Landesmeister im Bauen

baupreis nö
Foto: © andreas brchberger 1. Platz: Das Wohnhaus "G12" in Maria Enzersdorf von Arge x42 und Architekt Lothar Jell-Paradeiser hat den NÖ Baupreis 2012 gewonnen.

Einfamilienhäuser, Restaurants oder Firmenzentralen: Der Niederösterreichische Baupreis zeichnet zum sechsten Mal herausragende Architektur im Bundesland aus. Jetzt stehen die Gewinner fest.

Die Zahlen sprechen für sich: 140 Häuslbauer, Baumeister und Architekten reichten in diesem Jahr ihre Werke beim Niederösterreichischen Baupreis ein. Zum Vergleich: Als der Wettbewerb im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde, nahmen nur 47 Planer und Bauherren teil. Seither verdreifachten sich die Einsendungen.

Bereits zum sechsten Mal suchte das Bundesland die besten Gebäude – vom Wein- bis zum Mostviertel und vom Wald- bis zum Industrieviertel. Die Anzahl der Projekte ist ein Indiz dafür, wie lebendig die Architekturszene rund um Wien ist. Ob Einfamilienhaus, Kindergarten oder Hochwasserschutzanlage: Die Chance nutzten viele. Schließlich konnte jeder mitmachen, der in den vergangenen vier Jahren einen Um-, Neu-, oder Zubau realisiert hat. Vier Kriterien sind für die Prämierung ausschlaggebend: die handwerklich-technische Leistung, die zeitgemäße Planung, Gestaltung und Objektumsetzung, die ökologische und nachhaltige Bauweise sowie die wirtschaftliche und nutzungsorientierte Funktionalität.

Platz 1

Wohnraum finden – das klingt einfach. Wie schwierig es aber sein kann, erlebte ein Bauherr aus Maria Enzersdorf: Kein bestehendes Haus erfüllte seine Vorstellungen hinsichtlich Lage, Architektur oder Ausstattung. Daher deponierte er seinen Wunsch nach einem geradlinigen Gebäude bei den Planern von Arge x42 und Architekt Lothar Jell-Paradeiser. Das ausgewählte Grundstück war ein kleiner, unbebauter Platz im Grünen auf dem Areal eines ehemaligen Gutshofes.

Heute erinnert kaum noch etwas an den schmalen Bauplatz: Im Wohnhaus "G12", mit einer Grundfläche von 136 Quadratmetern, sind drei flexibel nutzbare, lichtdurchflutete Wohneinheiten mit identem Grundriss, riesigen Balkonen und großzügigen Fensterflächen entstanden. "Die übergroßen Balkone waren uns ein besonderes Anliegen. Erst ab dieser Größe sind sie ein vollwertiger Terrassenersatz", sagt Christoph Gaber von Arge x42.

Obwohl das Gebäude, das den ersten Preis gewonnen hat, simpel wirkt, war die Herausforderung groß: "Einfachen, auf das Wesentliche reduzierten Häusern, sieht man jede Ungenauigkeit an. Sie sind sehr aufwendig in der Detailplanung und bedürfen einer sorgfältigen Bauaufsicht sowie sehr gewissenhaft arbeitenden ausführenden Firmen", so Gaber. Dem pflichtet die Jury bei: "In einer kompromisslosen Detailgenauigkeit konzipierten die Planer beim Wohnbau G12 ein Objekt mit hohem architektonischen Anspruch", so die Worte der Jury.

Wohnhaus Gießhübl - Sonderpreis: Arge x42 und Lothar Jell-Paradeiser errichteten auf über 3500 Fläche 13 Luxus-Apartments, die teils in den Hang geschoben sind. Prallmauerkiosk und Pegelturm, Ybbs an der Donau - Sonderpreis: Arge Architekt DI Dr. Karl Langer, DI georg Schumacher. Halbauerhof in Ebenfurth: pointer I pointer Architekten verwandelten den Innenhof eines Bauernhofs zu einem Wohnhaus. Straßenseitig blieb der Bau unverändert. Das Kinderbetreuungszentrum Maria Enzersdorf ist als Zubau zu einer bestehenden Volksschule konzipiert. Herzstück ist der geschützte Innenhof. Wohnhausanlage Oed - Annerkennung: AMM ZT-TmbH Architektin DI Anne Mautner Markhof. BORG + NMS Deutsch-Wagram - Nominierung: franz zt gmbh, Wien. Innen- und Außenhöfe schaffen im Gymnasium Neulengbach eine gute Lernatmosphäre. Die großen Fenster geben unterschiedliche Durchsichten und Einblicke frei. Landeskindergarten Scheiblingkirchen: Aufgrund wasserrechtlicher Auflagen musste der westliche Gebäudeteil angehoben werden. Darunter entstand ein überdachter, zusätzlicher Spielraum. Wirt am Teich in St. Valentin: Die Wasserfläche ist das Herzstück des Neubaus. Die Front ist voll verglast, so dass die Grenze zwischen drinnen und draußen verschwimmt.

Platz 2

Im Waldviertel , nördlich von Wien, entstand in Gänserndorf eine neue Firmenzentrale für das Bauunternehmen Lahofer. Das extravagante Gebäude, das auf den Plänen von Poppe*Prehal Architekten aus Steyr basiert, belegt den zweiten Platz. Dass der Bau auffällt, liegt einerseits an seiner monolithischen Form und andererseits an seiner Gebäudehülle. Sie besteht aus Materialien, die sowohl am Dach als auch an der Fassade anwendbar sind. In diesem Fall sind es Faserzementplatten, die den Bau so einkleiden, dass Fassade, Dach und die Terrassen zu einer Form verschmelzen. Im Inneren sorgt eingefärbter Sichtbeton für eine abwechslungsreiche Raumwirkung. "Die kristalline Form der komplexen Gebäudegeometrie sowie der gewählte Materialeinsatz lösen die Grenze zwischen Fassade und Dach vollkommen auf", urteilt die Jury.

Platz 3

Das Haus der Familie Schedlmayer in Loosdorf wurde mit dem dritten Rang ausgezeichnet. Inmitten eines alten Baumbestandes fügt sich der moderne Entwurf nahtlos in die Landschaft ein. Der minimalistische, auf wenige Materialien reduzierte Bau besteht aus zwei Teilen. Ein gläserner Gang verbindet die Baukörper, wobei die Verglasungen nicht nur für Helligkeit, sondern auch für abwechslungsreiche Ausblicke nach draußen sorgen. Vor allem überzeugte die solide Verarbeitung: "Die beeindruckende Ausführungsqualität ergänzt die konsequent entworfene und hervorragend umgesetzte Bauaufgabe", begründet die Jury ihre Entscheidung.

Der Pegelturm mit dazugehörigem Kiosk in Ybbs an der Donau dient dem Hochwasserschutz. Das Projekt, konzipiert von Architekt Karl Langer, ist aber mehr als das: Durch die neu gestaltete Promenade können die stromseitig gelegenen Altstadthäuser wieder mit dem Wasser verbunden werden, ohne durch eine Straße getrennt zu sein. Diese hohe architektonische wie städtebauliche Leistung honoriert die Jury mit einem Anerkennungspreis.

Den erhielt übrigens auch die Wohnhausanlage Gießhübl, wo dreizehn luxuriöse Maisonette-Wohnungen mit großzügigen Terrassen entstanden sind. Die Schlafräume sind in den Hang geschoben und über offene Atrien belichtet. Die Pläne dazu stammen ebenfalls von Arge x42 und Lothar Jell-Paradeiser, womit sich das Architekten-Team über eine zweite Auszeichnung freuen darf.

(kurier) Erstellt am
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