Umstritten: Obama-Selfie bei Trauerfeier von Mandela

Darf man bei einer Trauerfeier auch lustige Fotos machen? Barack Obama, der britische Premier Cameron und die dänische Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt hatten jedenfalls keinen Genierer.

Das britische Boulevardblatt "The Sun" ist sich in seiner heutigen Ausgabe sicher: "Kein Selfie-Respekt" lautet die Schlagzeile.

Fast 100 Staats- und Regierungschefs waren am Dienstag zur Trauerfeier für den verstorbenen Nelson Mandela nach Johannesburg, um dem Friedensnobelpreisträger und früheren südafrikanischen Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen.

Selfie Foto: "The Sun" Dazu kamen Zehntausende Südafrikaner, die in und vor dem FNB-Stadion im Stadtteil Soweto, wo die offizielle Trauerfeier stattfand, singend und tanzend zum ganz eigenen Flair dieses besonderen Abschieds beitrugen, wie die Korrespondenten vor Ort nie müde wurden zu betonen. Es war eben keine Trauerfeier im klassischen Sinne - vielmehr wurde das Leben und Wirken Mandelas gefeiert.

Dennoch gingen Barack Obama, der britische Premierminister David Cameron und die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt mit ihrem Selfie für viele Medien offenbar zu weit. Die britische Boulevardzeitung The Sun zeigt die drei Staatsoberhäupter auf ihrem heutigen Titelbild beim gemeinsamen Posieren - darunter die Schlagzeile "No Selfie Respect". In ihrer Online-Ausgabe sprach die Sun gar von einem Selfie-Gate. Auch auf Twitter scheinen sich viele einig. Das Obama-Selfie ist ein #EpicFail:

Ohne Kontext

Inzwischen meldete sich jener Mann zu Wort, der das Bild, das derzeit um die Welt geht, aufgenommen hat. Der Pressefotograf Roberto Schmidt berichtet für die Nachrichtenagentur AFP normalerweise aus Pakistan und Indien. Auf dem Korrespondenten-Blog von AFP, wo Fotografen die Geschichten hinter ihren Bildern erzählen, zeigt Schmidt jetzt wenig Verständnis für die Aufregung: "Ich schätze, es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass so ein Bild mehr Aufmerksamkeit erfährt, als das Ereignis an sich."

Zumal das Bild täuschen würde. "Im ganzen Stadion sangen, klatschten und feierten die Menschen." Ein Kontext, den man nicht außer Acht lassen dürfe. Den Skandal, den manche Medien jetzt ausmachen würden, kann Schmidt nicht verstehen. "Ich dachte, diese Staatsoberhäupter würden sich einfach nur wie ganz normale Menschen verhalten."

Nach seiner Rede, in der US-Präsident Barack Obama Nelson Mandela als "Giganten der Geschichte" geehrt hatte, kam ins Gespräch mit der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Die heitere Stimmung, die auf diesen vermittelt wird, verteidigt nun jener Mann, der die Aufnahmen gemacht hat. Roberto Schmidt arbeitet als Pressefotograf für die Nachrichtenagentur AFP. Von der gelösten Stimmung konnten sich die "Im ganzen Stadion sangen, klatschten und feierten die Menschen." Zuseher auch bei der Fernsehübertragung überzeugen. Ob dieser Kontext auch das Verhalten Obamas entschuldigt? Für Roberto Schmidt ist die Sache jedenfalls klar: "Ich habe durch meine Kamera keinen Skandal gesehen". Auch dass Michelle Obama verärgert reagiert hätte, kann Schmidt nicht bestätigen. Wenige Momente bevor diese Bilder aufgenommen worden seien habe sie noch selbst gescherzt. Die Bilder sprechen jedoch eine andere Sprache.  Wie Schmidt in dem AFP-Blog schreibt, hat er die Bilder von 150 Metern Entfernung aufgenommen. Was genau dort passierte, weiß also auch der Fotograf, der die Bilder aufnahm, nicht.
Die Trauerfeier in Bildern

Nelson Mandela wurde verabschiedet

Mehr als 90.000 Menschen sind gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen: Nelson Mandela, Südafrikas Nationalheld, wird verabschiedet. In der "Soccer City" in Johannesburg findet die Trauerfeier - eine der größten, die die Welt je gesehen hat - statt. 70 amtierende und 10 ehemalige Staatschefs sind bei der Veranstaltung dabei; Barack Obama, Dilma Rousseff oder Raul Castro halten Reden. Der ehemalige Präsident Südafrikas, Frederik Willem de Klerk - hier mit seiner Fraue Elita - ist ebenso anwesend; er hat gemeinsam mit Mandela 1993 den Friedensnobelpreis erhalten - auf den Tag genau vor 20 Jahren. Auf der Tribüne: Der japanische Kronprinz Prince Naruhito (Mitte) und der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck (rechts oben).
  Prominente wie Charlize Theron oder U2-Sänger Bono sind nach Johannesburg gereist. US-Präsident Barack Obama reiste mit seiner First Lady Michelle Obama an. Ebenfalls zugegen waren die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush.  Unter den Gästen waren auch Monarchen wie König Philippe von Belgien; neben ihm: Premier Elio Di Rupo (l.). Ein spezieller Gast: Der Präsident der südafrikanischen Rugby Union Francois Pienaar - die Rugbyliga war lange Zeit Symbol der niederländischen Herrschaft und somit der Apartheid. Graca Machel, Nelson Mandelas dritte Ehefrau, begrüßte bei der Trauerfeier Mandelas Ex-Frau Winnie - sehr herzlich. Sie selbst wurde unter großem Applaus empfangen. Weniger wohlwollend war der Empfang für den amtierenden Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma - er trägt wegen seiner zahlreichen Affären auch den unhübschen Beinamen "Berlusconi Südafrikas". Aus Großbritannien reisten gleich mehrere hochrangige Politiker an: Der ehemalige Premier John Major etwa... ... auch sein Nachfolger Tony Blair kam nach Johannesburg, ebenso wie ... ... der amtierende Premier David Cameron. Noch eine ehemalige Polit-Größe: Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, hier zu sehen mit Erzbischof Desmond Tutu. Papst Franziskus nimmt an der Trauerfeier übrigens nicht teil. Der französische Präsdient Francois Hollande (r.) mit seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy - Hollande reist nach der Veranstaltung nach Zentralafrika, um im dortigen eskalierenden Konflikt zu vermitteln. Norwegen ist durch Kronprinz Haakon bei dem Festakt vertreten. Mandla Mandela, der älteste Enkel Mandelas, hielt eine Ansprache zum Gedenken an seinen Großvater. Kubas Präsident Raul Castro Ruz war ebenso unter den Trauergästen.
(KURIER / kob) Erstellt am
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