Wohnen
20.04.2012

Interview mit Markus Lederleitner

Markus Lederleitner über den Garten als Statussymbol und Stätte der Selbstverwirklichung

IMMO: Seit wann gibt es Gärten in Österreich und wurde schon immer Wert auf die Gestaltung gelegt?

Lederleitner: Bei uns gab es keine Gärten. Nur eine Thujenhecke und dahinter eine Wiese – und das durch alle Einkommenskategorien. Zwischen 1970 und 1980 bedeutete Luxus ein Haus, ein Auto, Urlaub, Pelzmantel oder Schmuck. Dann setzte ein Umdenken ein. Man begann, sich vom vordergründigen Luxus abzuwenden und widmete sich hintergründigeren Themen – und das ist der Garten. Man trägt das Thema nicht nach außen, es ist ein sehr persönlicher Lifestyle.

Das heißt, der Garten ist ein neues Statussymbol, das man gerne herzeigt?

Mittlerweile ja. Man ist stolz, Gartenbesitzer zu sein. Und man möchte sich damit auseinandersetzen, sich darüber unterhalten und ihn herzeigen. Das ist auch erkennbar an den unzähligen Büchern, Medien und Publikationen die es dazu gibt.

Muss sich der Garten an der Architektur des Hauses orientieren?

Dort wo die Architektur das fordert, gibt es für mich keine Alternative. Ich persönlich bin sehr befreundet mit einem ruhigen, klaren, geordneten Konzept. Man kann zu minimalistischer Architektur aber auch eine farbenfrohe und opulente Gestaltung umsetzen.

Englische Landhausgärten sind derzeit ein großes Thema. Warum eigentlich? Wie sehen Sie diesen Trend?

Der Charme der Cottagegärten liegt in ihrem kultivierten Durcheinander. Stockmalven, Rittersporn, Akeleien, Hortensien, Lubinien und Rosen ergeben in Kombination ein üppiges, herzerwärmendes Gesamtbild. Allerdings wird immer der Idealzustand dargestellt. Er wird oft nachgefragt, man vergisst aber, dass man sich intensiv damit auseinandersetzen muss. Um diese ungeordnete Situation im Griff zu haben braucht er Fürsorge und Zuwendung, weil die einzelnen Bestandteile sehr fragil sind. Ein Rittersporn etwa wird 1,3 bis 1,4 Meter hoch – bei einem Gewittersturm besteht die Gefahr, dass er knickt. Er braucht Unterstützung und muss zurückgeschnitten werden damit es im August zu einer zweiten Blüte kommt. Das Ganze ist in der Pflege sehr aufwendig, macht aber einen tollen Eindruck.

Sie beschäftigen sich täglich mit dem Gestalten von Gärten. Was muss Ihnen Ihre eigene Grünzone bieten?

Ich brauche Raum, um die Fantasie auf den Boden zu bringen. Das heißt: Eine ausreichend große Fläche um mich ein Leben lang damit zu beschäftigen. Bei Farbkonzepten und Pflanzenkombinationen entwickle ich permanent ein Stück dazu und gestalte Teile um. Einen Garten zu erleben und zu betreuen ist eine schöpferische Tätigkeit und eine intensive Auseinandersetzung. Und der Garten spiegelt auch die persönliche Entwicklung wider.

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