Geheimtreffen der Eurasier und Rechten in Wien

Alexander Dugin
Foto: AP/IVAN SEKRETAREV Aleksander Dugin, Führer der Eurasischen Bewegung, war angeblich zu Gast in Wien.

HC Strache, Marion Maréchal-Le Pen und Aleksandr Dugin: Parallel zum Lifeball soll sich in Wien ein Kreis der Europaverweigerer getroffen haben. Die FPÖ bestätigt zwar nicht, Dementi gibt's aber auch keines.

Während im Wiener Rathaus am vergangenen Samstag beim Life Ball der „Garten der Lüste“ erblühte, setzte sich nicht weit davon ein illustrer Kreis mit dem Verfall Europas auseinander: Wie der Schweizer Tagesanzeiger berichtet, soll im Stadtpalais des Fürsten Liechtenstein ein Treffen von Rechtspopulisten, Nationalisten und sogenannten Eurasiern stattgefunden haben. Mit dabei: Neben Jean-Marie Le Pens Enkelin Marion, der Putin-nahe Ideologen Aleksandr Dugin und auch HC Strache.

"Heilige Allianz"

Das Ziel des Treffens sei es gewesen, den „Geist der Heiligen Allianz aufleben zu lassen“ – denn der offizielle Anlass des Treffens sei der historische Wiener Kongress gewesen, der vor genau 200 Jahren stattgefunden hat – damals wollte man mit Gründung der „Heiligen Allianz“ dem Kontinent „ein Jahrhundert der relativen Ruhe und des geopolitischen Gleichgewichts“ bringen.

Der Fokus der Veranstaltung dürfte, so berichtet die Schweizer Tageszeitung, aber eher auf Zukünftigem gelegen haben. Man habe beraten, wie Europa vor Liberalismus und der „satanischen“ Schwulenlobby zu retten sei. Deshalb auch die strenge Geheimhaltung: So sei HC Strache aufgefordert worden, das Fotografieren zu unterlassen, berichtet der Tagesanzeiger.

Illustre Gäste

Als Gastgeber fungierte aber kein Österreicher, sondern der russische Oligarch Konstantin Malofeev und seine Stiftung „Sankt Basilius der Große“. Neben Strache, Johann Gudenus und dem Wiener FP-Mann Herzog seien auch der Chefideologe der Eurasischen Bewegung, Aleksandr Dugin, sowie der bekannte nationalistische russische Maler Ilja Glasunow auf der Gästeliste gestanden.

France's far-right National Front political party Foto: REUTERS/GONZALO FUENTES Des weiteren: Marion Maréchal-Le Pen (Enkelin des Parteigründers, Nichte von Marine Le Pen und Abgeordnete des Front National, Foto) sowie der Historiker Aymeric Chauprade aus Frankreich. Aus Spanien seien Prinz Sixtus Henri von Bourbon-Parma, der Anführer der katholisch-monarchistischen Carlisten-Bewegung, und aus der Schweiz Serge de Pahlen, Direktor eines Genfer Finanzunternehmens und Ehemann der Fiat-Erbin Margherita Agnelli de Pahlen, angereist; aus Bulgarien sei der der Vorsitzende und Gründer der rechtsextremen Partei Ataka, Wolen Siderow, gekommen. „Weiter anwesend waren Rechtsextremisten aus Kroatien, Adelige aus Georgien und Russland sowie ein katholischer Priester“, so die Zeitung.

"Private Einladung"

Seitens der FPÖ gibt man sich kryptisch: "Das war eine private Einladung", sagt Sprecher Martin Glier auf Anfrage des KURIER. "Mehr kann ich dazu nicht sagen." Ob HC Strache tatsächlich im Palais Liechtenstein zugegen war, will er nicht bestätigen: "Er erzählt mir nicht immer, wo er hingeht." Beim Palais selbst heißt es, es habe eine Veranstaltung stattgefunden - wer dort war und um welches Thema es sich gehandelt habe, wisse man nicht.

"Europa erobern und anschließen"

Als eigentlicher Stargast der Veranstaltung ist nicht HC Strache, sondern Aleksandr Dugin zu werten: Er ist einer der Gründer der russischen Nationalbolschewisten, einer höchst nationalistischen und mit fragwürdiger Rhetorik arbeitenden Partei. Zudem ist er einer der Schmiede des eurasischen Pakts, den Wladimir Putin kürzlich aus der Taufe gehoben hat

Dugin ist vor allem durch seine kruden Aussagen im TV bekannt: Europa solle – auf friedlichem Wege zwar, aber dennoch - russisches Protektorat werden: „Wir müssen Europa erobern und anschließen.“

Vor allem die russischen Teilnehmer des Treffens zeichnen sich durch ihre Europafeindlichkeit aus: Organisator Malofeew wird nachgesagt, die pro-russischen Rebellen in der Ukraine zu finanzieren – der selbsternannte Premier der Volksrepublik Donezk ist jedenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter von ihm. Maler Ilja Glasunow sprach bei de Annexion der Krim davon, dass Tränen in den Augen gehabt habe – ein weitere Redner soll auf dem Treffen Wladimir Putin als den „Erlöser“ und als Reinkarnation Alexander des Ersten bezeichnet haben, so die Zeitung.

(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?