Rolling Stones mit Bombast-Konzert in Havanna

Fans take photographs with their mobile phones bef
Foto: REUTERS/UESLEI MARCELINO Die Rolling Stones in der Ciudad Deportiva

Gratis-Gig jetzt schon legendär: 500.000 Fans empfingen die Stones frenetisch.

Wenn Mick Jagger ein historisches Konzert ankündigt, liefert er es mit seinen Bandkollegen auch ab. Freitagabend traten die Rolling Stones unter großem Jubel in der kubanischen Hauptstadt Havanna gratis auf. Rund 500.000 Menschen bereiteten den Musikern einen begeisterten Empfang. Es war das erste Konzert einer britischen Rockband im sozialistischen Kuba. Die Musik war kilometerweit zu hören, so konnten auch jene Fans dabei sein, die es nicht auf das offiziell rund 450.000 Personen fassende Veranstaltungsgelände schafften. Die Behörden sprachen von 200.000 Besuchern. Kurz nach 20.30 Uhr begann mit "Jumpin' Jack Flash" die Show, Jagger bedankte sich auf Spanisch bei den Fans. Es folgte "It's Only Rock'n' Roll", möglicherweise auch als Botschaft an die kommunistische Führung Kubas. Jahrelang galten die Songs der Briten in der Vergangenheit Kubas als politisch verpönt.

CUBA-UK-MUSIC-ROLLING STONES Foto: APA/AFP/YAMIL LAGE "Wir wissen, dass es vor einigen Jahren noch schwierig war, unsere Musik in Kuba zu hören", sagte Jagger unter großem Jubel auf Spanisch. "Aber da sind wir." Und mit einem Verweis auf einen US-Kollegen: "Die Zeiten ändern sich."

Mehr als zwei Stunden gaben die Briten ihre Songs zum besten, sie hatten zuvor auch via Facebook ihre Fans über einen Teil der Songlist abstimmen lassen. Die Entscheidung fiel dabei auf "All Down The Line". Auch Klassiker wie "Angie" oder "Sympathy for the Devil" wurden gespielt, Keith Richards durfte für "You Got the Silver" und "Before They Make Me Run" ans Mikro.

Bereits ab dem frühen Nachmittag wurde der Einlass geöffnet, bald füllte sich das riesige Sportfeld der Ciudad Deportiva in Havanna. Auf zahlreichen Hausdächern verfolgten Kubaner das Spektakel. Der Himmel zeigte sich gnädig.

Keith Richards and Ron Wood play during a Rolling … Foto: AP/Enric Martí Bier gab es bei den zahlreichen Ständen außerhalb des Geländes nicht zu kaufen, es herrschte aus Sicherheitsgründen Alkoholverbot. Innerhalb des Felds gab es überhaupt keine Verkaufsstände. Dennoch wurde traditioneller Rum unter den wartenden Fans herumgereicht, die in Gruppen am Boden saßen. Die Kubaner nahmen das gelassen hin - sie sind an lange Wartezeiten und meterlange Schlangen gewöhnt.

Dutzende Polizisten säumten ebenso das Feld, Taschenkontrollen am Einlass gab es trotzdem nur sporadisch. Am Feld selbst standen lediglich sechs Dixi-Klos, auf den umliegenden Straßen dienten Metallverkleidungen über den Gullys als Toilette.

Thousands gather at the Ciudad Deportiva as the Ro… Foto: AP/Ramon Espinosa "You Can't Always Get What You Want" war die erste Zugabe - für die Menschen in Kuba mit symbolischer Bedeutung. Beim Abschluss-Song "Satisfaction" tobte die Menge. Es wurde deutlich, dass diesen Hit auch alle Kubaner kannten. Kurz vor 23.00 Uhr war das lang ersehnte Spektakel beendet, "Buenas Noches" wünschte Jagger.

Das Konzert bildete den Abschluss der eigentlich schon in Mexiko-Stadt beendeten Tour "América Latina Olé", die Rolling Stones hatten den lang ersehnten Auftritt noch kurzfristig drangehängt. Der Auftritt bildet einen weiteren Meilenstein der Öffnung des Karibik-Staats.

Fans gather near the stage at the Ciudad Deportiva Foto: REUTERS/IVAN ALVARADO Diese vorletzte Woche im März 2016 wird in Kuba ohnedies als historisch in die Geschichte eingehen: Die Stones besuchten Kuba schließlich drei Tage nach der Visite von US-Präsident Barack Obama. Obama war am Sonntag als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren in dem karibischen Inselstaat eingetroffen. Der dreitägige Staatsbesuch markierte den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses zwischen den vormals verfeindeten Ländern.

(apa / smek) Erstellt am
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