Design-Duo Maciej Chmara und Ania Rosinke

© Helga Traxler

Interview
10/16/2014

Schlichte Poesie

Chmara.Rosinke zählen zu den aufstrebendsten Gestaltern des Landes. Sie gehen der Frage nach, wieviel Reduktion und Zeitlosigkeit Design heutzutage verträgt.

von Claudia Elmer

Sie gewinnen derzeit einen Wettbewerb nach dem anderen. Gehen Ihnen da nicht mal die Ideen aus?
Maciej Chmara:
Es gibt sehr viele schöne Dinge auf der Welt die uns inspirieren. Wir haben genug Ideen, die bis in die Pension hinein reichen. Zudem arbeiten wir in einem Bereich, der sehr frei und experimentell ist. Je weniger Beschränkungen es gibt, desto radikalere Objekte können entstehen. Und je extremer, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt man. Das war schon in der Geschichte so. Dazu braucht man nicht viel Selbstlob.

Worin liegt der Fokus Ihrer Arbeit?
Ania Rosinke:
Außer an Auftragsarbeiten wie Möbel oder Innenarchitektur arbeiten wir viel an selbstinitiierten Projekten und kooperieren mit Museen, Kulturinstituten und Galerien.
Maciej Chmara:Dabei überwiegt der konzeptionelle, theoretische Ansatz. Wir versuchen hochwertige, zeitlose Objekte zu schaffen. Wenn dem Betrachter ein Objekt gefällt, ohne sagen zu können aus welchem Jahr es stammt, haben wir unser Ziel erreicht. Das ist es, was gutes Design ausmacht.

Produktdesign reizt Sie also nicht?
Maciej Chmara:
Das geht in eine andere Richtung: Industriedesign möchte Moden erfüllen mit dem Ziel, dass das neue Produkt besser gefällt als jenes, das man vor einem Jahr gekauft hat.
Ania Rosinke:Oder es sorgt dafür, dass man neue Produkte kaufen muss. Deshalb arbeiten wir selten mit der Industrie zusammen. Gegen einen guten Partner, wie etwa den italienische Möbelhersteller Moroso oder im Industriedesign Vitra, haben wir allerdings nichts.

Warum widerstrebt Ihnen diese Haltung?
Maciej Chmara:
Wir glauben, dass sich der Trend zum Kurzlebigen wandeln wird. Aufgrund der Nachhaltigkeitsdebatte und der ökologischen Probleme werden sich die Wirtschaft, die Industrie, unsere Produktwelt und das Design wandeln. Man kann das in der Mode beobachten: Wäscheflott, ein Maßschneider für den wir gearbeitet haben, sorgte sich vielleicht noch vor ein paar Jahren über ein aussterbendes, alterndes Klientel. Inzwischen zählen wieder junge Leute zu seinen Kunden. Eine gewisse Käuferschicht hat offensichtlich genug davon, jedes Jahr Neues zu kaufen. Sie greift zu Dingen, für die man zwar länger sparen muss, zu denen man aber einen persönlichen Bezug aufbaut und die man besser pflegt.
Ania Rosinke:Das hängt auch mit Bildung zusammen, aber wir hoffen, dass sich Design in diese Richtung weiterentwickelt.

Welchen Weg versuchen Sie zu gehen?
Maciej Chmara:
Zeitlosigkeit ist für Design unumgänglich. Sieht man sich in Vintage-Läden um, findet man nicht etwa tausend Modelle, sondern ein paar Möbel von den immer gleichen Designern. Das ist, wonach wir streben. Wir beugen uns keinen Trends. Sich mit Mode zu befassen ist ein enormer Zeitaufwand. Wir tragen lieber klassische Kleidung und gehen gut Essen statt zu überlegen, was man diesen Herbst trägt.

Beeinflusst diese Sichtweise auch Ihre Materialwahl?
Ania Rosinke:
Wir verwenden viel Holz, weil es nachhaltig und einfach zu bearbeiten ist. Bei den neuen Objekten, den Vasen für Sotheby’s und dem Geschirr, das in Kooperation mit Sternekoch Konstantin Fillipou entstand, haben wir auch mit Messing, Kupfer, Beton und Marmor gearbeitet.
Maciej Chmara: Dabei haben wir gemerkt, dass Messing sehr gut zu bearbeiten ist. Wir verwenden grundsätzlich nur Materialien, die handwerklich einfach zu handhaben sind und keinen riesigen Maschinenpark erfordern. Außerdem ist uns der Bezug vom Prozess zum Objekt sehr wichtig. Wir sind keine Designer, die nur Skizzen abliefern. Wir zeichnen, bauen, zeichnen, bauen – um zu sehen, wie etwas entsteht. So können wir eine archetypische Form entwickeln und sie auf etwas Geometrisches, Simples ohne dekorative Elemente reduzieren. So lange, bis die Form zu einem Logo seiner selbst wird.

Sie haben soeben das "Nespresso Design Scholarship" erhalten, ein Stipendium das die Umsetzung eines konkreten Projektes fördert. Was wird das in Ihrem Fall sein?
Maciej Chmara:
Unser Projekt "Mobile Gastfreundschaft" gibt es seit drei Jahren und wird uns etwas langweilig. Andererseits haben wir großen Spaß daran, mit Leuten zu kochen. Deshalb wollen wir im Bereich Kulinarik weiterarbeiten und forschen, wie eine engere Symbiose zwischen Küche und Design entstehen kann. Was sich daraus entwickelt, ist offen. Es ist ein Prozess, hinter dem viel Theorie, Kochen und Besteck basteln stecken wird. Wir sind froh, an einem Projekt zu arbeiten, das nicht an einen kommerziellen Erfolg geknüpft ist.

Zurzeit engagieren Sie sich auch für ein soziales Projekt. Worum geht es dabei?
Ania Rosinke:
Es handelte sich um einen geladenen Wettbewerb mit dem Ziel, ein Interieur für eine von der Caritas geführte Einrichtung in der Ankerbrotfabrik in Wien zu gestalten. Die Mittel sind ökonomisch stark begrenzt, zugleich ist das aber sehr inspirierend. Wir haben ein Pilotprojekt zum Thema "Co-Cooking" gestartet.
Maciej Chmara:Ältere und jüngere Leute sollen zusammen kochen und voneinander lernen. Wir haben deshalb mehrere kleine Küchen in unterschiedlichen Konstellationen arrangiert, eine Beleuchtung für das Restaurant gestaltet und Möbel für den Loungebereich entworfen, die von Flüchtlingen nach unseren Plänen und mit unserer Hilfe zusammengebaut werden.
Eine weiteres Projekt ist der Pop-Up Store für das Modelabel COS – wie kam es dazu?
Maciej Chmara:
COS war begeistert von der Ästhetik unserer Entwürfe und uns hat das Auftreten von COS gefallen. Das Unternehmen macht keine Werbung, sondern arbeitet mit Kreativen zusammen, ist auf Kunstmessen vertreten und lässt Objekte, wie den Pop-Up Store, von Designern entwickeln. Auch die Ästhetik ihrer Kleider, die sehr geometrisch ist, hat uns gefallen. Die Schnitte sind schlicht und zeitlos. Man kann ohne Probleme etwas von vor zwei Jahren anziehen. Das Projekt hat Spaß gemacht, weil wir Freiheiten hatten und COS auf uns vertraute.
Welche Kriterien sind Ihnen bei der Zusammenarbeit mit Firmen wichtig?
Ania Rosinke:
Es braucht ein generelles Verständnis für den formalen Ausdruck, die Zeitlosigkeit und die Qualität unserer Entwürfe. Maciej Chmara: Wenn das nicht zusammenpasst, wird das nichts. Grundsätze, wie etwa dass wir keine neonpinken Dinge machen, muss man schon sehen. Uns reizen Betriebe die Produkte schaffen, die sie möglichst lange im Sortiment zu halten versuchen.

Ihr Studium hat Sie nach Wien verschlagen. Was hat Sie bewogen, zu bleiben?
Maciej Chmara:
Wir wollten schon immer wo anders leben, aber viele Städte waren uns zu hektisch und chaotisch. Wir bewegen uns viel zu Fuß und lieben es, durch Städte zu spazieren. Wien hat eine Größe die im Gehen gut zu bewältigen ist. Uns gefällt, wie man die Freizeit hier verbringen kann und die vielfältige kulinarische und kulturelle Szene.

Sie arbeiten nicht nur zusammen, Sie sind auch privat ein Paar – geht man sich da nicht auf die Nerven?
Maciej Chmara:
Ich glaube wir streiten weniger als die meisten Leute. Wir sind recht friedliche Personen, das funktioniert sehr gut.
Welche Vorteile bringt das Zusammenleben- und arbeiten für Sie?
Ania Rosinke:
In unserem Beruf ist es schwierig, anders zu leben – also ein Designer zu sein, Vollzeit zu arbeiten und einen Partner zu haben, der einer ganz anderen Beschäftigung nachgeht.
Maciej Chmara: Wir arbeiten viel, auch an manchen Wochenenden bis zu 16 Stunden täglich im Atelier. Auch wenn wir entspannen, widmen wir uns dem Design und der Kunst. Dazu braucht man einen Partner, der die gleichen Interessen hat. Wir sind keine Workaholics – unsere Arbeit ist unser Hobby. Wir lieben schöne Dinge, Design, Kunst, Essen und Kochen. In diesem Punkt haben wir uns gefunden, das treibt uns gegenseitig an.
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