzlich erschienen Bildband "Facehunter. Die Straße als Catwalk".

Neben seinem Blog hat er bereits zwei Werbefilme für Giorgio Armani gedreht, arbeitet für Modemarken wie Esprit und unterstützt unbekannte Designer und Künstler. Er verleiht diversen Labels durch seine Einträge Coolness und macht seine Community darauf aufmerksam. Wenn er einen Link postet, ein Foto gut findet und es teilt, dann hat das Relevanz und Gewicht, denn Facehunter folgen immerhin 60.264 Menschen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Man könnte sagen: Was Yvan Rodic cool findet, finden auch zigtausend Followers cool. Er ist ein Multiplikator.

Yvan Rodic im Interview

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Leute auf der Straße zu fotografieren?
Yvan Rodic: Als ich vor sechs Jahren von der Schweiz nach Paris gezogen bin, lernte ich viele neue Leute kennen, kam zum ersten Mal mit Mode und Fashion in Berührung. Ich wollte einfach nur die Dinge und Menschen fotografieren, die mich umgeben und meine Eindrücke mit anderen teilen. Für den Blog gab es keinen Masterplan und es war anfangs auch eine naive Idee. Denn  dazumal gab es noch kaum Fashion-Blogs. Dann begann ich mit Facehunter - ohne Mission.  Zuerst fotografierte ich nur Gesichter, später bin ich immer mehr in Richtung Style gegangen. Ich wollt meine Impressionen über Individualität, Persönlichkeit, Style und Kreativität von Leuten auf der Straße mit anderen teilen.

Haben Blogs und Blogger mittlerweile einen wichtigen Stellenwert in der Modewelt. Wie sieht es im Vergleich zu Magazinen aus?
PR-Agenturen und wichtige Mode-Marken zollen Blogs immer mehr Respekt. Das war nicht immer so, da hat sich in den letzten Jahren sehr viel geändert. Es werden nunimmer mehr Blogger zu Pressereisen und auf Fashionweeks eingeladen. Ich war in den letzten Tagen auf Einladung in Kiew, Lissabon und fliege morgen nach Reykjavík. Blogger werden also zunehmend ernst genommen. Aber ich sehe da keinen Konflikt zwischen Magazinen und Blogs. Denn wir brauchen Magazine und Blogger.

Welche Städte sind in Sachen Fashion gerade interessant?
Sydney ist einer der interessantesten Fashion-Städte zurzeit. Jeder verbindet Sydney mit Surfen, Sonne und Strand, jedoch keiner mit Mode. Aber die haben eine wirklich sehr junge und sehr interessante Designer- und Blogger-Szene. Dann natürlich Reykjavík  und die ganzen skandinavischen Städte wie Kopenhagen oder Stockholm, in denen ich mich sehr oft aufhalte. Auf den Straßen der klassischen Modestädte wie Mailand oder Paris findet man hingegen nicht viel individuellen Style. In Mailand wird für die Modewoche eine Fashion-Blase aufgeblasen, die danach wieder zerplatzt. Für mich ist es also leichter, Fotos in Stockholm zu machen als in Mailand.

Wie beurteilen Sie den Style der Wiener?
Die Mehrheit der Wiener ist nicht modeinteressiert. Viele kleiden sich eher klassisch und zeitlos. Dann gibt es noch eine paar jungen kreative Leuten, die guten Geschmack haben, aber das ist eine sehr kleine Gruppe.

Welche Dinge haben Sie immer dabei, wenn sie „facehunten“ gehen?
Mein Telefon und meine Kamera – eine FujiFilm X10.

Werden Sie gestalkt?
Ja, es gibt schon Leute, die versuchen mich zu stalken. Viele schauen einfach, wo ich gerade bin oder sein könnte, putzen sich ziemlich raus und laufen dann "zufällig" fünf Mal an mir vorbei oder warten vor dem Hotel auf mich.  

Wer ist ihr derzeitiger Lieblingsdesigner?
Mundi aus Reykjavík

Warum sind gerade skandinavische Länder in Sachen Design und Style so interessant für Sie?
Es gibt in skandinavischen Städten viele modebewusste Menschen, die ihr Geld nicht für klassische und konservative Marken ausgeben, sondern sich individuell kleiden und mit unterschiedlichen Stilen spielen möchten. Und es gibt dort viele junge Designer, die tolle, auch leistbare Mode entwerfen und produzieren, die von einer unaufdringlichen Coolness sind.

Wie denken Sie über Trends?
Ich denke nicht viel über Trends nach. Trends wiederholen sich ständig und davon halte ich nichts. Leute, die ich fotografiere, beurteile ich nicht und teile sie auch nicht in vorgefertigte Mode-Kategorien zu. Ich rufe auch nicht irgendwelche Trends aus. Das machen Magazine, die sind sehr trendorientiert, aber das ist nicht meine Philosophie. Wenn ich manche Styles zu oft sehe, dann ist das für mich kein Trend, sondern bereits wieder tot. So wie zum Beispiel die jungen Mädchen mit ihren Baseball-Kappen – manche sagen das ist ein neuer Trend, ich habe davon bereits wieder genug.

Rodic schreibt dazu auch in seinem kürzlich im Prestel Verlag veröffentlichten Fotoband "Facehunter. Die Straße als Catwalk": "Trends sind Schnee von gestern, Baby! Nietzsches Aufforderung `Werde, der du bist!`, ist endlich Wirklichkeit geworden."

Facehunter Yvan Rodic wurde exklusiv auf Einladung des Notorious Magazine nach Wien eingeflogen, um im Rahmen des Notorious Fashion Minds zusammen mit Tedx Vienna am Fashion Salon im The Ring Hotel teilzunehmen.