Wohnen
08.09.2017

Mehr Privatsphäre im Garten

Im Freien entspannt genießen, fernab von störenden Blicken – ein neuer Bildband stellt kreative Sichtschutzvarianten und Raumteiler vor, die mehr als nur der Funktionalität dienen.

Die Zeiten, in denen Zäune und Hecken als reine Umfriedung des Grundstücks fungiert haben, sind längst vorbei. Vielmehr dient der Garten seinen Bewohnern als erweiterter Wohnraum, als Rückzugsort und Oase zum Krafttanken. Die Blicke neugieriger Nachbarn sollen dabei ausgespart bleiben – mithilfe von Stauden, Mauern, Holzwänden oder untypischen Materialien wie Stahl, Acrylglas oder Beton. Gartenexpertin Marion Lagoda stellt in ihrem aktuellen Bildband 72 solcher Projekte vor. Internationale Designer zeigen die Bandbreite raumteilender Elemente, die nicht nur Sichtschutz bieten, sondern auch den Garten gliedern und ihm Struktur verleihen. Damit die Wohlfühloase auch ein behütetes Refugium bleibt.

Die Klassiker unter den Gestaltungselementen

Hecken und Bäume gelten seit jeher als klassische Abgrenzungselemente, schützen vor Wetterkapriolen und fremden Blicken. Als besonders geeignet gelten unter anderem Feldahorn, Weißdorn und Rotbuche, als immergrüne Hecken sind vor allem Buchsbaum, Liguster, Eibe oder Berberitze beliebt. Hoch hinaus geht es mit Kletterpflanzen, die über ein Säulengerüst wachsend nicht nur Sicht- sondern vor allem auch Sonnenschutz bieten. Beispiele für winterharte Sorten sind Efeu, Kletterhortensie, Wilder Wein oder Glyzine, die auch als Hochhecke an einem Rankgerüst befestigt gezogen werden können. Neben linearen Heckenwänden stellen wellenförmig geschnittene Hecken oder mit regelmäßigen Zwischenräumen gestutzte Gehölze ein gestalterisches Element im Garten dar. In der warmen Jahreszeit sorgen Gräser und Stauden, die rund um Sitzgruppen gepflanzt werden, für Wohfühlatmosphäre. Egal ob Schilf-Varianten, Pfeifengras mit goldgelber Herbstfärbung oder Blattriesen auf einer Terrasse ( Bild). Die Blätter dieser krautigen Pflanze erreichen einen Durchmesser von maximal fünf Metern und können drei Meter hoch werden. Kommt die Pflanze eigentlich aus feuchten Regionen in Brasilien, ist sie dennoch für das mitteleuropäische Klima geeignet.

Massiv, beständig und doch kunstvoll

Eher zum Schutz vor Hitze als vor Blicken setzen Garteneigentümer Mauern aus Mamorstein oder schlicht eine mit Gips verputzte Wand ein, halten diese an heißen Tagen die Wärme ab und geben sie am Abend an die umliegenden Pflanzen ab. Aber auch als Raumteiler – beispielsweise zwischen Carport oder Pool und dem restlichen Garten – eignen sich die steinigen Komponenten. Besonders beliebt beim Mauerbau sind Natursteine, die ohnehin in der Region vorkommen. Granit erweist sich als widerstandsfähig und langlebig, Kalkstein variiert in unterschiedlichen Grau- und Beigetönen, Sandstein ist einfach zu verarbeiten und der gut spaltbare Schiefer verleiht dem Trennelement eine mattschwarze Eleganz.

Alte Ziegelmauern im Gartenbereich benötigen manchmal nur ein klein wenig Feinschliff, sind sie per se schon ein wahrer Eyecatcher. Ähnlich wie bei dünnen, im Gummi- und Korkgemisch fixierte Fiberglasstangen, die sich vor allem wegen ihres leichten Gewichts als Raumteiler auf windigen Dachterrassen anbieten. Ein Steinkorb als Mauer, beispielsweise mit Kalksteinschotter befüllt (Bild), hat den zusätzlichen Vorteil, bei abschüssigen Gärten auch als Hangabsicherung eingsetzt werden zu können. Egal, ob in purer Form oder mit Pflanzen begrünt, die Wirkung der Gabione ist nicht zu übersehen.

Holzwände mit Charakter

Zedernholz war bereits in der Antike als leichtes und hervorragend zu bearbeitendes Holz für den Schiffsbau beliebt, da es auch im Wasser von Bestand ist und eine größere Härte aufweist. Die Lamellenkonstruktion aus Zedernholz ( Bild) verwandelt sich mit der Living Wall – einer vertikal bepflanzten Wand – zu einer Symbiose aus Sichtschutz und Pflanzenvielfalt auf kleinem Raum. Kein klassisches Holz und nicht nur in japanischen Gärten ein Highlight: Zäune aus Bambus. Traditionell nicht genagelt, sondern mit dunklen Hanffasern verflochten, dienen diese eher als Gestaltungselement denn als Sichtschutz,
obwohl sie beide Funktionen erfüllen. Ein Tipp: Damit Bambuszäune nicht so schnell verwittern, fünf Zentimeter Abstand zum Boden freilassen.

Buchtipp

Marion Lagoda zeigt in „ Sichtschutz und Raumteiler im Garten“ die schönsten Design-Lösungen für einen uneinsehbaren Garten.
Becker Joest Volk Verlag, € 41,10.