Aufregung: An Schule ist nur Deutsch erlaubt

Handyverbot in der Schule, Schüler, Smart Phone, H…
Foto: KURIER/Franz Gruber Auch beim Telefonieren dürfen die Schüler der Vienna Business School in Anwesenheit anderer nur Deutsch sprechen.

Weil die Direktorin einer Mödlinger Privatschule nur "die Amtssprache Deutsch" gestattet, gehen die Wogen hoch.

Für Aufregung sorgt ein Schreiben an die Schüler der „Vienna Business School“ Mödling. Darin hatte Direktorin Marina Röhrenbacher klargestellt, dass im Schulgebäude ausschließlich „die Amtssprache Deutsch“ sowie die „in der Schule unterrichteten Fremdsprachen Englisch/Spanisch/Italienisch/ Französisch im Unterricht“ gestattet seien.

Das gelte selbst für Telefonate: „Sollte ein Schüler/eine Schülerin mit den Eltern nur in einer anderen Sprache kommunizieren können, können diese Telefongespräche nur in einem Bereich der Schule geführt werden, wo sich keine anderen Personen aufhalten, die sich auf irgendeine Art beleidigt fühlen könnten“, steht in dem internen Aushang. Dessen Inhalt kursiert seit Montag auf  Facebook. Zahlreiche User üben massive Kritik.

Hier ein Screenshot des Aushangs an der Schule:   

 

"Rassistisch" findet die Sprachregelung Dora Jandl, Landesvorsitzende der Aktion Kritischer Schüler_innen (AKS) NÖ. „Dass hier versucht wird, Schülerinnen und Schülern vorzuschreiben, in welcher Sprache sie sich unterhalten dürfen, ist ungeheuerlich!“, meint sie und erklärt weiter: „Hier wird bewusste Ausgrenzung betrieben, wenn von Schülerinnen und Schülern verlangt wird, beim Telefonieren mit ihren Eltern ein einsames Platzerl zu suchen.“

Kritik übt man auch bei "SOS Mitmensch". "Das Sprechen-Dürfen oder Nicht-Sprechen-Dürfen der eigenen Familiensprache ist etwas, das die Identität der Schülerinnen und Schüler sehr stark berührt", sagt Sprecher Alexander Pollak. "Hier Zwang auszuüben und das Sprechen bestimmter Familiensprachen als ,Beleidigung' zu bezeichnen, führt dazu, dass sich Menschen zurückgestoßen fühlen. Das genaue Gegenteil sollte aber das Ziel von Schulen sein. Das Thema Sprachen sollte daher im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern behandelt werden."

"Konfliktvermeidung"

Die Leiterin der Mödlinger Privatschule (HAK/HAS) weist den Vorwurf der Diskriminierung vehement zurück. Bei der Weisung handle es sich nicht etwa um ein „Türkisch-Verbot“, wie auf Facebook unter anderem gemutmaßt wird, stellt Röhrenbacher klar.

Hintergrund des Schreibens sei ein „interkultureller Konflikt“ zwischen einem albanischen Schüler und einer mazedonischen Reinigungskraft gewesen. Da die beiden einander in ihrer jeweiligen Muttersprache beschimpft haben sollen und der Streit letztlich auch auf eine türkischstämmige Schülerin übergegriffen habe, habe sie sich zu dem Schritt entschlossen, sagt die Schulleiterin.

Die Weisung sei aber nicht als striktes Verbot zu verstehen, sondern ziele auf Konfliktvermeidung ab - "sie dient der Einhaltung der Höflichkeit." Quasi: Wenn alle Deutsch sprechen, kann niemand unbemerkt über jemand anderen schimpfen. Disziplinäre Konsequenzen bei „Türkischreden am Gang oder am Telefon“ müsse aber niemand befürchten.

"Gelebter interkultureller Austausch"

Beim Schulerhalter - der Fonds der Wiener Kaufmannschaft - spricht man indes von einem Missverständnis. Die sechs Vienna Business Schools stünden in ihrer Tradition und in ihren Werten für Offenheit und gelebten interkulturellen Austausch - quer über alle Kulturen, Nationen und Religionen. Laufend fänden Projektarbeiten zu diesem Themenkreis statt. "Aktuell besuchen Schülerinnen und Schüler aus über 30 Nationen die unterschiedlichen Schulzweige an der VBS. Wir sind stolz darauf, dass das kulturelle Miteinander an unseren Schulen hervorragend funktioniert und von Schülerinnen und Schülern ebenso wie vom Lehrkörper gelebt und hochgehalten wird", heißt es in einer Aussendung.

"Selbstverständlich" sei es im konkreten Fall "nicht darum gegangen, den Dialog in anderen Sprachen zu unterbinden. Wenn dieser Eindruck aus dem Schreiben der Schulleiterin entstanden ist, so möchten wir uns dafür entschuldigen. Die Freiheit, sich auch in anderen Sprachen auszutauschen, ist natürlich an jeder der Vienna Business Schools gegeben. Das Schreiben der Schulleiterin zielte darauf ab, in einem konkreten und kulturell komplexen Konfliktfall daran zu appellieren, dass zur Vermeidung bzw. besseren Auflösung solcher Konflikte die alle Beteiligten verbindende Unterrichtssprache Deutsch gewählt werden soll."

Die Freiheit, sich außerhalb des Unterrichts auch in anderen Sprachen auszutauschen, bleibe an allen Vienna Business Schools gewährleistet.

Das Forum wird wegen Unsachlichkeit vorübergehend gesschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

(Kurier) Erstellt am