One Pound Fish-Man in Heimat gefeiert

PAKISTAN MUSIC
Foto: APA/RAHAT DAR

Dem frisch gebackenen Youtube-Star Muhammed Shahid Nazir wurde in Pakistan ein triumphaler Empfang bereitet.

Der durch einen Song auf dem Londoner Fischmarkt zu Weltruhm gekommene Pakistaner Muhammed Shahid Nazir ist bei seiner Rückkehr in sein Heimatland begeistert gefeiert worden. Hunderte Menschen erwarteten den 31-Jährigen am Donnerstag am Flughafen von Lahore im Osten des Landes. Ebenfalls wartenden Reportern berichtete Nazir, dass er seinen "One Pound Fish Song" nicht etwa bewusst geschrieben habe. Vielmehr sei er ihm in den Kopf geschossen, als sein Chef ihm auf dem Fischmarkt angehalten habe, mehr zu verkaufen. "Ich habe einfach losgesungen."


"Kommen Sie, meine Damen, kommen Sie, ein Fisch ein Pfund," trällerte Nazir auf dem Queens Market im Upton Park im Londoner Osten. "Sehr sehr guter Ein-Pfund-Fisch, sehr sehr billiger Ein-Pfund-Fisch." Nazirs Gesang wurde von Jugendlichen gefilmt und der Clip ins Internet gestellt. Innerhalb weniger Tage wurde der 31-Jährige berühmt. Inzwischen ist Nazir bei Warner Music, einem der größten Plattenlabels der Welt, unter Vertrag.

Die Rückkehr in seine Heimat war indes nicht ganz freiwillig. Die britischen Behörden hatten Nazir ausgewiesen, weil sein Visum abgelaufen war. Der KURIER berichtete.

Exkurs: Klickstars - wie Youtube Karrieren schafft

Justin Bieber: Der 18-jährige Kanadier ist einer der erfolgreichsten Popstars der letzten Jahre. Auch wenn er mittlerweile einen gut dotierten Plattenvertrag mit allen Zwängen und Einschränkungen hat, bekannt wurde er vor fünf Jahren über Youtube.
Seine Mutter stellte Videos seiner Auftritte, unter anderem in einer Kirche, auf die Video-Plattform, um sie ihren Verwandten zu zeigen. Der Musikmanager Scooter Brown stolperte zufällig darüber und zeigte sie R’n’B-Sänger Usher, der Bieber an das Major-Label Island Records vermittelte. Lana del Rey: Ebenfalls zuerst auf Youtube zum Star, wurde Lana del Rey. Nachdem sie vergeblich auf den Durchbruch hoffte, gelang ihr dieser mit ihrem ikonischen Video zu "Blue Jeans" – in dem sie, angeblich eigenhändig, alte Heimvideos aneinanderschnitt. Das Video wurde bis heute 13 Millionen mal geklickt und bescherte der jungen Amerikanerin einen Plattenvertrag bei Universal. Ihre Single Video Games schaffte es auf Platz zwei der österreichischen Charts. Vom Misthaufen nach Baku - die Trackshittaz haben einen weiten Weg hinter sich. Mit "Alloa bam Fraunz" veröffentlichten die beiden vor zwei Jahren eine Coverversion von Stromaes "Alors On Danse", dem Sommerhit des Jahres 2009. Im Video tanzen sie auch vor einem Misthaufen. Noch bevor Lukas Plöchl mit seinem Popo nach Baku wackelte, wurde das Duo also auf Youtube bekannt. Trackshittaz sind nicht die einzigen Österreicher, die Youtube für sich nutzten: Moneyboy hat 21.000 Abonennten, sein Profil auf der Videoplattform wurde 36 Millionen Mal aufgerufen. Ein Riesenwurf im kleinen Österreich. Mit "Dreh den Swag auf" tourt der Wiener momentan sogar durch die Bundesländer. Auch der Ösi-Bua brachte es mit seinem Video zu nationaler Aufmerksamkeit. "Ich ess gern Schweinsbraten, dazu an Leberkas, i trink a Hoibe Bier und schau dabei verdammt guat aus", singt der 22-jährige Cedrick M. alias Ösi Bua mit hämmernden Beats im Hintergrund, stilecht in Lederhose zwischen Kuhstall und Wirtshaus. Rebecca Black ist wahrscheinlich das beste Beispiel für den Youtube-Effekt. Das Video wurde nicht aufgrund seiner Qualität bekannt, sondern wegen der vielen schlechten Bewertungen. Die Kunde von dem 14-jährigen Mädchen aus Orange County, Kalifornien verbreitete sich so schnell, dass das Video zum Selbstläufer wurde – und Rebecca Black zum Star. 31 Millionen Mal wurde das Video bisher aufgerufen - fast 650.000 User gefiel das Video "nicht". "Walk Off The Earth" erlangten Anfang 2012 Berühmtheit. Das Lied "Somebody that I used to know" wurde 107 Millionen Mal aufgerufen. Dabei ist der Song nicht einmal ihr eigener, sondern eine Coverversion des australischen Musikers Gotye. Die Besonderheit liegt aber im Video, in dem alle fünf Bandmitglieder an einer Gitarre zupfen. Mittlerweile tourt die Band, die 2006 gegründet worden war, um die ganze Welt – und kommt am 30. August auch nach Wien. Der "Epic Beard Man" heißt eigentlich Tim Bruso und erlangte auf Youtube traurige Berühmtheit, als er einen schwarzen Jungen zusammenschlug, nachdem die beiden in einem öffentlichen Bus verbal aneinander geraten waren. Verschiedenste Versionen des Videos wurden rund 10 Millionen Mal angesehen, unzählige Videoantworten folgten. Das Video von dem großen Mann mit Bart schlug so große Wellen, dass Hollywood die Geschichte verfilmte. In "Bas Ass" verprügelt Danny Trejo anstatt eines schwarzen Jungen dann aber doch lieber weiße Glatzköpfe mit Bomberjacke. Der Film lief bereits in den USA an, dass er es auch in die heimischen Kinos schaffen wird, ist eher unwahrscheinlich. Alexis Jordan wurde zwar zuerst 2006 durch ihre Teilnahme an der Castingshow "America’s Got Talent" bekannt. Richtig berühmt wurde sie aber erst durch ihre Youtube-Videos. Durch diese wurde schließlich auch Rapper Jay-Z auf die 20-Jährige aufmerksam und nahm sie bei seinem Label Roc-A-Fella Records unter Vertrag. Ihre erste Single "Happiness" schaffte es in Großbritannien auf den dritten Platz. Jemand wie Alexander Marcus kann eigentlich nur über Youtube bekannt werden. Hätte MTV noch die Macht, die es vor wenigen Jahren hatten, wären ihm seine Videos zu schräg, zu übertrieben gewesen. Wäre sein "Hawaii Toast-Song" unkommentiert im Plattenladen gestanden, jeder hätte wohl das Gesicht verzogen. Bei Youtube konnte sich Alexander Marcus als virales Gesamtkunstwerk präsentieren und siehe da: 34 Millionen Klicks für seine deutschsprachigen Lieder – das ist ordentlich. Mittlerweile tourt der 30-jährige Schlagerbarde durch Deutschland und Österreich und hat auch schon seinen ersten Film produziert. Was wäre uns da entgangen. Eine echte Märchengeschichte schrieb Youtube im Fall von Ted Williams. Der Obdachlose mit der goldenen Stimme verdiente sich seinen kargen Lebensunterhalt, indem er an einer Autobahnauffahrt für etwas Kleingeld perfekte Radioansagen machte. Das Video zog eine landesweite Berichterstattung nach sich. Ted Williams trat in unzähligen Talkshows auf, versöhnte sich vor den Kameras mit seiner Mutter und – Happy End – war in zahlreichen Werbespots zu hören.   Alex Day war einer der ersten Videoblogger, der von Youtube leben konnte. Unter dem Künstlernamen Nerimon betreibt er dort einen der beliebtesten Kanäle Großbritanniens. Über eine halbe Million Abonennten sehen sich wöchentlich seine Videos. In seinem meistgesehenen Beitrag erklärt er in drei Minuten die Fernsehserie Lost. Mittlerweile schaffte er es auch in die britischen Charts. Seine Single "Forever Yours" landete dort auf Platz 4. Lana Del Rey, Lukas Plöchl und Justin Bieber sind die drei bekanntesten Beispiele für den Youtube-Effekt.

(apa / kob) Erstellt am
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