© Atelier Thomas Pucher

Stadtentwicklung
12/26/2014

Urbane Zukunft

Unsere Städte wachsen rasant – und mit ihnen die Wohnungsnot. Wege aus der Krise diskutierten Experten bei der Urban Future Conference in Graz.

von Claudia Elmer

Weniger Emissionen, mehr Lebensqualität – so wollen wir in Zukunft wohnen. Doch in Städten fehlt leistbarer und qualitätsvoller Lebensraum. Aktuelle Prognosen der Vereinten Nationen machen deutlich: Bis zum Jahr 2050 werden knapp zehn Milliarden Menschen die Welt bevölkern – das sind 2,5 Milliarden mehr als heute. Drei Viertel davon werden in urbanen Zentren leben.

Eine Entwicklung, die auch vor Österreich nicht halt macht. In Wien etwa zählt man jährlich rund 25.000 Zuzügler. Bis zum Jahr 2025 wird es 270.000 Bewohner mehr geben – ein Zuwachs in der Größenordnung der momentanen Einwohnerzahl von Graz. Die Hauptstadt wird also in den nächsten zehn Jahren rund 120.000 neue Wohnungen brauchen. Welche Versuche unternommen werden, diese Herausforderung zu lösen, diskutierten Experten bei der Urban Future Global Conference, einer internationalen Konferenz für nachhaltige Stadtentwicklung in Graz. Zwei Projekte kann der Gastgeber selbst vorzeigen: Im Westen von Graz, auf dem 54 Hektar großen Reininghaus Areal, soll in den nächsten 15 Jahren ein neuer Bezirk mit Wohnraum für rund 10.000 Menschen entstehen. Und auf dem Areal "Waagner-Biro-Straße" nordwestlich der Grazer Innenstadt wird ein emissionsarmer Stadtteil für rund 2000 Menschen gebaut.

Eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas befindet sich in Wien – die Seestadt Aspern, die im Norden der Metropole gebaut wird. Auf einer Fläche von 240 Hektar (das entspricht zirka 340 Fußballfeldern) entstehen Neubauten und Arbeitsplätze für mehr als 20.000 Menschen. Die ersten Pioniere haben ihre Wohnungen bereits bezogen, bis 2016 sollen weitere 2600 Einheiten und 2000 Arbeitsplätze fertig sein.
Ähnliche Überlegungen stellt man auch im Ausland an. Vor allem Kopenhagen ist hier Vorreiter: Die dänische City gilt als Vorzeigestadt für ambitionierten Umweltschutz und eine nachhaltige Energieversorgung. Außerdem gilt sie derzeit als die Fahrrad-Hauptstadt Europas, 55 Prozent der Einwohner treten täglich in die Pedale. Zudem wollen die Dänen bis 2025 klimaneutral werden. Ambitionierte Ziele hat sich das schwedische Malmö gesetzt. Die Stadt will im Jahr 2020 CO2-neutral sein und bis 2030 die gesamte Region zu hundert Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen. Zudem hat Malmö mit dem Aufbau des CO2-neutralen Viertels "Västra hamnen" einen Meilenstein im angewandten Klimaschutz gesetzt und mit ansprechender Architektur verbunden.
Ein Blick nach London zeigt, dass Stadtentwicklung auch den Verkehr betrifft. Ex-Bürgermeister Ken Livingstone führte im Jahr 2003 eine City-Maut ein und verbannte alle Autofahrer, die keine Gebühr entrichten wollen, aus dem Zentrum. Das Ergebnis? Der Verkehr ging um 40 Prozent zurück – und kurbelte das Weiterdenken an. Der Stadtteil "Soho" soll etwa für Fußgänger und Radfahrer verbessert und "Strand East" ganz autofrei werden.
Wohnraum, Verkehr, Energie: Eine nachhaltige Zukunft bedeutet Veränderung auf vielen Ebenen. Das zeigt auch "Morgenstadt", ein Zukunftsmodell des Fraunhofer Instituts. Es zeichnet ein Szenario für eine Stadt, die ihre Energie aus regenerativen Quellen bezieht, die kaum noch Kohlendioxid freisetzt und in der Elektroautos leise durch die Straßen surren.

Ein Praxis-Beispiel dafür findet man in Frankfurt: Das "Aktiv-Stadthaus Speicherstraße", eines der weltweit innovativsten Öko-Wohngebäude, produziert über Dach und Fassade mehr Strom als es verbraucht. Die Wohnungen werden "warm" vermietet, jedem Bewohner steht ein Stromkontingent zur Verfügung und auf einem Tablet wird der aktuelle Verbrauch minutiös dargestellt. Jede Kilowattstunde, die mehr verbraucht wird, muss extra bezahlt werden. So können Bewohner ihren Stromverbrauch selbst regulieren – neben vielen anderen Maßnahmen ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Zukunft.
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