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Letztes Update am 14.11.2012, 15:11

Von billiger Randlage zur teuren Ruhelage. Vermieter sind bei der Verrechnung von Zuschlägen oft sehr kreativ. Ruf nach Obergrenzen.

Es ist ein besonders krasser Fall von Mietzins-Wucher: Für seine Wohnung in der Goldschlagstraße im 15. Bezirk bekam der Mieter von seinem Vermieter einen Hauptmietzins von 330 Euro vorgeschrieben. Der gesetzliche Hauptmietzins für dieses Objekt liegt allerdings nur bei 125 Euro, stellte die Schlichtungsstelle fest, die der Mieter kontaktierte. Macht eine Differenz von satten 205 €.
Möglich werden derart eklatante Überschreitungen nicht zuletzt durch die geltenden Regelungen für Zu- und Abschläge bei Mietverhältnissen, die dem Richtwert-System unterliegen. Allein in Wien sind davon 220.000 Wohnungen betroffen.

Mit der von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) angestoßenen Debatte um eine Mietzins-Deckelung ist auch dieser Bereich in den Fokus geraten. Eines der Hauptprobleme: Zwar schreibt der Gesetzgeber vor, für welche Merkmale der Wohnung Zu- und Abschläge möglich sind ( siehe Grafik ). „Der Vermieter muss sie aber im Vertrag weder ausweisen noch begründen“, heißt es im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ). Klarheit verschafft dann erst eine Überprüfung mittels Online-Mietenrechner oder der Gang vor die Schlichtungsstelle. Sie ist pro Jahr mit weit über 1000 derartigen Fällen beschäftigt.


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Foto: KURIER

Manche davon beweisen die Kreativität einiger Vermieter: Liegt etwa die Wohnung in einer entlegenen Gegend, wird dann gerne auf den Abschlag wegen schlechter Verkehrsanbindung vergessen, dafür aber ein Zuschlag für Ruhelage verrechnet. Auch wenn in der Nähe eine U-Bahn gebaut wird, ziehen die Mieten oft sehr rasch an, obwohl der Vermieter für diese Maßnahme keinen Beitrag geleistet hat.

Deckelung

In der Praxis kommt es vor, dass die Zuschläge 100 Prozent vom Mietzins-Richtwert überschreiten. Während
Ludwig neben mehr Transparenz für eine Obergrenze von 25 Prozent plädiert, will die Arbeiterkammer die Grenze gar bei 20 Prozent einziehen.
 

(KURIER) Erstellt am 14.11.2012, 15:11


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