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Mahrer: "Jetzt spielt er Moralapostel, dabei hat er selbst gesündigt.“
Mahrer: "Jetzt spielt er Moralapostel, dabei hat er selbst gesündigt.“ - Foto: Julia Schrenk

Letztes Update am 12.04.2012, 16:17

Stützenhofen: "Ich war die Geliebte des Pfarrers". Pfarrer Swierzek will in seiner Gemeinde keine Sünde. Jetzt wirft ihm eine Bekannte vor, selbst ein „Sünder“ zu sein.

Eigentlich habe ich pastorale Seelsorge gesucht", erzählt Eva-Maria Mahrer. Die 55-jährige Niederösterreicherin betont, sie wolle dem Stützenhofener Pfarrer Gerhard Swierzek "keins auswischen", aber sie sei eben sehr gerecht und deshalb wolle sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gehen. Ihre Geschichte? "Ich war die Geliebte des Pfarrers", behauptet Mahrer.

Auslöser für ihre "Beichte" ist die Posse, die sich seit einigen Wochen in Stützenhofen im Weinviertel abspielt: Wie berichtet, war der bekennende Homosexuelle Florian Stangl in den Pfarrgemeinderat gewählt worden, Kardinal Christoph Schönborn hat ihm kurz vor Ostern seinen Segen erteilt. Pfarrer Gerhard Swierzek erklärte daraufhin, ein "Leben in Sünde" könne nicht "die Norm sein" und will seiner Gemeinde jetzt den Rücken kehren.

Schwere Vorwürfe

Pfarrer
Moralapostel? Gerhard Swierzek soll ein Verhältnis gehabt haben. - Foto: Repro Julia Schrenk

Das war für Eva-Maria Mahrer wohl zu viel – im KURIER-Gespräch erhebt sie nunmehr schwere Vorwürfe gegen Swierzek selbst. "Meine Mutter war ein Pflegefall und ich habe eine schwere Krebsoperation überstanden. Ich brauchte Ablenkung und Seelsorge. Aber Gerhard hat meine Nähe gesucht", erzählt Mahrer.

Von 2. September 2003 bis 1. Jänner 2006 war Swierzek als Pfarrer in Pressbaum tätig; aus  der "pastoralen Seelsorge" sei dann mehr geworden. "Mit seinem polnischen Akzent hat er mich gefragt: Möchtest du mit mir spazieren gehen?" Mahrer und Szwierzek waren oft spazieren und lange: "Ich hab’ für ihn gekocht und er war in meinem Pool schwimmen." Und: "Ich war seine Geliebte. Er hat sein Zölibat gebrochen. Jetzt spielt er den Moralapostel und redet von Sünde. Dabei hat er selbst gesündigt."

Mag. Florian Stangl, Stützenhofen
Auslöser der Affäre: der schwule Pfarrgemeinderat Florian Stangl - Foto: Eder/Kurier

Mahrer sagt, sie habe Mitleid mit dem homosexuellen Pfarrgemeinderat Florian Stangl und auch mit seinem Lebensgefährten. Deshalb, so die 55-Jährige, wolle sie ihr Verhältnis zu Pfarrer Swierzek öffentlich machen.

"Wie kann er jetzt mit zwei so jungen Männern so umgehen? Die beiden leben offenbar in Frieden, was soll daran denn Sünde sein?"

Zusammenbruch

Drei Monate, sagt Mahrer, sei sie mit Pfarrer Swierzek zusammen gewesen. Eine Bekannte hätte ihr dann aus heiterem Himmel die Nachricht Szwierzeks überbracht, dass er sich zurückziehen müsse. "Mir ist es danach sehr schlecht gegangen.  Ich hatte einen Zusammenbruch", erzählt Mahrer. Die ganze Nacht hätte sie versucht, Swierzek zu erreichen, "doch er meldete sich nicht".

Noch am selben Abend, so Mahrer weiter, soll er Kardinal Schönborn verständigt haben, eine Frau "seelisch verletzt" zu haben. "Danach war er zwei Wochen im Krankenstand."

Michael Prüller, Sprecher von Kardinal  Schönborn, sagt: "Er hat die Pfarrgemeinde Pressbaum damals auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen zurückgelegt. Ob das wegen einer Beziehung war, die zu Ende gegangen ist, kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren."

Pfarrer Swierzek war trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar.

Heikles Telefonat

Zwischenzeitlich gab es rund um den Fall Stützenhofen auch Aufregung um ein Gespräch mit Schönborn, das Swierzek mitgeschnitten haben soll. In diesem soll der Pfarrer von Kardinal Schönborn aufgefordert worden sein, den homosexuellen Stangl von der Liste zur Pfarrgemeinderatswahl "verschwinden zu lassen". Entgegen verschiedener Medienberichte erklärte Pfarrgemeinderat Gerhard Wolfram dem KURIER, dass er den Gesprächsmitschnitt nie gehört hätte. Wolfram hatte in der Messe am Palmsonntag eine entsprechende Erklärung vorgelesen.

Nach diesem "Eklat", so Wahlleiter Franz Schuster, hatten er und Pfarrgemeinderat Daniel Hugl jeweils einen Brief an Schönborn verfasst. Hugl spricht darin von einer "polnischen Demokratur", die in  Stützenhofen herrsche. Deren Motto sei "Hände  falten, Goschen halten".

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(KURIER) Erstellt am 11.04.2012, 16:24

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