Standhafte Dominanz: Metall ist im Vormarsch

Metall verleiht Gebäuden Ausdruck und Stärke. Vier Beispiele zeigen, wie gut sich Aluminium, Kupfer oder Zink für den Hausbau eignen.

Der Eiffelturm, die großen Bahnhofshallen des 19. Jahrhunderts oder die ersten Wolkenkratzer in Amerika würden wohl nicht mehr existieren, wären sie aus Holz. Stahl spielt im Bauwesen immer schon eine tragende Rolle. Bis heute wird Metall zur Konstruktion und Fassadenverkleidung eingesetzt, vor allem bei öffentlichen und industriellen Gebäuden wie Parkhäusern, Schiffsstationen, Fabrikshallen oder Fußballstadien.

Im Bild: Das Haus Reh. Der Entwurf wurde auf Stützen konzipiert. Darunter befinden sich Stellplätze für mehrere Fahrzeuge. Die 150 Quadratmeter große Wohnfläche liegt im Obergeschoß und ist außen mit einer Aluminium-Oberfläche verkleidet. www.architektur-werkstatt.at Seltener anzutreffen ist das Material bei privaten Bauten, wobei die Idee nicht neu ist: Sie wurde schon Mitte der 1920er-Jahre von Architekten aufgegriffen. Trotzdem sind Hüllen aus Metall bis heute außergewöhnlich. Holz, Beton oder Ziegel prägen das Erscheinungsbild vieler Einfamilienhäuser. Dagegen sind Fassaden aus Kupfer oder Aluminium die Ausnahme. 

Im Bild: Die umlaufende Steinmauer steht im Kontrast zur Metallfassade. Sie besteht aus den Steinen einer alten Scheune, die einst auf dem Grundstück stand. Darunter befindet sich ein 400 Jahre altes Gewölbe, welches als Freizeitraum genutzt wird Die landläufige Vorstellung, wie ein Haus auszusehen hat, steht der architektonischen Umsetzung oft im Weg, wie Thomas Lechner vom Büro LP Architekten erklärt: "Bei Metall denkt man in erster Linie an Fabriken und Lagerhallen. Andere Baustoffe wie Holz oder Beton werden eher mit dem Thema Wohnen assoziiert." Auch Michael Haderer kennt diese Problematik und die Gründe: "Viele Bauherren wählen eine verputzte Fassade, weil sie günstiger ist. Lieber investiert man mehr in die Einrichtung. Außerdem fehlt es an Wissen und Vorstellungskraft, auf welch vielfältige Weise Metalle auch bei privaten Häusern zum Einsatz kommen können." Der Planer vom Büro Architekturwerkstatt Haderer hat dazu auch ein Beispiel parat: Ein Einfamilienhaus, das am höchsten Punkt im oberösterreichischen Wartberg thront. Ein mit Aluminium verkleidetes "Nadelöhr" inmitten der ländlichen Umgebung ist eine Gratwanderung: "Man weiß nicht, wie ein solcher Bau von der Bevölkerung angenommen wird", erklärt er. Aus bautechnischer Sicht war eine vorgesetzte Fassade notwendig. "Das Haus besteht aus Holz, Ziegel und Beton. Wegen der Statik und um Risse zu vermeiden, musste ein hinterlüftetes System eingesetzt werden. Wir haben Aluverbundplatten mit einem Kunststoffkern in der Mitte verwendet. Die sind zum einen frei formbar und leicht zu fräsen. Zum anderen sind sie sehr stabil und damit besser geeignet als normale Aluplatten, die dazu neigen, sich zu wellen", weiß Haderer. Eine Reminiszenz an das Schloss Schönbrunn und den damaligen Prunk will das Einfamilienhaus in der Wiener Gloriettegasse sein. Der Eingangsbereich ist mit dunklem Eternit verkleidet. Im Erdgeschoß befindet sich eine verglaste Wohnebene, die für das Gemeinschaftsleben gedacht ist. Im goldenen Kubus darüber sind die Schlafzimmer der Kinder und Eltern untergebracht.

Im Bild: HAUS SI+. Das Projekt wurde von AllesWirdGut in Arbeitsgemeinschaft mit Rainer Pirker und werkraum_wien realisiert. Der massive Überbau aus eloxiertem Aluminium besticht im Inneren durch verschiedene Raumhöhen. www.alleswirdgut.cc Der Entwurf ist fast zehn Jahre alt, doch die Ausdrucksstärke der Fassade ist unverändert: "Wenn ich heute daran vorbeispaziere, sieht es immer noch wie neu aus. Der Kubus glänzt und weist keinerlei Alterserscheinungen auf. Der Körper, der über dem Garten hängt, ist dazu gedacht, dass er immer clean bleibt", sagt Projektleiter Friedrich Passler vom Architekturbüro AllesWirdGut. Das liegt vor allem an dem goldeloxierten Aluminiumblech, das hochwertig und pflegefrei ist. Dennoch sollte sich der Bau mit der Zeit verändern: "Wir haben bewusst Materialien eingesetzt, die altern, wie etwa das Holz der Terrasse, den Sichtbeton oder das Eternit." Patina ist ein bewusstes Gestaltungselement, wie ein Umbau im 23. Wiener Gemeindebezirk zeigt. Das Einfamilienhaus wurde von zwei nicht verwandten Parteien bewohnt. Die obere Wohnung war nur über eine Stiege durch die Erdgeschoßwohnung zugänglich. Der Wunsch, beide Bereiche voneinander zu trennen und einen separaten Zugang zu schaffen, lag nahe. Die Bewohnerin der unteren Wohnung träumte außerdem von einem Wintergarten. Der entstandene Zubau vereint beide Anforderungen: Die Familie im ersten Stock hat eine eigene Stiege bekommen und der untere Wohnbereich wurde vergrößert. Im vorstehenden Zubau liegt nun das Schlafzimmer, darunter befindet sich eine Terrasse. Bei der Wahl des Materials hat man sich für einen Holzbau mit innen liegender Dämmung und außen liegender Kupferverkleidung entschieden. "Man wollte keine Holz- oder Verputzfassade, weil diese aufwendig zu pflegen ist. Kupfer hingegen ist lange haltbar und altert schön. Zu Beginn reflektiert es stark, aber nach rund einem halben Jahr wird es dunkler und verfärbt sich grünlich", erklärt Michael Neumann vom Büro SYNN Architekten. 

Im Bild: HAUS MO.NA. Das Haus aus den 1940er-Jahren wird von zwei Parteien bewohnt, die sich einen Eingang teilen mussten. Eine außen liegende Stiege und ein Wintergarten wurden errichtet. Die Fassade ist in Kupfer gehüllt. www.synn.at, www.urban-architektur.at Legierungen oder Edelmetalle für Fassaden und Dächer nützt auch das Büro Syntax-Architektur. "Die Oberflächen sind durch die Bildung einer Patina lebendig, altern würdevoll und werden mit der Zeit sogar edler", erklärt Architekt Michael Barth. Im Zuge einer Fassadenrenovierung hat er die in den Garten reichende Veranda eines Wiener Stadthauses mit einer kleinteiligen Rautenfassade aus Zink versehen. 

Im Bild: STADTHAUS M. Im Zuge der Sanierung eines Wiener Zinshauses wurde die Veranda umgebaut. In Anlehnung an einen historischen Erker auf der Straßenseite wurde die Fassade mit kleinen Spitzrauten aus Zink verkleidet. www.syntax-architektur.at Ob Aluminium, Kupfer oder Zink – die Beispiele zeigen, dass sich das vermeintlich kalte Material nicht nur für öffentliche Zweckbauten eignet. Metalle verleihen Einfamilienhäusern einen kraftvollen Ausdruck. Obwohl sie eher die Ausnahme sind, stellen sie eine interessante, pflegeleichte und überaus langlebige Alternative dar. Die Entscheidung dazu fordert allerdings den Mut heimischer Bauherren heraus. Michael Haderer vom Büro Architekturwerkstatt über die Vorteile beim Bauen mit Aluminium und Stahl

KURIER: Das Haus REH ist ein flacher, lang gestreckter Bau und in seinem Erscheinungsbild untypisch für die ländliche Umgebung. Welchen gestalterischen Anspruch hatten Sie an den Entwurf?

Haderer: Das Ziel war, ein monolithisches Gesamtbild zu schaffen. Zudem war uns die Farbwahl wichtig: Wir wollten keinen kühlen, sondern einen warmen Ton verwenden und haben uns für ein weiches, glänzendes Grau mit Metallic-Effekt entschieden, das bei Sonnenuntergang leicht golden schimmert. Ein Großteil des Obergeschoßes ist nur auf Stützen gelagert. Wie schwierig war die Umsetzung einer solchen Konstruktion?

Der Bau sollte hinten schwerer sein und nach vorne hin leichter werden. Darum wurden die Wände der Garage nicht bis nach oben gemauert. Das Lichtband zwischen den Stellplätzen und dem Obergeschoß soll die Leichtigkeit des oberen Teils und den schwebenden Charakter unterstreichen.

Aufgrund der Statik haben Sie eine hinterlüftete Fassade eingesetzt. Welche Vorteile weist diese Bauweise auf?

Durch den Abstand zwischen Mauer und Fassade ist das Haus sehr gut gegen sommerliche Hitze geschützt. Zum anderen erhält man einen besseren Schallschutz. Sie haben bereits mehrere Bauten realisiert, bei denen Metall zum Einsatz kam. Was fasziniert Sie an diesem Material?

Aluverbundmaterial setze ich gerne ein, weil es frei formbar ist, und Details wie Fensterbänke bündig bewerkstelligt werden können. Die Oberflächen von Metallen sind für mich generell spannender als etwa ein grobkörniger Putz, da sich glatte, schlichte Fassaden mit nahezu nahtlosen Fugen realisieren lassen, und so Gebäude im Zeitgeist entstehen.

Rost ist überall dort, wo auch Metall ist. Welche Rolle spielt dieses Thema bei der Auswahl des Fassadenmaterials?

Aluminium rostet nicht, andere Arten von Metallen schon. Eine Stahlblechfassade etwa muss durch Verzinken oder eine Lackierung geschützt werden. Cortenstahl wiederum lässt man bewusst rosten, wodurch er eine Schutzpatina aufbaut – der Rost dient quasi als Rostschutz.
(KURIER) Erstellt am
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