Astronomen sagen Astrologen Kampf an

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Foto: APA/TECHNISCHES MUSEUM WIEN Der "Tag der Astrologie" im Technischen Museum (Archivbild) ist Grund für den Wirbel.

Astrologen-Tagung im Technischen Museum echauffiert namhafte Wissenschaftler.

Damit hätte wohl niemand gerechnet: Wiens führende Astronomen sind kollektiv empört. KURIER-Astrologin Regina Binder fühlt sich an die Inquisition zurückerinnert und assoziiert ihre Berufsgruppe mit „Hexen, die brennen müssen“.   Wirtschaftskammer-Funktionär Gerhard Flenreiss – Obmann der Sparte Gewerblicher Dienstleister – versichert, keinem „obskuren Zirkel“ anzugehören. Und Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums, kann die Aufregung nicht nachvollziehen.

Grund für den Wirbel, der zurzeit auf Facebook und Twitter kursiert, ist der „Tag der Astrologie“, zu dem die Wirtschaftskammer die Berufsgruppe der Wiener Astrologen just ins Technische Museum eingeladen hat.

„Widerspruch“

Für die Forscher vom Institut für Astrophysik der Uni Wien ein Affront. Denn ihrer Meinung nach, wäre es Aufgabe des Museums, „Technologie und Wissenschaft vorzuführen“. „Und dazu gehört die Astrologie definitiv nicht“, wie Professor Manuel Güdel betont. „Sie kennt keine wissenschaftliche Methodik. Hier bedürfte es einer kritischen Auseinandersetzung.“

Dass die Tagung just zur selben Zeit wie die von den Astrophysikern mitgestaltete  „Space“-Ausstellung stattfindet, solle wohl den Eindruck erwecken, Astrologie wäre eine neue Wissenschaft. „Doch es gibt keinen gemeinsamen Nenner“, sagt Güdel. „Astronomie und Astrologie sind ein fundamentaler Widerspruch: Hier steht Esoterik gegen Wissenschaft“.

Deshalb baten die Astronomen Museumsdirektorin Zuna-Kratky nun schriftlich, von der Austragung des Astrologen-Tagung Abstand zu nehmen.

Die denkt aber nicht daran. Zumal nicht die Astrologen den Festsaal des Museums gemietet hätten, sondern die Wirtschaftskammer. „Die Veranstaltung hat nicht das Geringste mit der Ausstellung zu tun“, betont sie. „Wir stellen ihnen die Schau nicht zur Verfügung, damit sie was zu deuten haben.“

Außerdem handle es sich um „eine geschlossene Veranstaltung, die nach Schließung des Museums stattfindet“. „Die Bevölkerung bekommt also gar keine Möglichkeit, Astrologie und Astronomie zu verwechseln“, stellt Zuna-Kratky klar.

Die Qualität der Zeit

Bei den Astrologen ist man über die Heftigkeit des Protests ebenfalls erstaunt. Insbesondere, weil man sich durch die Tagung eigentlich „von Scharlatanen, die unrealistische Versprechungen oder konkrete Vorhersagen machen, abgrenzen“ will. „Doch jetzt wird uns vorgeworfen, wir wären Betrüger“, ärgert sich Astrologen-Sprecherin Regina Binder. Die Emotionen seien überraschend – „wo sich die Wissenschaft doch immer Vernunft und Objektivität auf die Fahnen heftet.“

"Wir sind keine Esoteriker", erklärt Binder entschieden. "Und wir erheben nicht den Anspruch, Wissenschaft zu sein." Astrologie sei "einfach eine andere Art, den Himmel zu betrachten".

"Verblüfft" zeigt sich insofern auch Gerhard Flenreiss von der Wirtschaftskammer. Die gewerblichen Astrologen seien "eine normale Berufsgruppe und kein obskurer Zirkel". Bei den Tagungen bemühe man sich daher auch um kritische Vortragende.

"Und Zukunftsvorhersagen gibt es bei uns sicher keine. Unsere Mitglieder informieren anhand von Sternenkonstellationen über die Qualität der Zeit."

(KURIER) Erstellt am
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