Star-Architekt Daniel Libeskind wird 65

Mit dem jüdischen Museum in Berlin erlangte Daniel Libeskind Weltruhm. Zum 65. Geburtstag zeigen wir seine besten Werke.

Der Philosoph unter den Architekten feiert Geburtstag: Daniel Libeskind wird 65. Seine Ideen sind kühn, reich an Symbolik und Emotionen. 

"Man kann als Musiker melancholisch sein und in Moll komponieren, sich als Schriftsteller in tragischen Aspekten ergehen und als Filmemacher von Verzweiflung hinreißen lassen. Aber man kann als Architekt kein Pessimist sein" - so lautet seine Philosophie. Wie der ewige Optimist diese Worte in die Tat umsetzt zeigen wir auf den folgenden Bildern - klicken Sie sich durch seine verblüffenden Bauwerke!

Im Bild: Daniel Libeskind vor einem seiner ersten Bauwerke: Das Felix Nußbaum-Haus, jüdisches Museum in Osnabrück, wurde 1998 fertig gestellt.  Nicht per Zufall entwirft Libeskind, eine kleine, drahtige Figur mit Elton-John-Brille, mit Vorliebe jüdische Museen: Bald nach dem Holocaust in einem jüdischen Getto im polnischen Lodz geboren, versorgte der kleine Daniel die Gräber der ums Leben gekommenen Verwandten und Familienfreunde. Die traumatische Erfahrung prädestinierte ihn, Denkmäler des Holocausts zu entwerfen. Berühmtestes Aushängeschild ist das Jüdische Museum in Berlin, das von oben betrachtet einem einem geborstenen Davidstern gleicht. Im Inneren des spektakulären Zickzack-Bau treffen sich drei Achsen, wovon eine aus dem Gebäude in den Garten des Exils führt (im Bild). Mit dem Bau begründete der Spätzünder 2001 seinen Weltruhm. 2008 folgte eine Erweiterung: Mit einem spektakulären Glasdach schuf der amerikanische Architekt im Innenhof des Museums einen 700 Quadratmeter großen, überdachten Raum. Im Inneren sorgen Glasstreifen und Lichtbänder, die sich willkürlich durch die verwinkelten Gänge ziehen, für Orientierungslosigkeit und irritieren den Besucher. Die mit Zinkblech überzogene Figur ist das größte jüdische Museum in Europa und liegt in Berlin Kreuzberg, im historischen Stadtteil Friedrichstadt. Das Museum wurde 1999 eröffnet, Libeskind erhielt dafür den deutschen Architekturpreis. Seitdem empfiehlt sich der amerikanische Architekt als erstklassiger Baumeister für jüdische Museen und seine Handschrift ist unverkennbar: Ein zackiges Rechteck, leicht gekippt, ist seit 2008 das Aushängeschild des Jüdischen Museums in San Francisco. Über 3.000 tiefblaue Platten hüllen die zwei Stockwerke hohe Form mit 36 schrägen Fenstern ein. Libeskind hatte die Vorgabe, ein still gelegtes Elektrizitätswerk aus dem Jahr 1907 mit roter Ziegelsteinfassade und hellen Terrakottaverzierungen als Museum umzubauen. Kurze Zeit später konnte Libeskind auch in Dänemark ein jüdisches Museum eröffnen: Das "Dansk Jødisk Museum" in Kopenhagen ist im ehemaligen Bootshaus von König Christian IV untergebracht. Trotz der Denkmalwürdigkeit des altehrwürdigen Backsteingebäudes durfte Libeskind das Innenleben neu gestalten. Entstanden ist ein Meisterwerk, wie man es nicht anders erwartet hätte: abgewinkelte Wände, zackige Lichtbänder und glühende Vitrinen. Auch im kanadischen Toronto erfreut man sich seit einigen Jahren an einem Libeskind-Bau: Der Zubau zum Royal Ontario Museum (ROM), das eine völkerkundliche Sammlung beherbergt, wurde 2007 eröffnet. Fünf riesige Formen aus Glas und Aluminium, die an einen Kristall erinnern, ragen über das bisherige Gebäude im klassisch-viktorianischen Stil. Speziell angefertigt wurden die "Chrystal Seats", prismenartige Sitzmöbel aus Stahl. Auch in der Schweiz hat sich Libeskind verewigt: Dort hat er der Hauptstadt Bern mit dem Freizeit- und Einkaufszentrum "Westside" seinen Stempel aufgedrückt. Das neue Eingangstor zur Stadt liegt über der Autobahn A1 und verfügt über eine direkte Anbindung an die S-Bahn und das Transportnetzwerk "Bernmobil". Es ist Bestandteil eines völlig neuen Stadtteils, der ungefähr 800 neugebauten Wohnungen zählt und Wohnraum für knapp 3000 Menschen bietet. Westside Bern soll mehrere Zwecke erfüllen: Zusätzlich zu den 55 Geschäften und 10 Restaurants bietet das Gebäude Bars, ein Hotel, ein Multiplex-Kino, ... ...  ein Erlebnisbad mit Wellness- und Fitnessbereichen sowie eine Seniorenresidenz. Einkaufen, Wohnen und Unterhaltung werden so neu definiert. 2010 konnte Libeskind ein Theater in Dublin eröffnen: Das "Grand Canal Square Theatre and Commercial Development" bildet ein imposantes Tor zum Hafen. Außerdem beherbergt der Gebäudekomplex auch Büro- und Geschäftsräume. Weiters zählen das Kriegsmuseum im Hafengelände von Manchester (im Bild) und ... ...  das Kunstmuseum in Denver zu den bekanntesten Gebäuden. Der Zubau mit dem markanten Spitz, das sogenannte Hamilton Building, entstand von 2003 bis 2006 unter Leitung von Daniel Libeskind. Nicht unerwähnt darf der Universitätsbau in Israel bleiben. Mit dem "Wohl Center" beweist Tel Aviv, dass man Wert auf qualitative Architektur legt. Das Auditorium bildet den Nord-Campus der religiösen Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan, einem Vorort der Metropole. Übersehen kann man den Bau jedenfalls nicht: Seit der Eröffnung im Jahr 2005 strahlt das Gebäude mit der Sonne um die Wette. Die Fassade ist mit goldenen Metallstreifen überzogen und schimmert schon von Weitem. Durchbrochen wird das Gesamtkunstwerk von gezackten Fensterbändern. Einen kleineren Maßstab legt der New Yorker erst seit Kurzem an: Die extravagante "Villa Libeskind" ist das erste Wohnhaus, das der Architekt entworfen hat. Die Design-Villa wird in Serie produziert und soll weltweit vertrieben werden. Optisch erinnert das Haus an einen Kristall, der aus dem Boden wächst. Im Grunde ist die Villa für jeden zu haben - sofern man sich für spitze Winkel und schräge Wände begeistern kann. Allerdings will man in einer limitierten Auflage produzieren, um nicht zum Massenprodukt zu verkommen. Nur 30 Stück soll es weltweit geben. Besichtigen kann man den Prototyp in der deutschen Ortschaft Datteln. Daniel Libeskind, 1946 in Polen geboren, gehört zweifelsohne zu den gefragtesten Architekten der Welt. Im Februar 2003 gewann er den Wettbewerb um den Wiederaufbau des durch Terroranschläge zerstörten World Trade Centers. In der Pipeline hat der kreative Geist außerdem Dutzende weitere Projekte: eine Synagoge in München, ein Hotel in Kopenhagen, den Kö-Bogen in Düsseldorf, ein Wohn- und Bürohaus in Mailand und weitere Bauten in Singapur, Korea und Warschau. Nur Aufträge aus Peking lehnt er wegen der Menschenrechtsverletzungen ein um das andere Mal ab.
(KURIER.at / Claudia Elmer, apa) Erstellt am
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