Wohnen
25.11.2017

Prachtvolle Gärten im Winter

Von wegen im Dornröschen-Schlaf: Der französische Fotograf Cédric Pollet suchte und fand ihn, den Zauber der Natur in der kältesten Zeit des Jahres.

Es ist eine ganz besondere Leidenschaft, die Cédric Pollet um die Welt reisen lässt, um außergewöhnliche Fotos zu machen. Aber nicht etwa von Kirchen, Menschen oder Ortschaften, sondern zum Beispiel von Baumrinden. Mit seiner Kamera gelingt es ihm, Unerwartetes, Verdrängtes oder einfach Übersehenes einzufangen, das sich in seinen Bildern in voller Schönheit offenbart.

Stets von der Botanik und ihren Ausdrucksformen gefesselt, hat Pollet nun einen neuen Bildband herausgebracht, den er zur Gänze der stillen Ästhetik der Natur im Winter widmet. Das dritte Buch des gelernten Landschaftsgestalters " Gärten im Winter" holt Pflanzen und Bäume vor die Linse und lässt in Farbenpracht und Vielfalt eintauchen, die fast jedes Wort überflüssig machen.Die Initialzündung dazu war der Besuch des Autors im Jardin du Bois Marquis, der Pollet sich "wie ein Kind, das seine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum entdeckt" fühlen ließ. Hier tauchte er erstmals ein in die Düfte und Farben der winterlichen Pflanzen, deren Palette nicht minder reich ist an Pracht wie jene des Sommers.

Insgesamt 20 Gärten erkundete Pollet in Großbritannien und Frankreich, wo er aus dem Vollen schöpfen konnte: Bizarre Schönheiten, fantasievolle Arrangements und ein Übermaß an Individualität zeugen vom Potenzial einer vernachlässigten Gartensaison, die offiziell gar keine ist.Mit den beeindruckenden Fotografien entsteht eine extravagante Entdeckungsreise in eine botanische Welt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Erzählt wird von Schnee und Raureif als Zauberwerkzeug und von Baumrinden, die plötzlich als Ornament ins Auge stechen, oder von Pflanzen, die erst beim Leisertreten anderer Kollegen so richtig zum Vorschein kommen.

Im ersten Teil geht Cédric Pollet ausführlich auf vier herausragende Gartenprojekte ein. Zum Beispiel auf den Privatgarten L´Étang de Launay an der Alabasterküste der Normandie, den Jean-Louis Dantec, ein Liebhaber seltener Pflanzen, sein Eigen nennt. Dieser beeindruckt mit raffinierten Gruppierungen, die im Winter zum "farblichen Feuerwerk" werden, und dekorativen Baumrinden, für die Dantec ein Faible zu haben scheint. Der bereits erwähnte Jardin du Bois Marquis bei Vernioz im Rhône-Tal stellt wiederum das fundierte Wissen seines Besitzers unter Beweis: Gestalter Christian Peyron war wohl der erste Franzose, der sich mit der Thematik des Landschaftsgartens mit Fokus auf den winterlichen Anblick beschäftigte, wobei interessantes Aussehen und die Gesamtwirkung des Gartens die Prioritätenliste anführen.

In Großbritannien besuchte Pollet zwei gelernte Baumschulgärtner, die sich auch privat ihrer Berufung hingeben. In der Nähe von Southhampton liegen dieSir Harold Hillier Gardens, wo auf 72 Hektar nicht weniger als 42.000 Bäume und Sträucher sowie 12.000 Taxa eine Heimat gefunden haben. Für Hillier ist der Winter fast die attraktivste Jahreszeit, so schuf er mit mehr als 650 Arten Hunderte Kombinationen für charmante, natürliche Winterarrangements. Rund 80 Kilometer von Cambridge sind in den Bressingham Gardens nicht weniger als 8000 Pflanzenarten auf insgesamt sechs Themengärten verteilt. Auch hier bekommen winterliche Früchte, Blüten und Düfte ihre Bühne.

Im zweiten Teil "Die Quellen der Inspiration" präsentiert der Fotograf weitere faszinierende Gärten, in denen die Natur in ihrem Winterkleid im Mittelpunkt steht. Begleitet werden die Fotografien von kurzen Projektbeschreibungen und kompakten Info-Texten zu den gezeigten Arrangements. Der letzte Teil befasst sich mit der "Palette der Pflanzen". Hier erfährt man sämtliche wissenswerte Details über Baumrinden und deren Zeichnung, Farbe, Genetik und Alter. In anschaulichen Darstellungen kann man den Wandel zwischen warmer und kalter Jahreszeit mit verfolgen, gepaart mit praktischen Tipps zur Reinigung und Pflege. Das Spektrum erstreckt sich von Baumfamilien wie Birke, Ahorn, Kirsche und Weide über Bambus, Brom- und Heidelbeere bis hin zu Sträuchern und Zwiebelgewächsen.

Buchtipp

Wie prachtvoll die Natur auch im Winter sein kann, zeigt der 224 Seiten starke Ratgeber „Gärten im Winter“ von Cédric Pollet. 490 ausdrucksstarke Farbbilder geben tiefe Einblicke, besonders spannend im direkten blühenden und blattlosen Vergleich. Ulmer Verlag, € 39,90