Zaha Hadid: Die Meister-Architektin wird 60

Die Bauten von Zaha Hadid sind alles andere als "Normaloarchitektur". Zum 60. Geburtstag widmen wir der Ausnahme-Designerin eine Werkschau.

Schwebende Bänder, verschachtelte Treppenaufgänge und schräge Formen: Die Architektin Zaha Hadid stellt die Regeln der Architektur auf den Kopf und hat sich mit ihren visionären Entwürfen international einen Namen gemacht: Am 31. Oktober feiert sie ihren 60. Geburtstag und zu diesem Anlass haben wir uns ihre faszinierendsten Bauten angesehen. 
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Im Bild: Zaha Hadid bei der Eröffnung des Kunstmuseums MAXXI in Rom im Mai 2010. Auf den Ruhm mußte Zaha lange warten: Zu Beginn konnte die britische Architektin irakischer Herkunft nur wenige Projekte bauen und war mehr bekannt für Gebäude, die nicht realisiert wurden. Seit sie 2004 den rennomierten Pritzker Preis gewann – als erste Frau überhaupt – kann sie sich vor Anfragen kaum retten und ist weltweit tätig. 

Im Bild: Treppenaufgang im Kunstmuseum MAXXI in Rom. Ihre ersten Schritte wurden von deutschen Bauherren ermöglicht. 1994 entstand eine Feuerwache für die Möbelfabrik Vitra in Weil am Rhein, heute befindet sich darin ein Stuhlmuseum. 2005 entstand in Leipzig eine neue Fabrik für den Autohersteller BMW. Im selben Jahr folgte 200 Kilometer weiter nördlich das Phaeno Wissenschaftszentrum in Wolfsburg. Im Mai diesen Jahres wurde das von ihr entworfene Kunstmuseum "MAXXI" in Rom eröffnet - eine beeindruckende Konstruktion aus Zement, Glas und Stahl. Es bietet 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 21.000 Quadratmeter misst der Innenraum des Museums. 1,25 Millionen Arbeitsstunden wurden für den Bau des MAXXI aufgebracht, 150 Millionen Euro investiert. Auch in Österreich haben einige Bauherren die Visionen von Zaha Hadid verwirklicht. 2002 setzte sich die Architektin mit dem Bau der Bergisel-Schanze in Innsbruck (2002) ein imposantes Denkmal. Die 50 Meter hohe Sportstätte ist öffentlich zugängig und beherbergt ein Restaurant und eine Panorama-Aussichtsterrasse. 2005 wurde auf der Wiener Spittelau das Eisenbahnviadukt von Otto Wagner nach ihren Entwürfen überbaut. 2007 folgte die Innsbrucker Nordkettenbahn in Tirol. Die vier Bahnstationen - Congress, Löwenhaus, Alpenzoo und Hungerburg - sind alle unterschiedlich und wurden entsprechend der spezifischen topographischen Situation gestaltet. Seit ihrer Inbetriebnahme konnte die Hungerburgbahn eine Reihe international bedeutender Architekturpreise gewinnen. Verläuft alles nach Plan, soll dieser Entwurf 2013 fertiggestellt sein: Die Bibliothek am neuen Campus der Wirtschaftsuniversität Wien. In der Manchester Art Gallery hat Zaha Hadid für die Aufführung von Solowerken von Bach einen temporären Konzertsaal in Form eines Kokons entworfen. Im Inneren schlängeln sich weiße Stoffbahnen durch den schwarz verkleideten Raum und ergeben eine faszinierende Optik. Das Rosenthal Center for Contemporary Art in Cincinnati war eines der ersten Gebäude in den USA, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigten. 2003 wurde der Neubau nach Plänen von Zaha Hadid fertiggestellt - die New York Times bezeichnete es als den wichtigsten Neubau in Amerika seit dem Kalten Krieg. 2009 sollte zu Ehren des Burnham Plans, dem Masterplan der Stadt Chicago von Daniel Burnham, der berühmte Jay Pritzker Pavilion von Frank Gehry Nachbarschaft bekommen. Zaha Hadid designte einen temporären Pavillion für den Millenium Parc der Chicagoer Innenstadt. Das ovale Bauwerk mit den ellipsenartigen Einschnitte kann sich durchaus sehen lassen. Hadid ist eine Allrounderin: Sie entwirft Bahnhöfe, Flugzeug- und Hafenterminale, Wohnhäuser und Opern, Schulen, Sporthallen, Bühnenbilder - 1999 für die World Tour der Pet Shop Boys - und versucht sich auch als Stadtplanerin u.a. in Singapur oder Italien. 

Im Bild: Das Opernhaus in China. Spät aber doch schlägt sich ihr Erfolg im Ausland nun auch in ihrer Heimat Großbritannien nieder (die Times nannte sie "Englands bestgehasste Architektin"): Soeben wurde im Londoner Stadtteil Brixton das Gymnasium "Evelyn Grace Academy" fertiggestellt und eröffnet. Blickfang des Komplexes ist die 100 Meter lange, rot leuchtende Laufbahn, die sich unter dem Gebäude durchschlängelt. Neben dem noch in Bau befindlichen Transportmuseum in Glasgow entsteht ist ein weiteres Projekt in Großbritannien geplant: Für die Londoner Olympischen Sommerspiele 2012 baut Zaha Hadid eine Schwimmhalle. Architektonisches Augenmerk liegt auf dem 160 Meter langem Dach in Form einer Welle. Geplante Fertigstellung ist Herbst 2011. Gebaut werden zwei 50-Meter-Becken und ein 25-Meter-Sprungbecken. Nach den Olympischen Spielen soll die Halle für Vereine und Schulen öffentlich zugänglich sein. Die 1950 in der irakischen Hauptstadt Bagdad geborene Architektin arbeitet auch als Designerin, z.B. für Alessi, Swarovski, Dupont, Alessi oder Established & Sons. Im 

Im Bild: Das emissionsfreie City-Auto "Z-Car" 2007 gestaltet sie für Vitra den Tisch Mesa. Zur Person
Auch wenn der Ruhm lange auf sich warten ließ - heute ist Zaha Hadid ein Star. Zunächst studierte sie Mathematik in Beirut. Von 1972-77 belegte sie Architektur an der angesehenen School of Architecture in London. 1982 gelang ihr beim Wettbewerb um The Peak in Hongkong der internationale Durchbruch, 2004 wurde ihr der angesehendste Architekturpreis - der Pritzker Preis - verliehen. BUCHTIPP 

Einen umfassenden Überblick von den frühen Entwürfen bis zu den aktuellen Projekten liefert der Bildband "Zaha Hadid. Bauten, Projekte, Design."

Zaha Hadid - Bauten, Projekte, Design. Erschienen im DVA Verlag, € 49,95.
(kurier) Erstellt am
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