Wohnen
28.03.2018

Kaffee und Kuchen im plüschig-roten "Sacher-Eck"

Das Sacher, eines der bekanntesten Hotels der Welt, ist einen Umbau und eine Erweiterung von BWM Architekten reicher.

Öffnet man die Tür und schiebt die roten Vorhänge zur Seite, begibt man sich auf eine kleine Zeitreise: Polierter Marmor und samtene Sitzbänke mit Knopfpolsterung erinnern an barock möblierte Schlösser. Glänzende Golddetails und ein monumentaler, zweigeschoßiger Kristallluster tragen dazu bei, dass man sich augenblicklich ins alte Wien des 18. Jahrhunderts zurückversetzt fühlt.

Doch alt ist hier gar nichts, im Gegenteil: Das neue „Sacher-Eck“ wurde erst vor Kurzem nach einer vierjährigen Planungs- und Umbauphase fertiggestellt. Der Shop der Confiserie und der Servicebereich, das Sacher-Café im Parterre wurden modernisiert und gehen nun wie in einem Comptoir fließend ineinander über. Das Mezzanin, das vorher gar nicht zugänglich war, wurde zu einem gemütlichen Gastraum mit Fenstersitznischen umgebaut. Von dort bietet sich einem ein herrlicher Ausblick auf die Wiener Staatsoper und die auslaufende Kärntner Straße.

Federführend verantwortlich für die Neugestaltung war Erich Bernard von BWM Architekten. „Ursprünglich war geplant, lediglich den Shop zu modernisieren“, sagt der Interior-Experte. Der bestand genau genommen aus einem langen Verkaufspult, vor dem die Kunden sich oft in einer langen Schlange anstellen und warten mussten, bis sie bedient wurden. Dieses Konzept wurde radikal umgestellt: Hauseigene Produkte sind nun auf offenen Regalen und Etageren mitten im Raum ausgestellt. Kunden können ungezwungen durch das Angebot stöbern, gustieren, die Waren selbst auswählen und an der Kassa zahlen.

Keinen Bruch zur Vergangenheit stellt hingegen die gestalterische Ebene dar. „Material, Farben und Raumerleben widmen sich der langjährigen Tradition des Sachers“, schildert Bernard. Das erklärt die Anlehnung an das klassische imperiale Wiener Interieur: Bordeauxrot, Gold und Schwarz – die klassischen Sacher-Farbtöne werden mit Samt, Messing, dunklem Eichenholz sowie schwarzem und weißem Marmor in neuen Kompositionen zusammengeführt und verleihen eine warme, intime Atmosphäre.

Roter Samt, rote Tapisserie und eine rote Decke – die Sacher-Identität ist auch im Mezzanin allgegenwärtig. „Zuvor wurden dieser Räume für Veranstaltungen genutzt und waren nur vom Hotel zugänglich“, erzählt Bernard. Aufgabe war es, dieses Geschoß zu integrieren, als wäre es schon immer dabei gewesen.

Dem Planer war wichtig, eine Selbstverständlichkeit herzustellen, denn die Gäste seien nicht einfach in den ersten Stock zu bekommen. „Die oberen Plätze sind oft mager besetzt“, sagt Bernard. Dieser Problematik kommt man mit einer elegant geschwungene Eichenholztreppe mit rotem Läufer, die von einer beinahe acht Meter hohen, samtbespannten Bilderwand flankiert wird, entgegen. Über sie gelangt man in den neu erschlossenen Bereich, an dessen Raumenden jeweils zwei Séparées angeschlossen sind. Zentrales Möbelstück ist ein weißer Marmortresen, der wie ein überdimensionales Eclair neben der Stiege Platz gefunden hat.

Auffälligstes und zugleich verbindendes Element ist ein gigantischer, sechs Meter hoher Luster, der sich durch ein Loch in der Decke über zwei Geschoße erstreckt. Wie alle Lampen wurde er von der Wiener Designerin Megumi Ito entworfen. Auch sie mischt alte Zutaten neu: So werden etwa Kerzentropfschalen von LED-Lichtern angestrahlt.

„Das ganze Sacher ist von einer gewissen Bruchlosigkeit gekennzeichnet. Man könnte nicht sagen, welches Stück aus welchem Jahrzehnt stammt. Das war auch unser Ziel“, resümiert Bernard. Das ist gelungen: Entstanden ist ein Ort an dem die Geschichte Sachers ein Stück weitergeschrieben wird ohne altbacken zu sein. www.bwm.at