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Auf dem 2,8 Kilometer langen, eingleisigen Teilstück gab es bei der Zehetnergasse in Wien-Penzing einen Frontalzusammenstoß zwischen zwei Regionalzügen der Vorortelinie.
Auf dem 2,8 Kilometer langen, eingleisigen Teilstück gab es bei der Zehetnergasse in Wien-Penzing einen Frontalzusammenstoß zwischen zwei Regionalzügen der Vorortelinie. - Foto: apa/Roland Schlager

Letztes Update am 21.01.2013, 09:54

S-Bahn-Kollision: Horror-Crash wie vor 20 Jahren. 41 Verletzte - ein Passagier schildert die dramatischen Szenen.

Wegen einer betrieblichen Abweichung kommt es derzeit auf der S45 zu Verzögerungen“, hallte es aus den Lautsprechern der umliegenden Bahnhöfe.

Die „Abweichung“ war ein Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge bei der Zehetnergasse in Wien-Penzing. Insgesamt wurden laut Rettung 41 der 280 Fahrgäste verletzt. Kurioser Zufall: Vor 20 Jahren (im Februar 1993) hatte es einen sehr ähnlichen Crash – mit drei Toten und 30 Verletzten – an der gleichen Stelle mit fast identer Ursache gegeben.

Bilder vom Unfallort:

Bereits seit Tagen kam es wegen des Schnees und der Kälte immer wieder zu Problemen mit den Weichen. Auch der 2,8 Kilometer lange eingleisige Bereich zwischen den Bahnhöfen Penzing und Hütteldorf war betroffen. Deshalb wurde die Einfahrt in den Unfallbereich quasi händisch von den Fahrdienstleitern übernommen. Dabei dürfte es zu einem Missverständnis gekommen sein, die Züge SB20592 und SB20595 wurden offenbar gleichzeitig eingelassen. Während der eine Lokführer geistesgegenwärtig im Triebfahrzeug zurücklief und die Passagiere warnte, blieb sein 34-jähriger Kollege sitzen. Warum er das tat, ist unklar. Er musste nach einer Not-OP auf die Intensivstation, inzwischen ist er in einem stabilen Zustand, so eine Sprecherin der AUVA-Landesstelle Wien am Dienstag. Geklärt werden muss auch noch, warum ein Zug praktisch zum Stillstand kam – und der andere nicht.

„Dann ist alles und jeder umgeflogen, ich habe mich fürchterlich erschreckt.“ Luise G. Passagierin

„Plötzlich hat es einen Mordskrach gegeben“, berichtet Passagier Peter Mostbauer. Eine Anrainerin erzählt, sie habe zunächst an eine große Dachlawine gedacht. „Dann ist alles und jeder umgeflogen, ich habe mich fürchterlich erschreckt“, sagt Luise G. zum KURIER. „Aber ich hatte Glück, ich war in einem der hinteren Waggons.“

Wenige Augenblicke später kam Christian Eder auf dem Weg zur Arbeit an der Unglücksstelle vorbei: „Von oben haben sie heruntergerufen, dass ich die Rettung rufen soll“, berichtet Eder. Die war gleich gegenüber. „In der Rettungsstation Penzing wussten sie noch gar nichts.“

Wenig später wurde Großalarm geben. Die Rettung rückte mit dem Katastrophenzug an, ein riesiges Aufgebot von Feuerwehr und Polizei raste herbei. Auch die zwei ÖAMTC-Notarzthubschrauber Christophorus 3 und 9 waren im Einsatz. Die Helikopter, die auf dem Parkplatz eines benachbarten Supermarktes landeten, flogen den lebensgefährlich verletzten Lokführer sowie eine 25-jährige Passagierin, die schwere Wirbelverletzungen erlitten hatte, ins Spital. Bei einem weiteren Insassen, der hinter dem Lokführer saß und aus dem Wrack herausgeschnitten werden musste, ist ebenfalls unklar, ob er überleben wird.

Da die Bahn in diesem Bereich eine Hochtrasse ist, mussten die Verletzten großteils mit zwei Drehleitern geborgen werden. Einige der Passagiere waren in Tränen aufgelöst.

Karte vom Unfallort

Dort, wo sich der Zusammenprall der Schnellbahnzüge ereignet hat, verläuft die Strecke der Vorortelinie eingleisig.


Größere Karte anzeigen

Nach der Frontalkollision am Montag ist die Westbahnstrecke am Dienstag seit 4:00 Uhr wieder befahrbar. Die vom Unglück ebenfalls betroffene S50 ist auch wieder voll im Einsatz.


Nachgefragt

"Fast alle, die in Fahrtrichtung saßen, sind verletzt worden"

Peter Mostbauer saß in einem der Züge. Er schildert den Unfallhergang.

KURIER: Wie haben Sie den Unfall erlebt?
Peter Mostbauer:
Ich war im hinteren Teil des Zuges Richtung Penzing. Es hat plötzlich einen Mordskrach gegeben, und die Menschen sind geflogen. Fast alle, die in Fahrtrichtung saßen, sind verletzt worden. Ich hatte Glück und wurde nicht verletzt.

Wie schnell war der Zug unterwegs?
Er hat schon voll beschleunigt gehabt.

Wie schwer waren die Menschen um Sie herum verletzt?
Eine Frau neben mir hatte innere Verletzungen. Sie verlor kurz das Bewusstsein und wurde mit dem Notarzthubschrauber weggebracht. Viele wurden am Knie verletzt. Ich habe einem jungen Mann mit offenem Kniebruch geholfen. Auf meinen Strecken (S45, S50) gab es bereits drei Unfälle, seit ich damit in die Arbeit fahre. Die Bahn sollte meiner Meinung nach sicherer werden.


Video

Verheerender Bahn-Crash in Wien-Penzing

Schweres Schnellbahnunglück in Wien

Schweres Schnellbahnunglück in Wien


Chronologie

Kollisionen im Bahnverkehr in Wien

Immer wieder kommt es in Wien zu Kollisionen zwischen Zügen oder anderen Schienenfahrzeugen. Die schwersten Unfälle liegen bereits geraume Zeit zurück:

21.01.2013: Zwei Schnellbahngarnituren der Vorortelinie (S45) stoßen auf der Westbahnstrecke in Penzing frontal zusammen. Mehrere Menschen werden schwer verletzt, mehr als ein Dutzend leicht verletzt.

28.09.2012: Die Lokomotive und der erste Waggon eines Intercity nach Salzburg springen kurz nach der Abfahrt vom Westbahnhof aus den Schienen. Es wird niemand verletzt.

20. 06.2011: Beim Westbahnhof kollidieren eine Verschublok und eine Lok mit einer Garnitur leerer Waggons. Zwei Verschubmitarbeiter werden verletzt.

09.10.2009: Eine Schnellbahn stößt beim Matzleinsdorfer Platz mit einem Oberbauzug zusammen, beide sind auf dem gleichen Gleis unterwegs. Ein ÖBB-Mitarbeiter des Baufahrzeugs wird schwer, 13 Passagiere werden leicht bis mittelschwer verletzt.

30.04.2007: Am Südbahnhof kommt es zur seitlichen Kollision zweier Verschubzüge. Ein ÖBB-Mitarbeiter wird schwer verletzt.

28.09.2006: In der sogenannten Oswald-Schleife im Bereich Schöpfwerk-Tscherttegasse auf der Verbindungsstrecke zwischen West-und Ostbahn stößt ein Schnellzug aus Ungarn mit einer Draisine zusammen. Vier ÖBB-Arbeiter werden verletzt, drei von ihnen schwer.

27.02.2002: Zwei Güterzüge prallen in Simmering aufeinander. Die beiden Lokführer werden verletzt. Aus einem Kesselwaggon tritt tonnenweise Aminoharz aus.

18.02.1993: Drei Menschen kommen ums Leben und rund 30 werden verletzt, als in Penzing in der Nähe des Bahnhofs Hütteldorf ein Regionalzug und eine Schnellbahngarnitur frontal zusammenstoßen. Ein Zug aus Neulengbach prallt mit rund 30 km/h gegen eine etwa 60 km/h schnelle S-Bahn-Garnitur.

9.11.1991: Nahe der Haltestelle Süßenbrunn an der nordöstlichen Stadtgrenze sind drei Schnellbahngarnituren in einen Unfall verwickelt. Vier Menschen sterben, 30 erleiden teilweise schwere Verletzungen.

17.08.1981: Menschliches Versagen ist die Ursache dafür, dass ein Pendlerzug im Südbahnhof auf einen Prellbock fährt. Drei Menschen sterben, 140 werden verletzt.

(KURIER) Erstellt am 21.01.2013, 09:54

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