Wohnen
30.01.2013

Leben im Schnee

Zwei kleine Häuser in den Bergen überzeugen als Feriendomizile durch gute Materialwahl und innovative Raumplanung.

Wie ein Mahnmal ragt das schmale Holzhaus zwischen den Wiesen empor. Früher einmal stand auf dem felsigen Untergrund ein Föhrenwald. Im Zuge der Erschließung wurde die grüne Lunge im Neubaugebiet oberhalb von Imst leider zur Gänze abgeholzt.

Die Tiroler Architekten Reinhard Madritsch und Robert Pfurtscheller tragen der Geschichte des Baugrundes in ihrem Projekt Rechnung. Herausgekommen ist ein kleiner Holzturm, der in seiner Anmutung an den ehemaligen Wald erinnern soll. Das schmale, baumhohe Häuschen wurde aus Holz gezimmert und wächst somit einfach, karg und roh aus dem Boden, ohne ein Störfaktor in seiner Umgebung zu sein.

Die drei übereinandergelegten Räume in diesem Zweitwohnsitz einer fünfköpfigen Familie wurden so zu Versuchsanordnungen. „An ihnen ist exemplarisch ablesbar, was sich durch die Variation der Belichtungen, der Aussichten, der Möblierungen, der Raumhöhen und der Aus- und Zugangsmöglichkeiten ändert“, erklärt Reinhard Madritsch.

Ferienhäuser in alpinen Regionen sind, zumindest vom architektonischen Standpunkt her, keine einfache Sache. Zu Recht wird erwartet, dass man sich in Formgebung und Materialauswahl der Landschaft annähert und auf regionale Traditionen verweist. Unter diesen Vorgaben könnte man allerdings auch schnell im Kitsch oder im Veralteten zu Hause sein. Umso beachtenswerter ist die Lösung, die gerade hierzulande moderne Architekten für Domizile in der Natur finden.

„Unser rigoroser Ansatz führt zu geringen Kosten und zu atmosphärisch dichten Räumen“, sagt Robert Pfurtscheller über das Konzept des Turmhauses.

Auch die sogenannte Schutzhütte im Laternsertal von Marte. Marte Architekten steht wie ein Markstein in der Landschaft, „ganz so, als ob sie schon immer da gewesen wäre“, beschreibt Stefan Marte den schlichten Kubus aus grauem Sichtbeton.

Vorarlberg ist berühmt für seine wegweisende Holzarchitektur. Trotzdem ist es „nur ein hartnäckiges Gerücht, dass man hier nicht auch mit anderen Materialien bauen kann“, sagt Marte. „Unser Konzept wurde auch von der Gemeinde sofort sehr gut aufgenommen.“

Dass das Feriendomizil mit der eingeschnittenen Terrasse bereits vom Plan weg international für Aufsehen sorgte, das hat die beiden Architekten eher überrascht. „Die Kanäle im Netz scheinen vielfältig zu sein“, sagt Stefan Marte, „wir selbst hatten uns zu diesem Zeitpunkt nämlich noch gar nicht um irgendwelche Publikationen gekümmert.“

Der Bauherr der Schutzhütte wollte ursprünglich ein Natursteinhaus mit Sonnenterrasse. Stefan Marte: „Wir haben ihm dann eine Version aus gegossenem Stein angeboten.“

Konkret besteht die Fassade aus Sichtbeton, der von Betonsteinmetzen – sie mussten extra aus Deutschland anreisen, weil dieses Handwerk nur noch wenige beherrschen – vor Ort behauen wurde. So bekommt die Fassade ihre unregelmäßige, naturbelassene Anmutung.

Vier Wochen lang dauerte dieser Prozess und dabei konnte jede Wand nur von einem Mann bearbeitet werden. „Das ist wie beim Stricken oder Häkeln, jeder macht es ein bisschen anders und man würde den Unterschied sofort bemerken.“

Im Inneren wollte der Bauherr die Betonwände sichtbar lassen. Erstaunlich gut machen sich dazu der Holzboden und die handgefertigten Holzmöbel – alles aus massiver Eiche gearbeitet.

Aus Sichtbeton ist auch die Autobahnmeisterei der Architekten für die Asfinag in Salzburg und die von ihnen geplante Tourismusschule in Villach. Und mit ihrer konsequenten Arbeitsweise überzeugen sie längst auch im Ausland: Gerade haben sie mit dem Bau eines Museums in Berlin begonnen.

www.madritschpfurtscheller.at

www.marte-marte.com