© ©_Fotografie_Gabriel_Buechelmei/Formdepot/Gabriel Buechelmeier

Wohnen
02/26/2019

Luster- und Lampentrends bringen Erleuchtung von allen Seiten

Schwarz, rund und aus Glas: So lassen sich die Trends beim Leuchtendesign zusammenfassen.

von Julia Beirer, Ulla Grünbacher

Aus der grauen Wand wachsen dünne Drahtbeine, an denen ellipsenförmige Aluminiumschirme hängen. Ein Knopfdruck genügt und sie verbreiten wohlig-warmes Licht. Die Leuchte im Schauraum des Formdepots im 16. Wiener Bezirk ist ein Kunstwerk – und nicht das einzige, das auf den 1400 Quadratmetern von der Decke hängt.

Nur wenige Meter weiter schafft eine Deckenleuchte Licht und mit integrierten Blumentöpfen auch Platz für Pflanzen. „Die Leuchten sollen zu sehen sein, nicht versteckt werden“, sagt Formdepot-Chef und Innenarchitekt Heinz Glatzl, während er durch den Schauraum führt. Von 1. bis 3. März werden hier im Rahmen des „Salon“ die neuesten Designs und Innovationen rund um den Wohnraum vorgestellt.

Schwarz ist das neue Weiß

Darunter auch ein Wellnessbereich, dessen Decke schwarze Leuchtschienen zieren. „Die dunkle Farbe des Leuchtkörpers ist bewusst gewählt“, erklärt Glatzl.

Der Grund dafür ist so simpel wie überraschend: Schwarz ist das neue Weiß. Das bestätigt auch Katharina Franke, Geschäftsführerin von Franke Leuchten: „Wer sich einmal für schwarze oder anthrazitfarbene Leuchten entschieden hat, bleibt dabei und zieht es im gesamten Wohnraum durch.“ Von der Deckenleuchte, über Steh- und Tischlampen bis hin zu Schienen oder Minispots, sei der dunkle Ton extrem gefragt.

Die einzige Farbfamilie, die da noch mithalten kann, sind Pastelltöne. Lindgrün, Seegrün, Hellblau oder -gelb und auch Rosé sind laut Heinrich Schweiger, Inhaber des Geschäfts „Das beste Licht“, sehr beliebt. „Extreme Farbtöne will derzeit niemand mehr“, weiß er.

Glas in allen Formen - aber nicht Farben

Diese Farben harmonieren sehr gut mit Glas – dem derzeit größten Materialtrend. Hier zählt allerdings: Weniger ist mehr. „Eine Zeit lang war Glas bedampft mit Gold und Kupfer sehr gefragt, das ist aber vorbei“, erklärt Expertin Katharina Frank.

Stark im Kommen sei dafür: Opalglas – glänzend und matt, in Kugel- und Topf-Form. „Im Trend ist auch gesmoktes Glas mit nur wenigen Farbakzenten – nicht aber durchgefärbt“, sagt Elisabeth Csernohorszky, Lichtplanerin von Vest Leuchten.

Naturtrend: Holz

Während sich Glas dezent in den Raum eingliedert, ist der andere große Materialtrend – Holz – sehr viel auffälliger. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, hängen immer mehr Holzleuchten von der Decke.

Frank erklärt den Hype: „Dieser Trend hat vor rund einem Jahr begonnen. Es ist ein wohnliches Material und kreiert als Leuchte weiche Reflexion.“

Wichtig ist, das Naturprodukt gezielt einzusetzen. Denn: Einerseits muss genügend Licht aus der Leuchte kommen, andererseits soll der Raum auch nicht zu rustikal wirken. Daraus ist der derzeit sehr gefragte Materialmix aus Holz und Glas entstanden.

Stein ohne Schnickschnack

Ebenfalls im Vormarsch: Marmor. Laut Lichtplanerin Elisabeth Csernohorszky wird das Material aber nicht als Lampenschirm, sondern im Sockel von Tisch- und Stehleuchten verwendet. Elegant und klassisch, also.

„Zeitlose Entwürfe, meist in organischen Formen, keine Extravaganz, darum geht es“, beschreibt Cathrin Dörfler-Rampf, Geschäftsführerin von Licht Design Rampf in Wien. Auf Schnickschnack wird in der Formgestaltung nämlich verzichtet. „Eine Stehleuchte soll einen Schirm und einen Standfuß haben – mehr braucht es nicht“, ergänzt Katharina Franke.

Gerade Formen und Kugeln

Linien, Kreise, Kegel, Zylinder und vor allem Kugeln bestimmen die Formensprache. So werden geometrische Formen aneinandergereiht und multipliziert. „Häufig sind sie wie ein Bettelarmband geformt“, beschreibt Elisabeth Csernohorszky.

„Das macht die Leuchten zu Hinguckern.“ Doch auch die Geometrie braucht eine organische Form. „Die linearen Formen verfügen über abgerundete Kanten“, sagt Cathrin Dörfler-Rampf.

Dezente Eyecatcher

Während Designer die Aufgabe haben, die Leuchten schlicht und dezent zu gestalten, aber gleichzeitig auch Eyecatcher zu kreieren, stehen Lichtgestalter häufig vor einer anderen Aufgabe.

Denn in der Planungsphase wird jedes praktische Licht versteckt. Die Lichtquelle ist dadurch kaum noch zu erahnen. Hängeleuchten, Steh- und Tischlampen dienen als ergänzende Dekoration und sorgen für unterschiedliche Stimmungen – dimmbares Licht ist dafür gut geeignet.

„Der Trend ist, dort Lichtquellen zu schaffen, wo sie gebraucht werden und nicht den ganzen Raum zu fluten“, so Franke.

Tragbares Design

Die Spannung zwischen Licht und Schatten sei sehr wichtig. Denn durch Lichtinseln entsteht Wohlfühlcharakter – und der kann seit Kurzem auch flexibel kreiert werden.

Die LED-Technik macht es möglich. „Kabellose und damit einfach transportierbare Leuchten sind praktisch und vielseitig einsetzbar“, erklärt Heinrich Schweiger. So wird die Tischleuchte zum Nachtlicht oder sogar zur kleinen Badezimmerlampe.