Wohnen
26.10.2017

Wo bleibt das Revival?

Ist das Terrassenhaus ein Wiener Fetisch? Dieser Frage geht das "SammlungsLab", eine neue Ausstellungsreihe des Architekturzentrum Wien, nach.

Eigentlich geht das moderne Terrassenhaus auf die Medizin zurück: Der Berliner Arzt David Sarason hat es zu Beginn des 20. Jahrhunderts als "Freilufthaus" entwickelt. Erst später wurde die Heilstätte für den Wohnbau adaptiert.

Unabhängig davon entwickelten Henri Suavage in Paris und Adolf Loos in Wien um 1913 erste Terrassenhäuser zum Wohnen. Viele weitere Bauwerke sollten folgen – aber das wohl bekannteste ist der Wohnpark in Alt Erlaa von Harry Glück, der sich dank großer Nähe zur Natur und vieler Freizeitmöglichkeiten durch eine besonders hohe Wohn- und Lebensqualität auszeichnet. Was also fehlt für ein Revival? Antworten sucht das neue Ausstellungsformat "SammlungsLab", das künftig ein- bis zweimal jährlich dem architektonischen Erbe Österreichs nachspüren will.

Um das herauszufinden, begab sich Kurator Lorenzo de Chiffre von der TU Wien in die Archive des Az W und förderte spannendes Originalmaterial zu dem städtischen Wohnkonzept zu Tage. Aktuelle und historische Projekte werden entlang von fünf Kapiteln (Stadt, Vorbilder, Typus, Gemeinschaft und Kritik) beleuchtet. Den Mittelpunkt bilden großformatige Gipsmodelle von Wiener Terrassenhäusern: So wird etwa der Winarsky-Hof von Adolf Loos aus dem Jahr 1923 dem Aspern Housing Block von Atelier Kempe Thill aus dem Jahr 2015 gegenübergestellt.

Zur Ausstellung

Das erste „ SammlungsLab“ untersucht den Typus des Terrassenhauses: Im Hinblick auf das heutige Baugeschehen stellt sich die Frage, warum das Konzept bisher kein Revival erlebt – obwohl die Wohnzufriedenheit nachweislich sehr hoch ist. Kuratiert und gestaltet von Lorenzo De Chiffre, TU Wien in Zusammenarbeit mit Monika Platzer vom Az W. Bis 8. Jänner 2018, täglich von 10 bis 19 Uhr. Architekturzentrum Wien – Galerie, Museumsplatz 1, 1070 Wien

www.azw.at