Felbertauern für Wochen gesperrt

Felbertauern, Felssturz…
Foto: FELBERTAUERNSTRASSE AKTIENGESELLSCHAFT

Weiterhin besteht Lebensgefahr, erste Wiederherstellungsmaßnahmen erst in einigen Tagen.


Wo sich am Tag zuvor 35.000 Kubikmeter Geröll in Bewegung gesetzt haben, begannen am Mittwoch die ersten Arbeiten. Die Steinmassen zerstörten die Felbertauernstraße auf einer Länge von knapp 100 Metern. Doch bevor mit der Instandsetzung begonnen werden kann, muss erst die Gefahr beseitigt werden, sagt Michael Köll, der technische Leiter der Felbertauernstraße: „Wir waren den ganzen Tag dabei, eine Vielzahl an Löchern für eine Sprengung in die Felsen zu bohren.“

Angespannte Lage

Die dürfte erst heute erfolgen und ist dringend nötig. „Nach wie vor könnten jederzeit viele Tausend Kubikmeter Felsmaterial ausbrechen“, beschreibt Landesgeologe Hans Schroll die angespannte Lage. Die Arbeiten wurden durch starken Wind erschwert. Für heute kündigt sich auch noch Regen an, was den Einsatz noch zusätzlich erschwert. „Es könnte Wasser in den Fels eindringen und zu zusätzlichen Instabilitäten führen“, erklärt Schroll.

Allein die Felssicherungsmaßnahmen dürften mehrere Tage in Anspruch nehmen. „Wenn wir von oben sicher sind, wird es etwa drei Wochen dauern, bis wir die Befahrbarkeit wieder herstellen können“, meint Köll. Damit bleibt die Straße länger gesperrt als zunächst erhofft.

Keine Spur von Auto

Ein Phantom bleibt weiterhin jenes Auto mit Wiener Kennzeichen, das einen Holländer kurz vor dem Felssturz überholt haben soll. Mathias Außerdorfer von der Polizei Matrei: „Es gibt keine neuen Hinweise und auch keine Vermisstenanzeige. Wir haben bei Unterkünften und Hotels nachgefragt, ob Gäste nicht angekommen wären.“ Sogar Parkplätze wurden auf Fahrzeuge mit Wiener Nummer kontrolliert – nichts. Das Auto hätte auch etwa drei Kilometer nach dem Überholvorgang noch ins Virgen- oder Defereggental abbiegen können. Zu dem Felssturz kam es etwa zwölf Kilometer entfernt.

Für die Felbertauern AG bedeutete das Naturereignis einen enormen Schaden. Allein die entgangenen Mauteinnahmen dürften mehrere 100.000 Euro betragen. Reisende müssen großräumig ausweichen - etwa über die Tauern- oder die Brennerautobahn der ASFINAG. Die erwartet sich dennoch für das anstehende Pfingstwochenende keine großen Verzögerungen. „Wir haben alle Mautstellen voll besetzt“, sagt der Unternehmenssprecher Alexander Holzedl.

Der Erdrutsch auf der Felbertaurenstraße, die Osttirol und Salzburg verbindet, hat sich am 14. Mai um 1.38 Uhr ereignet. Mit einem lauten Knall, der kilomterweit zu hören war, brach plötzlich der Hang ab. Die Schildalmgalerie wurde dabei auf einer Länge von rund 100 Metern verschüttet. Die als Lawinengalerei gebaute Konstruktion wurde komplett zerstört. Nach ersten Schätzungen von Landesgeologen Gunther Heißel sollen bis zu 35.000 Kubikmeter Geröll und Erdreich in Bewegung geraten sein. Bei der betroffenen Stelle handle es sich um einen gut bewaldeten Bereich, der an sich als nicht besonders gefährdet eingestuft gewesen war.

  Ein Hubschrauber flog über die Abbruchstelle der Hangrutschung. Hier lösten sich die Gesteinsmassen vom Fels. Die einmal im Jahr stattfindende Kontrolle ist derzeit gerade in Gang. Ob diese Stelle bereits kontrolliert wurde, ist noch offen. Als eine mögliche Unglücksursache gilt die Schneeschmelze der letzten Wochen, die viel Wasser mit sich gebracht hatte.  Die Felbertauerntraße bleibt voraussichtlich bis nach Pfingsten gesperrt. Die anfängliche Vermutung, ein Pkw befinde sich unter den Gesteinsmassen, hat sich nicht erhärtet. Am Donnerstag wurde eine so genannte Kennenlernsprengung durchgeführt. Lockeres Gestein wurde weggesprengt.

(kurier) Erstellt am

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