Bürger gegen Stupa im Waldviertel

Bürger gegen Stupa im Waldviertel
Zwei Drittel lehnten ein geplantes buddhistisches Zentrum in Gföhl ab. Nun wird das Grundstück dafür nicht umgewidmet.

Die Entscheidung war eindeutig: Es wird kein buddhistisches Zentrum in Gföhl im Niederösterreichischen Waldviertel geben. Die Bürger haben sich bei einer Volksbefragung am Sonntag klar gegen die Umwidmung des Baugrundstückes ausgesprochen. Und das, obwohl ein Großteil der Gemeindemandatare ursprünglich dafür war.

Auch wenn es "nur" eine Befragung war, ist am Ergebnis nicht zu rütteln: Alle im Gemeinderat vertretenen politischen Fraktionen haben beschlossen, dass das Ergebnis bindend sein soll, wenn mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen. Das ist mit 52,37 Prozent klar der Fall. Ebenso eindeutig ist das Ergebnis: 67 Prozent der Teilnehmer haben sich gegen die Umwidmung ausgesprochen.

Bürger gegen Stupa im Waldviertel

Bei der Befragung ging es um den Bau eines rund 30 Meter hohen buddhistischen Denkmals mit 25 Meter Durchmesser – Stupa genannt – am Stadtrand von Gföhl. Ein Mönch "erspürte" den Platz als passend für den Bau, der für 200 Menschen Platz bieten sollte. Ein kleineres Exemplar steht seit 27 Jahren in Wien am Donauufer.

Im Vorfeld der Entscheidung war es zu heftigen Diskussionen in dem Ort gekommen. Quer durch die Familien waren die Meinungsunterschiede zu dem Projekt verlaufen. Die auffällige Lage, die Größe und die "Kulturfremdheit" des Projekts hatten viele gestört.

Zuletzt bombardierten – vielfach auswärtige – Gruppen die Gföhler mit Postwürfen, um sie zu einem Nein zu bewegen. "Darin gab es auch mehrfach Aussagen, die zu einer Klage berechtigen würden", ist Rechtsanwalt Alois Diem überzeugt. Er berät die Wiener Lotos-Lindmayer-Stiftung, die den Bau unterstützt.

"Alles fließt"

Bürger gegen Stupa im Waldviertel

Die Initiatoren nehmen die Entscheidung gelassen: "Alles fließt. Im Buddhismus gibt es keine Verlierer. Aber da wurde auch Hass geschürt in einem Maß, das wir nicht für möglich gehalten hätten. Wir haben aber auch großartige Menschen kennengelernt. Ich hoffe nur, das schadet dem Bürgermeister nicht, der uns so unterstützt hat", betont die Wiener Stiftungschefin Elisabeth Lindmayer.

"Ich bin begeistert vom Demokratieverständnis der Gföhler Bürger", sagt auch VP-Bürgermeister Karl Simlinger, als er das Ergebnis bekannt gab.

Zufrieden sind auch die Chefs von SPÖ, Bürgerliste und ganz besonders der einzige Freiheitliche Mandatar. Er hatte die Befragung gefordert. Er zeigte sich nach Bekanntwerden des Ergebnisses überzeugt: "Ich habe die direkte Demokratie in Gföhl eingeführt." Sein Stadtparteichef Fritz Dubsky fordert nun gar den Rücktritt des Bürgermeisters, weil der sich für das Projekt starkgemacht hatte.

20.000 Buddhisten im Land

Seit 1983 ist der Buddhismus als Religion in Österreich staatlich anerkannt.
Offizielle Zahlen der Anhänger gibt es aber nicht. Die Behörden schätzen, dass knapp 20.000 Buddhisten in Österreich leben.
Eine emotionale Verbindung ergab sich durch die Freundschaft zwischen dem Dalai Lama und dem österreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer.
Freundschaft Harrer wurde im Jahr 1946 Erzieher und schließlich auch Berater des geistlichen Oberhaupts der Tibeter.
Der Dalai Lama – er ist Friedensnobelpreisträger und war bis 2011 Leiter der tibetischen Exilregierung – ist auch deshalb oft in Österreich. Sogenannte Stupas, buddhistische Pagoden, gibt es bereits in mehreren Ländern Europas.

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