Wohnen
15.02.2018

Skandinavische Welle

Funktionalität, Schlichtheit und natürliche Materialien: Skandinavisches Wohndesign erfreut sich großer Beliebtheit.

Seit Kurzem ist Graz um ein hübsches Geschäft reicher. Der dänische Möbelhändler Bolia, der erst im Herbst in Wien aufsperrte, eröffnet einen Shop in der Murgasse. Sofas, Esstische und Lampen werden dort feilgeboten – alles in einer schlichten, aber handwerklich präzise gefertigten Art.

Die Möbelkette Bolia ist nicht das einzige Label aus dem hohen Norden, das Österreich mit neuen Geschäften beehrt. Auch Søstrene Grene (übersetzt: "Die Schwestern Grene"), ein dänisches Familienunternehmen, eröffnete einen Shop in der SCS. Dazu kommen kleinere, unabhängige Läden, wie das neue "Copenhagen Hus" in der Wiener Neubaugasse. "Die lockere, offene und gemütliche Art der Skandinavier findet auch in Österreich immer größeren Anklang", ist die aus Helsinki stammende Heidi Salama-Kollegger überzeugt, die seit mehr als zehn Jahren den "Finnshop" in der Wiener Siebensterngasse betreibt.

Unterschiedliche Konzepte

Freilich sind die Geschäftskonzepte der einzelnen Anbieter sehr verschieden. Der Søstrene-Grene-Shop mutet eher wie ein Krimskrams-Laden mit vielen Kleinigkeiten wie Briefpapier, Kerzen oder Küchenzubehör an. "Kein Mensch braucht den Laden, trotzdem ist er irre erfolgreich", urteilte kürzlich etwa die Süddeutsche Zeitung über das Unternehmen. Genau das dürfte allerdings das Geschäftsgeheimnis sein.

Doch was skandinavisches Design und seinen Erfolg aus? Der Ursprung vieler Eigenschaften des skandinavischen Designs liegt im nordischen Klima. Lange, kalte und schneereiche Winter, dazu die dicht bewaldete Landschaft. In dieser Umgebung entwickelte sich eine Wohnkultur, die das Zuhause als Mittelpunkt sieht, das Schutz bietet, Wärme spendet.

Inspirationsquelle: Landschaft

Die unwirtlichen Bedingungen der skandinavischen Landschaft inspirierten: organische Formen und natürliche Materialien finden sich in vielen Kreationen. Sie führten aber auch dazu, dass Ressourcen effizient genutzt wurden und die skandinavische Handwerkskunst Verschwendungen seit jeher vermeidet. Lange bevor das Credo "Form folgt Funktion" zum ersten Mal zu Papier gebracht wurde, arbeiteten skandinavische Handwerker nach diesem Prinzip. Schlichte Funktionalität, das ist eine der obersten Prämissen. "In Österreich steht oft die Schönheit eines Objekts im Vordergrund", sagt Heidi Salama-Kollegger. "In Skandinavien gibt es eine andere Herangehensweise. Es ist zu allererst wichtig, gut zu sitzen oder zu liegen. Vor der Schönheit kommt die Funktionalität."

Der Siegeszug der dänischen, schwedischen, finnischen und norwegischen Designer wie Alvar Aalto oder Arne Jacobsen begann in den 1950er-Jahren in den USA. Berühmt wurde etwa der Stuhl "Den runde Stol" des Dänen Hans Wegner. Der Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy nahm bei der ersten ausgestrahlten Fernsehdebatte darauf Platz .

Der viel zitierte "Hygge-Hype" feuerte den Skandinavien-Trend in letzter Zeit nur noch mehr an. Mittlerweile gibt es schon wieder eine neue Wortschöpfung: "Lagom", was aus dem Schwedischen stammt und "das richtige Maß" bedeutet.