Buzz 10.01.2012

"Austria's Next Topmodel": Härter und tränenreich

Die neue Staffel von "Austria's Next Topmodel" soll "internationaler und härter" werden. Was genau das bedeutet, verrät Lena Gercke im KURIER-Interview.

90-60-90. So oder so ähnlich lautet das Schönheitsideal, das mitunter auch der Schlüssel zur internationalen Model-Karriere sein kann. Der Job "Model" scheint auch trotz Magerwahn und Casting-Hopping noch immer der Traumjob von vielen jungen Mädchen zu sein. Denn alleine zur Vorausscheidung für die vierte Staffel von "Austria`s Next Topmodel" kamen 5000 Bewerberinnen. 22 "Schönheiten" im Alter zwischen 16 und 27 Jahren haben es in die Show und somit auch ins Fernsehen geschafft. Ausgewählt wurden sie von der dreiköpfigen Jury (Elvyra Geyer, Atil Kutoglu und Lena Gercke), die ab Donnerstag (12. Jänner, 20.15 Uhr) auf PULS 4 den Mädels wieder ordentlich Feuer unterm hübschen Popo machen werden. "Es wird härter, realer, internationaler", heißt es in der offiziellen Aussendung. Wer schwächelt, fliegt. Wer herumzickt, über den Laufsteg wackelt und nicht ordentlich mit High Heels gehen kann, hat keine Chance.

Anlässlich der neuen Staffel haben wir Lena Gercke zum Interview gebeten.

KURIER: Die 4. Staffel ist bis auf das Finale bereits abgedreht. Was dürfen sich die Zuseher davon erwarten?

Lena Gercke: Wir wollen natürlich nicht zu viel verraten. Eine große Herausforderung werden die internationalen Fashion Weeks sein – für ein Newcomer Model eigentlich fast unmöglich dort zu laufen, von daher müssen die Kandidatinnen sich ganz schön ins Zeug legen. Da ist ein harter Konkurrenzkampf vorprogrammiert. In dieser Staffel fließen auch auf privater Ebene viele Tränen …

Welche Einstellung muss ein Mädchen mitbringen, um „ Austria`s Next Topmodel“ werden zu können?
Neben den Grundvoraussetzungen, welche jedes Model haben muss, spielen Köpfchen und Disziplin eine große Rolle. Man muss mit seinem Charme und seinem Können einen Kunden von sich überzeugen können, das ist nicht bei jedem Mädchen von Anfang an gegeben. Die meisten Kandidatinnen müssen viel selbstbewusster werden, um nicht im großen Haifischbecken der Modewelt unterzugehen.

Schleicht sich nach vier Staffeln auch eine gewisse Routine ein?
Überhaupt nicht. Klar, ich kann von mir aus sagen, dass ich selbst viel ruhiger geworden bin, als ich es noch mit 20 Jahren war und das erste Mal vor all diesen Mädels stand. Aber jedes Jahr kommen auch auf uns, die Jury, neue Herausforderungen zu, weil wir nie wissen, wie die Kandidatinnen sind und auf bestimmte Ereignisse und Herausforderungen reagieren. Mich erstaunt jede Staffel wieder, was für verrückte Dinge in ein paar Wochen passieren können.

Kann es nicht teilweise anstrengend sein, mit so vielen jungen Frauen auf engstem Raum zusammenzuarbeiten? Stichwort: Zickenterror?
Es gibt schon den einen oder anderen Tag an dem ich mir denke, "Mädels konzentriert euch nicht auf die anderen, sondern auf euch und warum ihr hier seid". Aber so ist das nun mal, wenn so viele Mädels auf einem Haufen mehrere Wochen 24 Stunden am Tag zusammen sind. Das ist im echten Leben auch nicht anders. Die Mädchen sollten nur nicht vergessen, warum sie zu uns gekommen sind, aber dafür ist die Jury ja da.

Hat es wieder Konflikte gegeben, so wie im vergangenen Jahr? (Rassismus-Vorwurf, Anm. d. Red.)
Ich hoffe, dass wir den Leuten und den Kandidatinnen in unserer Show letztes Jahr etwas mitgeben konnten, um aus Konflikten zu lernen. Dieses Jahr gibt es auch die ein oder andere Überraschung, positiv wie negativ.

Es gab ja Vorwürfe, dass die Rassismusdebatte rund um Lydia zu sehr ausgeschlachtet worden sei. Wie bilanzieren Sie die Sache, auch unter dem Gesichtspunkt, dass Lydia schließlich gewonnen hat? Kann Fernsehen da auch Beispiel gebend sein und Einstellungen verändern?
Lydia hat nicht aufgrund ihrer Hautfarbe gewonnen, sondern weil sie die Beste war. Ich hoffe, dass wir letztes Jahr ein klares Zeichen gegen Rassismus gesetzt haben, das war mir persönlich sehr wichtig. Ich arbeite jeden Tag mit internationalen Leuten, Rassismus ist da definitiv fehl am Platz und den dulde ich auch nicht in meiner Sendung.

Die Jury: Atil Kutoglu, Lena Gercke und Elvyra Geyer.
© Bild: Gerry Frank / Puls4

Blickt man auf das Bild mit den 22 Kandidatinnen, fällt auf den ersten Blick auf, dass wenig hellblonde Mädchen dabei sind. Ist das klassische Blond im Modelbiz out?
Nein überhaupt nicht. Aber wir suchen die Kandidatinnen nicht nach Haarfarben aus, sondern achten darauf, welches Mädchen Potenzial hat. Zudem gibt es bei uns in der Sendung auch immer ein „Umstyling“. Vielleicht werden dabei ja einige Mädchen auch erblonden … wer weiß!

Die Gewinnerinnen aus Staffel 1 bis 3 sind ja weit vom internationalen Durchbruch entfernt und modeln teilweise gar nicht mehr. War das vorhersehbar? Oder anders gefragt: Was fehlt den Gewinnerinnen zu einer internationalen Modelkarriere?
Wenn man international arbeiten will, muss man natürlich auch ins Ausland gehen. Larissas Weg ging für einige Zeit  nach New York, allerdings nicht um dort zu Modeln, sondern wegen der Schauspielerei. Ich finde sie war schon immer eine gute Schauspielerin, das müssen Models auch können, daher hat sie auch verdient gewonnen. Mittlerweile schauspielert sie auch in Deutschland, was ein toller Erfolg für sie ist. Jeder wählt seinen Weg selbst, wir öffnen nur eine Tür. Lydia hat schon kleinere Erfolge international feiern dürfen wie z.B. auf der Istanbul Fashion Week. Die Mädchen arbeiten als ganz normale Models im Ausland, das war bei mir nicht anders. Auch ich musste raus, bin nach Mailand, London, Paris und New York. Man muss nochmal ganz unten anfangen. Aber wie man sieht, es lohnt sich.

Wird Lydia bei der neuen Staffel als Gast eine Rolle spielen? Wenn ja, welche?
Lydia wird auf die Mädels treffen, aber wie und wo verrate ich noch nicht.

Warum macht man als hübsches Mädchen eigentlich bei „Austrias Next Topmodel“ mit, wenn man dann „nur“ bei einer Wiener Modelagentur landet. Das kann man auch ohne Castingshow schaffen.
Wiener Models ist eine super Agentur, die auch international erfolgreich arbeitet. Da kommt nicht jedes Mädchen hin. Natürlich schafft es das ein oder andere Model auch auf dem ,,normalen Weg“, aber durch die Sendung erhalten die Mädels eine unglaubliche Präsenz, die ihnen hinterher einen großen Vorteil bringt. Wer kann außerdem als Newcomer Model behaupten, mit internationalen Fotografen zu arbeiten und z.B. auf der London oder Mailand Fashion Week zu laufen. Sie bekommen unglaubliche Lebenserfahrungen, die sie nur positiv mit in den Job nehmen können. Wir arbeiten mit professionellen Leuten zusammen und haben Stars in der Sendung, die den Mädels den ein oder anderen sehr wertvollen Tipp mit auf den Weg geben.

Was bedeutet für Sie Perfektion?
Nichts ist perfekt. Perfektion gibt es für mich nicht.

Wie geht`s Ihnen eigentlich selbst mit dem Modeln?
Mir geht es sehr gut! Ich arbeite viel, bin ständig unterwegs und genieße im Moment einfach alles, was ich gerade mache. Ich weiß mein Leben wirklich zu schätzen.

Was den Castingshow-Hype betrifft, ist derzeit keine Ende abzusehen. Wird es auch eine 5. Staffel ANTM geben?
We will see ...

Zur Person

Seit ihrem Sieg 2006 bei „Germany’s Next Topmodel“ arbeitet die 23-Jährige Deutsche als Model. Lena Gercke stand u.a. für H&M, Gant, Basler, Laurel, Hugo Boss Green, Mexx und Microsoft vor der Kamera, zierte das Cover von Woman und anderer Magazine, und wurde auch für die US Ausgabe der Cosmopolitan und Glamour abgelichtet.

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( Kurier ) Erstellt am 10.01.2012