Wohnen
23.10.2018

Renommiertes Designerduo kuratiert blickfang-Messe in Wien

Marcel Besau und Eva Marguerre gewinnen seit elf Jahren mindestens einen Design-Award im Jahr. Nun küren sie die Sieger.

Wo beginnt Design und wo endet es? Diese Frage hat sich das Designerduo Eva Marguerre (35) und Marcel Besau (37) nie gestellt. Das offenbart auch ein Blick in ihre bisherigen Arbeiten: Von Produktdesign über Interieur Styling für Magazine und visueller Kommunikation bis hin zur Planung von Messeständen setzen die beiden alles um.

Das habe sich im Laufe der Jahre so ergeben, erzählt Marguerre. Vor sieben Jahren gründeten sie kurz nach dem Studium das Studio Besau-Marguerre, heute zählen sie zu den Stars der Designbranche. Kunden wie Thonet oder die Elbphilharmonie in Hamburg sprechen für sich.

Ihr jüngster Auftrag führt die beiden nach Wien. Hier sind sie das Kuratorenduo des Jahres der Designmesse blickfang, die von 26. bis 28. Oktober im Museum für angewandte Kunst (MAK) gastiert. IMMO hat Eva Marguerre vorab zum Interview getroffen.

KURIER: Frau Marguerre, Sie und Marcel Besau sind die Kuratoren des Jahres für die blickfang 2018. Was sind Ihre Aufgaben?

Eva Marguerre: Wir sind ein Jahr lang die Paten für die blickfang Messe, die durch sieben Städte in Deutschland, Schweiz und Österreich tourt. In jeder Stadt nominieren wir Jungdesigner, die kostenlos ausstellen dürfen und im Frühjahr veranstalten wir einen Workshop, bei dem konkrete Fragen der Jungdesigner ausgearbeitet werden. Außerdem sitzen wir in der Jury des blickfang Designpreis.

Sie sind selbst erst 35 Jahre alt und entscheiden über Jungdesigner, die wahrscheinlich gleich alt sind. Wie fühlt sich das an?

Das ist ein komisches Gefühl und gleichzeitig eine große Ehre. Ich glaube, wir sind auch die jüngsten Kuratoren der blickfang bisher. Wir haben unser Studio vor sieben Jahren gegründet, das ist jetzt schon eine Weile her, aber wir fühlen uns der Anfangszeit noch sehr nah. Wir wissen, wie es als Jungdesigner war und wie toll es ist, Unterstützung zu bekommen.

Wie erkennen Sie gute Jungdesigner?

Für uns ist wichtig, dass es ein stimmiges Gesamtpaket ist. Ein gutes Produkt ist natürlich der Kern. Es muss emotional sein, die Leute ansprechen und gut gearbeitet sein, aber auch die Marke und die Präsentation sind entscheidend. Das geht vom Flyer, zur Visitenkarte bis hin zur Inszenierung auf dem Messestand. Wenn das alles passt, sieht man das von zwei Metern Entfernung.

Sie haben eine Designikone, den Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe, für Thonet neu gestaltet. Ist das noch zu toppen?

Das ist schon wahnsinnig schön, obwohl ich glaube, toppen kann man alles – das ist aber auch nicht unser Ziel. Wir wollen eine gute Zusammenarbeit mit dem Kunden und ein Ergebnis mit Qualität.

Für das Design „Plissee“ haben Sie mit Porzellan gearbeitet, was für einen Tisch ein außergewöhnliches Material ist. Warum?

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg ist auf uns zugekommen, weil sie unseren experimentellen Ansatz schätzt. Sie haben gefragt, ob wir ein Interieur für sie machen. Wir fanden es spannend, Porzellan fernab von Teller und Tasse zu zeigen. Die Form haben wir gewählt, weil sie schon von der Ferne zeigt, dass der Tisch nicht aus Holz oder Metall gefertigt ist.

Das Studio Besau-Marguerre hat die Elbphilharmonie in Hamburg eingerichtet – was war Ihr Ansatz?

Wir wollten dem Gebäude Raum lassen und uns mit unserem Interieur zurückzuhalten. Wir haben ein Gesamtkonzept entwickelt, das sich wie ein roter Faden durch das Haus zieht und dem Besucher Ruhe gibt. Dafür haben wir den Materialien die Farben entzogen, wodurch die Struktur der Materialien wichtiger wird. Wir wollten auch einen Dreiklang im Haus zeigen: Das Wichtigste ist das Erlebnis, also die Musik. Dann gibt es die Architektur und der dritte Punkt ist die Möblierung.