Wohnen
23.08.2017

Sonnenplatz mit Seeblick im Burgenland

Wo nahe Jois am Neusiedler See der Schilfgürtel beginnt, entstand in einer Siedlung direkt am Ufer ein Garten, der sich perfekt in die Landschaft einfügt.

Auf exotische Pflanzen verzichteten Sigi Fuchs und Thomas Neubert bei der Gestaltung des Grundstücks bei Jois im Burgenland bewusst. Stattdessen setzten die Wiener Gartenplaner auf das, was die Region hergibt. Bei der Auswahl der Pflanzen kam es darauf an, dass sie mit der Sonne und der weitgehenden Trockenheit der Gegend zurechtkommen. Gleichzeitig sorgt der hohe Grundwasserspiegel für gutes Wachstum.

Für den Rasen, der inmitten des 230 Quadratmeter großen Gartens angelegt wurde, musste dennoch eine Bewässerungsanlage installiert werden. Rund um das Grün haben die Planer mehrere Bereiche definiert und verschieden lange Beete angelegt. Wie alle Gestaltungselemente spiegeln diese die Landschaft rund um den See wieder, hier mit einer sehr streifigen Struktur.

Natur Pur

Bepflanzt wurde die Fläche zwischen Haus und Wasser unter anderem mit Sträuchern, Gräsern und wildem Wein. Die Reben, vor allem in der Nähe des Vordaches, geben das typische Bild der Weinanbaugegend wieder und werden durch die großen Fenster auch ins Haus geholt. Rosmarinweiden sorgen gemeinsam mit den weiß blühenden Glyzinien dafür, dass das Grundstück zum Mittelweg hin abgegrenzt wird. Während die meisten Menschen beim Begriff Sichtschutz an klassische, streng angeordnete Hecken denken, wollten Neubert und Fuchs genau das nicht. Um eine dezente und lockere, aber dennoch effektive Abgrenzung zu schaffen, pflanzten sie die Rosmarinweiden versetzt aneinander.

Keinen Sichtschutz wollten die Auftraggeber dagegen zum Nachbargrundstück – im Gegenteil. Als Herzstück verbindet ein eigens angefertigter Tisch ihren mit dem angrenzenden Garten. Die große, rechteckige Sandsteinplatte liegt auf in Cremeweiß, Rot und Grün gehaltenen Stahlstäben, die einen Bezug zum Schilfgürtel herstellen. Für das Landschaftsarchitekten-Duo sind Möbel als Teil der Gestaltung sehr wichtig, erzählt Fuchs, auch der Tisch sollte daher perfekt mit dem Umfeld harmonieren.Einen Bezug zur Region stellten die beiden auch am Wasser her, indem sie das Schilf ebenfalls in die Gartenarchitektur miteinbezogen. Während andere damit beschäftigt waren, die Pflanzen entlang des Ufers zu bekämpfen, integrierten Neubert und Fuchs sie in das Gesamtbild.

Zwar durchbrechen Sandsteinplatten den Schilfgürtel an einer Stelle, um den Einstieg ins Wasser zu erleichtern. Doch links und rechts davon darf wachsen, was am See nun einmal wächst. So gibt es Bereiche, in denen kein Schilf aufkommt, und solche, in denen es wuchern darf. Dazwischen ragen Röhrichtpflanzen mit ihren typischen braunen, länglichen Spitzen aus dem Wasser. Entlang des Ufers gepflanzt, vermischen sie sich mit dem Schilf und bieten nicht zuletzt verschiedenen Vogelarten einen Rückzugsort.

In Wassernähe wachsen außerdem vor allem Sumpfschwertlilien, am Land Sibirische Schwertlilien. Ausgehend vom Gartenzaun verschmelzen hohe Stauden und Gräser mit der Uferbepflanzung. So können die Bewohner ein immer neues Spektakel beobachten: die farbenfrohen Blüten der Lilien und des Blutweiderichs in der wärmeren Jahreszeit, im Herbst die in goldenes Sonnenlicht getauchten Brauntöne von Schilf, Stauden und Gräsern sowie die bunten Farben der Weinreben.

Nahe des ausgehobenen Hafenbeckens lässt es sich im ansonsten eher flachen Neusiedler See gut schwimmen. Weil er jedoch sehr schlammig ist, wurde auf der aufgeschütteten Kiesfläche beim Ein- und Ausstieg eine Dusche aus einem gebogenen Rohr gebaut, die sich durch ihre dezente Optik ebenfalls kaum von der Landschaft abhebt. Und durch die punktuelle Beleuchtung zwischen den Stauden bietet der kleine Badebereich auch Nachts ein schönes Bild.