Andreas Khol: "Die Partei liegt Erwin Pröll zu Füßen"

ÖVP-Bundesparteitag
Foto: Kurier/Juerg Christandl Am Sonntag wird die ÖVP ihren Hofburg-Kandidaten küren.

In der ÖVP rechnet man mit der Kandidatur des NÖ-Landeschefs. Mikl-Leitner dürfte Landeshauptfrau, eine Bauernbündlerin könnte Innenministerin werden.


Wer wird bei der Wahl für die Nachfolge von Bundespräsident Heinz Fischer antreten? SPÖ, Grüne und FPÖ lassen sich noch etwas Zeit. Als erste Partei wird die ÖVP ihre Entscheidung fixieren – bei einem Parteivorstand Sonntagabend in Wien.

So gut wie alle maßgeblichen Schwarzen gehen davon aus, dass Erwin Pröll für die ÖVP kandidiert. Der Boden wurde in den vergangenen Tagen sukzessive für den niederösterreichischen Landeshauptmann aufbereitet. "Ich rechne damit, dass er antritt", sagte etwa Oberösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer. Salzburgs schwarzer Landeschef Wilfried Haslauer ist "überzeugt davon, dass Erwin Pröll ein sehr guter Bundespräsident wäre". Der Steirer Hermann Schützenhöfer wird das heute in einem TV-Interview kundtun.

Loblieder

Nicht nur die Länderchefs, auch die Bünde-Obleute stehen hinter Pröll, der Niederösterreich seit 1992 politisch befehligt. Seniorenbund-Chef Andreas Khol, der mit Pröll immer wieder im Clinch war (Pröll hatte Khol vorgeworfen, dafür verantwortlich zu sein, dass Karl-Heinz Grasser aus der Politik gegangen ist), wird gegenüber dem KURIER gar pathetisch: "Erwin Pröll hat meine 100-prozentige Unterstützung. Er ist mein absoluter Wunschkandidat. Die Partei liegt ihm zu Füßen, wenn er es macht. Ich hoffe, dass er antritt."

Auch die schwarze Frauenchefin Dorothea Schittenhelm sagt im KURIER-Gespräch, Pröll habe ihre "volle Unterstützung".

Parteichef Reinhold Mitterlehner hatte schon Anfang November im KURIER wissen lassen, dass Pröll "selbstverständlich" ein guter Hofburg-Anwärter wäre.

Gewinnchancen

Dass in der ÖVP praktisch alle für den "Erwin" sind, der sich öffentlich bis dato noch nicht festgelegt hat, ist leicht erklärt. Der Niederösterreicher ist ein Polit-Urgestein; einer, der weiß, wie man Wahlkämpfe macht – und gewinnt. Zuletzt hat die ÖVP bei jeder Wahl Stimmen verloren. Zöge ein Schwarzer statt eines Roten in die Hofburg ein, stärkte dies das bröckelnde Machtgefüge.

Prölls Aufstieg würde einen neuen Landeshauptmann in Niederösterreich nötig machen. Eine Landeshauptfrau wird es wohl werden: die jetzige, ob ihrer Flüchtlingspolitik vielkritisierte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Nun wird von Insidern eine neue Kandidatin als deren Nachfolgerin im Innenressort genannt: Klaudia Tanner (45), derzeit Direktorin des niederösterreichischen Bauernbunds.

Ex-Strasser-Gehilfin

Die Juristin hat bereits im Innenministerium gewerkt – von 2001 bis 2003 im Kabinett von Ernst Strasser, wo sie mit den Agenden Zivildienst, Verwaltungsangelegenheiten sowie der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit (Kriminal- und Staatspolizei) befasst war.

Mit Tanner hätte Mitterlehner weiterhin zwei Frauen in seinem Regierungsteam. Und gegen das Bünde-Evangelium der Schwarzen würde auch nicht verstoßen: Wenn der Bauernbündler Pröll in Niederösterreich von ÖAABlerin Mikl-Leitner ersetzt wird, wird es ÖAABlerin Mikl-Leitner in der Regierung durch die Bauernbündlerin Tanner.

Festspiel für Pröll

Eine große Bühne hat Pröll kommenden Samstag im niederösterreichischen Grafenegg. 1000 Leute sind zum traditionellen Gemeindevertreterverbandstag geladen, vor denen der Landeshauptmann reden wird. Mikl-Leitner und ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling sind ebenfalls bei dem "Neujahrsempfang". Pröll könnte dort kundtun, dass er bereit wäre, zu kandidieren, sofern die ÖVP das wolle. Die Usancen gebieten nämlich, die Entscheidung der Partei nicht vorwegzunehmen, bevor sie in den Gremien abgesegnet worden ist.

(kurier) Erstellt am
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