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KURIER Romy 2014
Es wäre schöner, wenn die Heirat am Standesamt für alle Menschen möglich wäre, so die Ministerin.
Es wäre schöner, wenn die Heirat am Standesamt für alle Menschen möglich wäre, so die Ministerin. - Foto: Jürg Christandl

Letztes Update am 20.02.2013, 06:42

Heinisch-Hosek will Ehe und Adoption für alle. SPÖ: Dass homosexuelle Paare bald Stiefkinder adoptieren dürfen, soll nur der erste Schritt sein.

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) pocht auf ihrer Forderung nach einer absoluten Gleichstellung von Hetero- und Homosexuellen bei Ehe und Adoption. Das erklärte sie am Dienstagabend in der ORF-ZiB 2 nach dem Entscheid des Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) in Straßburg, der die fehlende Möglichkeit einer Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare in Österreich als diskriminierend beurteilt hatte.

Es wäre schöner, wenn die Heirat am Standesamt für alle Menschen möglich wäre, sagte die Ministerin. "Das soll dann auch Ehe heißen." Gefragt, ob das auch das Recht auf Adoption beinhalten sollte - also nicht nur die Adoption eines Stiefkindes, wie vom EGMR gefordert - sagte sie: "selbstverständlich". Das sei Linie der SPÖ. Das Argument, Kindern müsse das Recht auf Vater und Mutter zugestanden werden, mit dem die ÖVP derartige Pläne zurückweist, lässt Heinisch-Hosek nicht gelten, dass dieses Modell immer das beste für das Kind sei, sei nicht bewiesen.

Von der Ankündigung ihrer Kollegin, Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP), noch im Frühjahr eine Neuregelung für die Adoption von Stiefkindern in homosexuellen Partnerschaften vorlegen zu wollen, zeigte sich Heinisch-Hosek dennoch einmal mehr erfreut. Karl hatte erklärt, man nehme das Urteil des EGMR sehr ernst und werde es noch in dieser Legislaturperiode umsetzen. Gleichzeitig betonte man aber im Justizressort, die reguläre Adoption solle weiterhin heterosexuellen Ehepartnern vorbehalten bleiben.

 

 

Frage des Tages: Familienpolitik

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Österreich

Eingetragene Partnerschaften

Weiterhin nutzen mehr männliche Paare die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft.

Im Jahr 2012 haben sich 386 gleichgeschlechtliche Paare verpartnern lassen. Das waren um 10,9 Prozent weniger als im Jahr davor. Unverändert blieb das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Männern und Frauen: Auch 2012 waren 59,8 Prozent der Paare, die eine Partnerschaft eingingen, männlich. Das gab die Statistik Austria am Dienstag bekannt.

Die gleichgeschlechtlichen Partner sind überwiegend 30 bis 50 Jahre alt (57,5 Prozent). Die meisten von ihnen, nämlich 84 Prozent, waren vor der Begründung der eingetragenen Partnerschaft ledig, beinahe die Hälfte der Paare lebt in Wien.

In der Bundeshauptstadt Wien ließen sich im vergangenen Jahr 179 Paare verpartnern, um 20 Prozent weniger als 2011. Im Bundesländervergleich folgen Niederösterreich mit 52 Partnerschaften, die Steiermark mit 46 und Oberösterreich mit 41. In Tirol sind 23 Paare eingegangene Partnerschaften eingetragen, in Salzburg 19, in Kärnten zwölf und in Vorarlberg sowie im Burgenland jeweils sieben.

Bei 64,2 Prozent der Paare hatten beide Teile die österreichischen Staatsbürgerschaft, in 29,3 Prozent der Fälle ein Teil, in nur 6,5 Prozent der Fälle keiner.

Die bisher höchste Zahl an Neueintragungen gab es 2010, als es erstmals die Möglichkeit gab, eine Partnerschaft bei den dafür zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden eintragen zu lassen: Damals ließen sich 705 Paare verpartnern, zwei Drittel waren männlich.


Ohrwaschl

Unteilbar

Menschenrechte sind unteilbar. Sie gelten prinzipielle für alle. Auch für Homosexuelle. Auch für Heterosexuelle. Für alle wie auch immer Liebenden. Ihnen das Recht auf staatlich anerkannte Lebensgemeinschaft, vulgo Ehe, zu verwehren, wäre absurd.

Und nein: Davon geht keine Gefahr für „die Familie“ aus. Niemand „wird“ schwul. Schwule und lesbische Menschen werden auch dann nicht heterosexuell heiraten und viele Kinderlein zeugen, wenn man ihnen die homosexuelle Ehe verbietet (obwohl manche diesen Unsinn ernsthaft behaupten). Schwule und lesbische Menschen sind seit jeher Teil der Lebensrealität – nur müssen sie sich heute nicht mehr verstecken.

Die Frage, ob sie Kinder adoptieren dürfen, ist viel schwieriger zu entscheiden. Hier wiegt im Zweifel das Wohl des Kindes schwer. Sind sich hier alle Experten einig?

Andererseits: Das Wichtigste für ein Kind ist, dass es geliebt wird – das Menschenrecht auf Liebe (und das ist, wie jeder beobachten kann, keineswegs in allen, der Klischeenorm entsprechenden, Familien so sicher).

(APA/KURIER/la) Erstellt am 19.02.2013, 22:33

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