Religion ist Privatsache

Michael Fleischhacker

Michael Fleischhacker

Leider hat die Überzeugung, dass Religion Privatsache sei, in der neuen Religionspädagogik noch nicht Fuß gefasst.

von Michael Fleischhacker

Über Religion

Harald Martenstein, die Mutter aller Kolumnisten, hat letzte Woche für das „Zeit“-Magazin über seine Erfahrungen mit der Genderforschung berichtet. Das Mann-Frau-Thema beschäftigt Herrn Martenstein schon länger. Vor Kurzem hatte er in seiner Kolumne gestanden, dass sein Verständnis für die geplante Errichtung eigener öffentlicher Toiletten für geschlechtsmäßig Unentschlossene begrenzt sei. Die nähere Befassung mit der Genderforschung ließ in ihm die Überzeugung reifen, dass es sich dabei um eine Antiwissenschaft handle. Sie wolle nicht etwas herausfinden, sondern etwas beweisen. Etwas, das nicht zu beweisen sei: dass nämlich Geschlecht eine gesellschaftliche Konstruktion sei, keine naturwissenschaftliche Tatsache.

Aus der Sicht der Genderforscherinnen ist das schlüssig: Sie halten ja die Naturwissenschaft an sich für eine Konstruktion. Man könnte auch sagen, dass die Genderforschung die Religionspädagogik des säkularen Zeitalters ist. Das hat sie mit der sogenannten Klimaforschung gemein: Es geht nicht darum herauszufinden, wie die Welt ist, sondern darum, wie man die Menschen dazu erziehen kann, zu glauben, dass sie so ist, wie Hüter der reinen Lehre glauben, dass sie ist. Erreicht wird das in der Regel durch eine bündige Einteilung der Menschen in Gute und Böse samt der plastischen Darstellung der Qualen, die den Bösen bevorstehen, wenn sie sich nicht entschließen, Gute zu werden.

Leider hat die Überzeugung, dass Religion Privatsache sei, in der neuen Religionspädagogik noch nicht Fuß gefasst. Alle sind dagegen, dass in unseren Schulen der Unterricht mit einem Morgengebet beginnt, aber niemand findet etwas dabei, dass man Volksschülern das Binnen-I beibringt. Das nur für den Fall, dass Niko Alm noch nicht weiß, wie es jetzt weitergehen soll.

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