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KURIER
Helmut Schüller
Helmut Schüller - Foto: KURIER/Christandl

Letztes Update am 29.11.2012, 11:03

Rom entzog Schüller Ehrentitel . Dem Sprecher der Pfarrer-Initiative ist der Titel "Monsignore" entzogen worden - er sieht dies gelassen.

Insignien muss ich keine zurückschicken. Ich hab’ ja keine“: Kirchenrebell Helmut Schüller ist um einen Titel ärmer – und um eine Schlagzeile reicher. Rom erkannte ihm vor wenigen Wochen den päpstlichen Ehrentitel „Monsignore“ (ähnlich dem Hofrat, Anm.) ab. Überbringer der Nachricht war Kardinal Christoph Schönborn. Über die Hintergründe schweigt man sich aus – vermutlich hat die „Entehrung“ jedoch mit Schüllers Ungehorsam zu tun.

Denn der Aufruf zum Ungehorsam von Helmut Schüllers Pfarrer-Initiative sorgt nicht nur in der österreichischen Amtskirche seit mehr als einem Jahr für Aufsehen. Zu Ostern hatte Papst Benedikt XVI. in einer Predigt im Petersdom offen kritisiert. Jetzt folgen den Worten Taten: Die Initiative für die Aberkennung des Ehrentitels ging von Rom aus, berichtet Michael Prüller, Sprecher von Kardinal Schönborn. Demnach bekam Schönborn vor wenigen Wochen einen Brief von dem für Auszeichnungen zuständigen Referat im Vatikan. Der Kardinal wurde darin gebeten, Schüller über die Aberkennung des Titels zu informieren.
Prüller betont, dass die Aberkennung nicht auf Betreiben Schönborns erfolgt sei.


Auch die apostolische Nuntiatur in Österreich, also die Vatikan-Botschaft, war nicht involviert. „Da ist das (bischöfliche, Anm.) Ordinariat zuständig“, hieß es auf Anfrage.

Die österreichischen Bischöfe haben jedenfalls ihre liebe Not im Umgang mit der Pfarrer-Initiative. Schönborn, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, hat wiederholt die Rücknahme des Aufrufs zum Ungehorsam gefordert und mit Konsequenzen gedroht. Im Sommer folgte tatsächlich die erste Konsequenz – allerdings nicht für Schüller, sondern für Peter Meidinger, Dechant von Piesting in Niederösterreich. Er wurde von Schönborn vor die Wahl gestellt, die Pfarrer-Initia­tive zu verlassen, oder auf das Amt des Dechants zu verzichten – was Meidinger auch tat.

In den offiziellen Stellungnahmen der Bischofskonferenz hieß es immer nur, der Aufruf könne so nicht stehen bleiben. Auch wenn es keine offiziellen Gespräche zwischen Bischofskonferenz und Pfarrer-Initiative gibt, dürfte zuletzt der inoffizielle Dialog verstärkt worden sein.

Der Kirchenrechtsexperte Paul Zulehner sieht in der Aberkennung des Ehrentitels jedenfalls eine indirekte Werbung für Schüller und seine Pfarrer-Initiative. „Diese Art von Widerstand aus Rom ist für Schüller viel werbeträchtiger, als würde man ihm ein bisschen entgegenkommen.“
Der Theologe wertet die Reaktion des Vatikan allerdings nur als „Griff in die unterste Schublade“, im Sinne einer milder Reaktion. Der Vatikan wolle zeigen, dass er die Situation ernst nehme, hätte aber auch viel härter reagieren können. Laut Zulehner wurde vor Kurzem ein Priester aus den USA seines Amtes enthoben, weil er ein Buch über das Frauen-Priestertum geschrieben hatte.

Ungewöhnliche Maßnahme

Dennoch sei die Aberkennung eines Ehren­titels eher eine Seltenheit, „aber es kommt ja auch nicht oft vor, dass jemand so eine Pfarrer-Initiative macht“, sagt Zulehner. Er ist überzeugt, dass Schönborn um einen Konsens mit der Pfarrer-Initiative bemüht ist: „Schüller ist ein hervorragender Seelsorger, das weiß der Kardinal. Er hat halt seine besten Pfarrer bei der Pfarrer-Initiative dabei.“

Schüller selbst nimmt den Titelverlust locker. „Ich wurde bei meinem Antritt als Caritas-Präsident damit ausgezeichnet. Aber mein Herz hing nie daran.“ Die Entziehung sei ohnehin nur ein Nebenschauplatz. „Der Hauptschauplatz bleibt die Auseinandersetzung mit der Kirchenreform.“ Und die will er mit seiner Pfarrer-Initiative weiterführen.


Pfarrer-Initiative

Öffentlicher Ungehorsam seit eineinhalb Jahren

Juni 2011 Die Pfarrer-Initiative rund um Helmut Schüller veröffentlicht den Aufruf zum Ungehorsam gegenüber dem Papst: Gefordert werden die Zulassung von verheirateten Priestern, die Weihe von Frauen, sowie die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Außerdem wollen die rebellischen Pfarrer, dass auch Laien predigen dürfen und Messen ohne Priester gefeiert werden können. Hintergrund der Forderungen ist der dramatische Priestermangel.

August 2011 Kardinal Christoph Schönborn droht Schüller nach einem Gespräch erstmals mit Sanktionen.

5. April 2012 Papst Benedikt XVI. geht in seiner Grün-Donnerstag-Predigt kritisch auf die Forderungen der Pfarrer-Initiative ein.

6. April 2012 Schönborn fordert die Rücknahme des Aufrufs zum Ungehorsam.

26. Juni 2012 Peter Meidinger, Dechant des Dekanats Piesting im südlichen Niederösterreich verzichtet auf sein Amt. Er wurde von Schönborn vor die Wahl gestellt, die Pfarrer-Initiative zu verlassen oder nicht mehr Dechant zu sein.

3. Oktober 2012 Die österreichischen Bischöfe erteilen den Forderungen der Pfarrer-Initiative in einem Hirtenbrief eine Absage.

25. November 2012 Schüller kündigt für 2013 eine weltweite Versammlung von Pfarrer-Initiativen an.

29. November 2012 Es wird bekannt, dass der Vatikan Schüller den Ehrentitel Monsignore entzieht.

(KURIER) Erstellt am 29.11.2012, 11:03


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