Brüssel: Hoher Terroralarm, Schulen sind aber offen

Einwohner der Millionenstadt wagen das Alltagsleben. Zehn Dschihadisten werden gesucht.

"Ich fühle mich bedroht, was machen die vielen bewaffneten Soldaten im U-Bahnwaggon?" – fragt entsetzt eine junge Frau in der U-Bahnlinie Nummer 1, die in das Brüsseler Zentrum führt. Normalität schaut anders aus. Nach vier Tagen Stillstand in der Millionenmetropole hat die Metro Mittwochfrüh wieder schrittweise ihren Betrieb aufgenommen. Schulen, Kindergärten, Unis und große Einkaufszentren sind wieder geöffnet.

Gleichzeitig wurde die Polizei- und Militärpräsenz in der ganzen Stadt erhöht. Rund 500 zusätzliche Sicherheitskräfte wurden abgestellt, um Schulen und U-Bahnlinien zu bewachen. "Ich musste am Schultor unsere Pässe herzeigen, sonst wäre mein Sohn nicht zum Unterricht gekommen", erzählt die Mutter des zehnjährigen Stéphane ganz aufgebracht. Vor den großen Geschäften in der Rue Neuve stehen vermummte Soldaten. Privates Sicherheitspersonal kontrolliert Mantelsäcke und Handtaschen nach Waffen, erst dann wird man eingelassen.

Die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel gilt zumindest bis Montag. "Es gibt immer noch eine ernste und unmittelbare Bedrohung", begründet Premier Charles Michel die Maßnahmen. Konzerte und Sportereignisse in Brüssel bleiben vorerst abgesagt. Allerdings soll das Davis-Cup-Tennisfinale zwischen Belgien und Großbritannien wie geplant am Wochenende in Gent stattfinden.

Unsicherheit

Auch wenn die Metro wieder fährt, die Kinder in der Schule sind und Eltern wieder arbeiten können, ein Gefühl von Unsicherheit liegt in der Luft. Schon allein der Anblick der Soldaten in Kampfmontur und den Maschinengewehren im Anschlag macht Angst. Und prompt bestätigte Außenminister Didier Reynders gestern Mittag dieses Gefühl: "Wir sind auf der Suche nach zehn Personen, die schwer bewaffnet sind und Sprengstoff haben. Sie haben die Absicht, eine Operation wie in Paris durchzuführen", sagte er dem US-Sender ABC."Wie lange müssen wir noch warten, bis die mutmaßlichen Mittäter von Paris endlich gefasst sind?", empört sich Louise Simon, Inhaberin einer Parfümerie in der Brüsseler City. Viele Menschen haben mittlerweile jede Achtung vor der Polizei verloren. Bisherige Ermittlungen waren ein Flop.

Ein Verhafteter aus Brüssel bestreitet jede Hilfe für den flüchtigen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam. Es gab mehr als zwei Dutzend Festnahmen. Bis auf fünf Verdächtige, denen terroristische Straftaten vorgeworfen werden, sind alle wieder frei. Jetzt gibt es für die Polizei royale Hilfe. König Philippe bat den marokkanischen König Mohammed VI. um engere Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Länder im Kampf gegen den islamistischen Terror.

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