Um 360 Grad: Museum mit Panoramablicken

Foto: apa

Panoramablicke sind selten. Ein neues Museum liefert gleich zwei: Zum einen über das Inntal. Zum anderen über ein 1000 Quadratmeter großes Gemälde.

In der Regel reichen ein paar Nägel und eine freie Wand, um ein Bild zu montieren. Nicht so beim Riesenrundgemälde in Tirol. Das Bild des Malers Zeno Diener zeigt in einer 360-Grad-Sicht den Tiroler Freiheitskampf von 1809. Auf einer 1000 Quadratmeter großen Leinwand. In diesem Fall reicht keine herkömmliche Wand - es musste ein Ort entstehen, an dem das Bild in voller Größe Platz findet. Gebaut wurde das Museum "Das Tirol Panorama" auf dem Innsbrucker Bergisel, das unterirdisch mit dem schon lange bestehenden "Kaiserjägermuseum" verbunden ist. Entworfen wurde der flache Neubau von den ortsansässigen stoll.wagner architekten.

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Zu den Vorgaben zählte, das Gemälde aus dem Jahr 1896 nach einer Sanierung von der Rotunde in Innsbruck auf den Bergisel zu übersiedeln und eine entsprechende Präsentationsfläche zu schaffen. "Das große Volumen des Gemäldes war bei der Planung eine der größten Herausforderungen", erzählt Reinhard Wagner. "Außerdem spielte die besondere Lage an der Hangkante eine Rolle", so der Architekt. Das Eingangsgeschoß ragt über die Sillschlucht und kragt weit über diese aus. Der dominante Zylinder für das Panoramabild wurde in einer Geländemulde zur Schlucht hin abgesenkt. Als Gebäudesockel verweist der Rundbau auf seinen Inhalt. Auch bei Nacht ist der neue Platz zu erkennen: Ein im Dach integrierter Glasring wird von innen beleuchtet und macht den
Standort von außen sichtbar.

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Die Hauptattraktion des Baus wird über das zweite Untergeschoß erschlossen. Über einen Trakt, in dem die Dauerausstellung "Schauplatz Tirol" beheimatet ist, sind der darüberliegende Zwischenstock und das Kaiserjägermuseum verbunden.

Fingerspitzengefühl mussten die Architekten auch bei der Außenraumgestaltung beweisen: "Es galt, einen Bezug zum Naturraum und einen respektvollen Dialog zum Bestand zu schaffen", so Wagner. Der Neubau wurde vom historischen Gebäude abgerückt, sodass ein großzügiger, parkartiger Vorplatz entstand.

Gleich an das Vordach schließt das Restaurant an. Dort wird nicht nur der Gaumen verwöhnt, sondern auch das Auge: Durch große Glasfronten eröffnet sich ein Panoramablick über Innsbruck und die umliegenden Bergkulisse.

stoll.wagner Architekten

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Der gebürtige Innsbrucker Philipp Stoll und der aus Oberösterreich stammende Reinhard Wagner haben beide an der Universität Innsbruck Architektur studiert. Die Bürogründung erfolgte 2004. Das Duo hat bereits an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen und Bauprojekte vor allem in Tirol realisiert. Zurzeit arbeitet das Team an der Umgestaltung des Hauptbahnhofs Reutte oder an der Erweiterung des Rathauses Matrei am Brenner.

www.stoll-wagner.at

(KURIER) Erstellt am
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